Anzeige
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Anzeige
16.10.2017

Neues Projekt zur psychoonkologischen Versorgung startet

Um die psychologische Versorgung von Krebspatienten in Deutschland zu verbessern, wurde kürzlich das Projekt isPo (Integrierte, sektorenübergreifende Psychoonkologie) gestartet. Damit soll ein Konzept für eine flächendeckende psychoonkologische Versorgung entwickelt werden.
Psychoonkologie

Viele Krebspatienten benötigen psychologische Unterstützung

Jährlich erkranken über 420.000 Menschen in Deutschland an Krebs. Diagnose und Behandlung sind für viele Betroffene auch emotional und psychosozial sehr belastend. Über die Hälfte der Patienten leidet unter Ängsten und Depressionen - oft auch über Diagnose und Therapie hinaus. Das Projekt isPo (Integrierte, sektorenübergreifende Psychoonkologie), das nun startet, soll dazu beitragen, Ängste und Depressionen von Krebspatienten im stationären und ambulanten Sektor zu verringern sowie deren psychosoziale Situation zu verbessern und die Selbsthilfe zu fördern. Ziel des Projektes ist es, ein Konzept für eine flächendeckende Versorgung von Krebspatienten mit psychoonkologischen Leistungen im Krankenhaus und im niedergelassenen Bereich zu definieren und dafür geeignete Strukturen, Prozesse und Leistungsumfänge in der intersektoralen Versorgung zu benennen. Die Leitung liegt bei der Uniklinik Köln.

Patienten mit psychischen Problemen unterstützen

Für das Projekt isPo arbeiten die beteiligten Artzpraxen und Krankenhäuser in Versorgungsnetzwerken am Standort Köln und drei weiteren Standorten in Nordrhein-Westfalen eng zusammen. Es wird ein IT-gestütztes, gestuftes Vorgehen der bedarfsgerechten Versorgung von Krebspatienten entwickelt und Maßnahmen zur Sicherung einer psychoonkologischen Versorgung für alle Krebspatienten eingeführt.

Die Patienten werden in einem ersten Schritt vom behandelnden Arzt unter Einsatz von Früherkennungsinstrumenten ausgewählt und erhalten von einer psychosozialen Fachkraft ein erstes Informationsgespräch zu Fragen rund um das Thema Krebs. Zeigt die Früherkennung, dass spezifische psychosoziale Probleme vorliegen, werden die Patienten weitergehend unterstützt und angeleitet. Bei starken Belastungsreaktionen wie Angst und Depression erhalten sie eine kontinuierliche psychoonkologische Beratung, Begleitung und Behandlung durch einen Psychotherapeuten.

Vergütung der psychoonkologischen Versorgung bisher nicht geregelt

Die Wirksamkeit dieser neuen Versorgungsform wird gemessen an der klinisch nachweisbaren Verringerung von Angst und Depression. Professor Michael Hallek, Direktor der Klinik I für Innere Medizin und des Centrums für Integrierte Onkologie (CIO) an der Kölner Uniklinik, erklärt: „Psychoonkologische Maßnahmen sind aus dem therapeutischen Gesamtkonzept für Menschen mit einer Krebserkrankung nicht mehr wegzudenken. Nicht geregelt ist bislang aber der Leistungsumfang der psychoonkologischen Versorgung und die Vergütung durch die Krankenkassen.“ Ziel des vierjährigen Projektes sei es daher, die Anforderungen an eine flächendeckende Versorgung im Krankenhaus und im niedergelassenen Bereich zu definieren, so Versorgungsforscher Dr. Michael Kusch, der den Antrag federführend verantwortet. „Idealerweise wissen wir Ende 2021, welcher Patient welche Leistung zu welchem Zeitpunkt erhalten muss, wer sie erbringt und wie sie vergütet wird“, so Kusch.

9,1 Millionen Euro vom Innovationsfonds

An dem Projekt wirken insgesamt 15 Partner aus allen Sektoren des Gesundheitswesens mit, die an der Erbringung, Evaluierung und Vergütung psychoonkologischer Leistungen beteiligt sind, unter anderem auch drei große gesetzliche Krankenkassen. Das Projekt wird im Ballungsraum Köln und drei ländlichen Regionen in NRW über ärztlich geleitete Versorgungsnetzwerke realisiert. Je nach persönlichem Bedarf erhält ein Krebspatient dort eine psychosoziale und/oder psychotherapeutische Versorgung. Die Versorgung eines Patienten beginnt zum Zeitpunkt der Krebsdiagnose und wird über einen Zeitraum von 12 Monaten sektorenübergreifend erbracht.

Das auf vier Jahre angelegte Vorhaben wird mit 9,1 Millionen Euro vom Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) unterstützt. Der Innovationsfonds ist ein gesundheitspolitisches Instrument zur Förderung der Integrierten Versorgung und Versorgungsforschung in Deutschland. Das übergeordnete Ziel des Fonds ist es, die Versorgung in der gesetzlichen Krankenversicherung qualitativ weiterzuentwickeln.

Foto: © WavebreakmediaMicro - Fotolia.com

Autor: anvo
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Krebs , Gesundheitssystem , Depression , Angst , Qualität
 

Weitere Nachrichten zum Thema Psychoonkologische

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten

Noch nie haben sich in Deutschland so viele Menschen nach Zeckenbissen im Grünen mit Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME) angesteckt wie 2020 – und Experten befürchten eine weiter steigende Tendenz. Neu ist: Die nur durch Zecken übertragene und im schlimmsten Fall tödliche Form der Hirnhautentzündung wandert Richtung Norden – und tritt in der Natur verstärkt in größeren Höhen auf.

Der Corona-Lockdown bremst uns bei sportlichen Aktivitäten aus und verändert unsere Ernährungsgewohnheiten. Das zeigt eine Umfrage unter Studenten in Bayern. Fast jeder Dritte aß mehr als in der Vor-Corona-Zeit – und viele aßen mehr „Ungesundes“. Die Zahl der Schritte, die man pro Tag geht, sank um eine Zahl in vierstelliger Größe.
 
Interviews
Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.

Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin