. Multiresistente Keime

Neues Resistenzgen gegen Notfall-Antibiotikum entdeckt

Auch in Deutschland wurde nun in Bakterien ein Resistenzgen entdeckt, das gegen das Notfall-Antibiotikum Colistin resistent ist. Besonders alarmierend: Das Gen ist zwischen verschiedenen Bakterienstämmen übertragbar.
Neues Resistenzgen gegen Notfall-Antibiotikum auch in Deutschland

Multiresistente Keime breiten sich immer mehr aus

Immer öfter werden Bakterien entdeckt, die gegen die Behandlung mit gängigen Antibiotika resistent sind. In solchen Fällen werden Reserve-Antibiotika eingesetzt; bei multiresistenten Enterobakterien ist das beispielsweise das Antibiotikum Colistin. Doch im November vergangenen Jahres wurde in China ein neues Colistin-Resistenzgen entdeckt. Forscher des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) und des Instituts für Medizinische Mikrobiologie der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) haben dieses Resistenzgen nun auch in Deutschland in menschlichem Gewebe nachgewiesen.

Doppelte Resistenz erschwert Behandlungen

Besonders alarmierend ist, dass das neu entdeckte Resistenzgen – im Gegensatz zu den vorher bekannten Colistin-Resistenzen – zwischen Bakterienstämmen übertragbar ist. So kann es beispielsweise von harmlosen Darmkeimen auf andere Krankheitserreger übergehen. Damit kann es sich leicht ausbreiten und die Behandlung verschiedener Erkrankungen erschweren.

Problematisch ist auch, dass das entdeckte Bakterium nicht nur gegen Colistin, sondern auch gegen Carbapenem resistent war. Carbapeneme sind breit wirksame Antibiotika, die in Notfällen gegen multiresistente Bakterien zum Einsatz kommen. Wenn sie unwirksam werden, kommt normalerweise Colistin als letzte Reserve zum Einsatz. Besteht auch dagegen eine Resistenz, kann eine „ausweglose Situation“ entstehen, so die Forscher.

Verbreitung des Resistenzgens noch ungeklärt

In Europa gab es bislang Meldungen aus Dänemark und Großbritannien, wo das neu entdeckte Colistin-Resistenzgen in Enterobakterien aus Geflügel- und Humanproben gefunden wurde, die bis 2012 zurückdatieren. In Deutschland kommt dieses Gen mindestens seit dem Jahr 2010 in Tieren vor – was bedeutet, dass seitdem die Möglichkeit einer Übertragung auf den Menschen bestanden hat. Wie verbreitet es ist und in welche Richtung es sich zwischen Tier und Mensch überträgt, können die Forscher aber noch nicht eindeutig beantworten.

Foto: Alexander Raths - fotolia.com

Autor: red
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin

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