. Stationäre Pflege

Neues Prüfsystem für Pflegeheime geht an den Start

Am 1. Oktober ist das neue Prüfsystem für die stationäre Pflege an den Start gegangen. Es soll die bisherigen Pflegenoten ablösen und differenziertere Aussagen über die Qualität eines Pflegeheimes treffen.
pflegeheim, pflegeperson, pflege, stationäre pflegee

Der neue Pflege-Tüv soll Qualität von Pflegeheimen besser erfassen

Am 1. Oktober ist das neue Prüfsystem für die stationäre Pflege an den Start gegangen. Es soll die bisherigen, kaum aussagekräftigen Pflegenoten ablösen und differenziertere Angaben  zur Qualität eines Pflegeheimes treffen.

Die Pflegeheime müssen ab sofort halbjährlich interne Qualitätsdaten - sogenannte Indikatoren - bei den Bewohnern erheben. Dabei wird erfasst, wie mobil und selbstständig sie sind, und wie viele Personen beispielsweise an unbeabsichtigtem Gewichtsverlust oder an Sturzfolgen leiden. Die Heime leiten ihre Daten an eine unabhängige Stelle zur Auswertung weiter. Jedes Heim wird dann mit den bundesweiten Qualitätsergebnissen verglichen.

Neues Prüfsystem für Pflegeheime geht an den Start

Diese Angaben werden kombiniert mit den Noten, die externe Prüfer des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherungen (MDK) vergeben. Sie begutachten jeweils neun Bewohner. Im Fokus soll die Frage stehen: Wie gut ist der pflegebedürftige Mensch versorgt, werden seine individuellen Bedürfnisse angemessen berücksichtigt.

Wie der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) weiter berichtet, starten die Prüfungen des MDK im November. Bis Ende 2020 soll jedes Heim einmal besucht worden sein. Die Ergebnisse des neuen Prüfsystems für Pflegeheime werden dann ab 2020 nach und nach auf den Webportalen der Pflegekassen veröffentlicht.

 

Fülle von Informationen

"Die Verbraucher bekommen zukünftig eine Fülle von Informationen über die Versorgungsqualität und über die Ausstattungsmerkmale in Pflegeeinrichtungen", betont Dr. Monika Kücking, Leiterin der Abteilung Gesundheit des GKV-Spitzenverbandes. Pflegebedürftige und Angehörige könnten individuell nach einer für sie passenden Einrichtung suchen.

Genau das bezweifeln erste Kritiker: Fraglich sei, ob die Darstellung wirklich eine schnelle Einschätzung bei der Pflegeheimsuche ermögliche. "Im zukünftigen Pflege-Tüv wird es weder eine aussagefähige Gesamtnote noch K.O.-Kriterien geben", sagte der Vorsitzende der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, der Agentur dpa. Für eine Vergleichbarkeit sei dies aber dringend notwendig.

Schwarze Schafe werden nicht sanktioniert

Auch die Bundesinteressenvertretung für alte und pflegebetroffene Menschen (BIVA-Pflegeschutzbund) kritisiert den neuen Pflege-Tüv:  Bei der Aufdeckung von bewussten Falschangaben fehlten klare Sanktionen mit abschreckender Wirkung. Die vorgesehene Beratung der "schwarzen Schafe" allein reiche in solchen Fällen nicht aus, so der BIVA-Vorsitzende Dr. Manfred Stegger.

Foto: pikselstock/fotolia.com

Autor: bab
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Stationäre Pflege
 

Weitere Nachrichten zum Thema Pflegeheim

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
Gabriele Schilling, Heim- und Pflegeleiterin des St. Kamillus Seniorenheims der Caritas, über die übertriebene Angst vorm Pflegeheim, eine bessere Bezahlung von Altenpflegern und schlechte Noten für die Qualitätsprüfer.
 
. Weitere Nachrichten
Noch im Januar gab es in Deutschland etwa 1400 Ärzte, die ihren Patienten Videosprechstunden anboten – heute sind es fast zehnmal so viele. Jörg Debatin, Berater der Bundesregierung für die Digitalisierung des Gesundheitswesens, spricht in einem Podcast-Interview mit Gesundheitsstadt Berlin über die Frage, wie die Coronakrise Gesellschaft und Gesundheitssektor technisch revolutionieren könnte – und welche Werte dabei zu beachten sind.
 
 
. Interviews
Noch müssen Ärzte in Deutschland keine Triagierung von COVID-19-Patienten vornehmen. Doch was wenn, die Intensivkapazitäten auch hier zu Lande nicht reichen? Gesundheitsstadt Berlin hat über das bedrückende Thema mit Prof. Dr. Elisabeth Steinhagen-Thiessen gesprochen. Die Charité-Medizinerin befasst sich als Mitglied des Deutschen Ethikrats und einer soeben eingerichteten Task Force des Berliner Senats intensiv mit dem Worst-Case-Szenario „Triagierung“.
Work-Life-Balance, geregelte Arbeitszeiten – in altersgemischten Stationsteams prallen Welten aufeinander. Wie sich der Generationenkonflikt im Krankenhaus lösen lässt, weiß Professor Wolfgang Kölfen, Chefarzt und Kommunikationsberater aus Mönchengladbach.