. AOK Nordost

Neues Programm gegen chronische Niereninsuffizienz

Mit einem neuen Programm will die AOK Nordost chronische Niereninsuffizienz früher erkennen und Dialysepflicht verzögern. Das Programm startet im Juli in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern.
Chronische Niereninsuffizienz früher erkennen

Nicht nur Nierensteine, auch Niereninsuffizienz ist ein Fall für den Facharzt.

Chronische Niereninsuffizienz ist eine heimtückische Erkrankung. Die Nierenschwäche entwickelt sich meist schleichend und oft ohne eindeutige Symptome. „Erst wenn die Krankheit weit fortgeschritten ist, machen sich für den Patienten schwerwiegende Krankheitszeichen bemerkbar“, erläutert Dr. Til Leimbach, leitender Facharzt für Innere Medizin und Nephrologie am KfH-Nierenzentrum Berlin-Köpenick in Kooperation mit den „DRK-Kliniken Berlin Köpenick“.

Typische Symptome einer fortgeschrittenen Nierenschwäche sind nach Angaben des Nierenspezialisten etwa Wassereinlagerungen in Beinen und Lunge, Veränderungen der Knochensubstanz, Muskelschwäche oder Anämie.

Diabetes und Bluthochdruck erhöhen das Risiko für chronische Niereninsuffizienz

Besonders gefährdet sind den Angaben zufolge Patienten, die an Diabetes mellitus und gleichzeitig an Bluthochdruck leiden. „Das Problem ist: Da die Patienten lange keine Beschwerden spüren, gehen sie auch nicht zum Arzt. In der Folge wird die Erkrankung oft zu spät erkannt und ist dann nur noch schwer aufzuhalten“, erläutert Leimbach. Für viele Patienten bedeutet das, dass sie früher oder später auf Dialyse angewiesen sind.

Die AOK Nordost zählt unter ihren Versicherten etwa 120.000 mit einer Niereninsuffizienz. Rund 4200 davon brauchen laut Kasse eine Dialyse. Nur weniger als ein Viertel der Patienten, bei denen eine chronische Niereninsuffizienz diagnostiziert ist (23%), sind bei einem Nierenspezialisten (Nephrologen) in Behandlung.

Das will die Krankenkasse mit ihrem neuen Versorgungsprogramm ändern. Dabei arbeitet sie mit vier großen Organisationen zusammen, in denen verschiedene nephrologische Praxen organisiert sind. Versicherte, die an dem Programm teilnehmen, werden dann im KfH Kuratorium für Dialyse und Nierentransplantation e. V., bei der Nephroservice GmbH, im MVZ Verbund in Mecklenburg-Vorpommern und bei Nephrocare Deutschland GmbH fachärztlich betreut.

 

Chronische Niereninsuffizienz beim Nierenspezialisten behandeln

Vorgesehen ist unter anderem, dass Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz eine zweite ärztliche Meinung erhalten, bevor eine Dialyse eingeleitet wird. Zudem soll regelmäßig überprüft werden, welche Medikamente der Patient einnimmt. „Wir haben festgestellt, dass viele unserer betroffenen Versicherten Medikamente erhalten, die die Nierenfunktion noch zusätzlich beeinträchtigen. Insbesondere bei denen, die viele verschiedene Medikamente nehmen, ist es schwierig, deren Wechselwirkungen zu überblicken“, erklärt Stoff-Ahnis von der Geschäftsleitung der AOK Nordost.

Das Programm zielt aber auch darauf, dass eine chronische Niereninsuffizienz früher erkannt wird. Risikopatienten – etwa mit Diabetes und Bluthochdruck – sollen deshalb von ihrem Hausarzt oder Diabetologen einmal pro Jahr darauf hin untersucht werden, ob eine chronische Niereninsuffizienz vorliegt. Wenn das Ergebnis auffällig ist, überweist der behandelnde Arzt im Programm zur weiteren Diagnostik und Behandlung an einen Nierenfacharzt.

Foto: decade3d – fotolia.com

Autor: Angela Mißlbeck
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Krankenkassen , Nieren , Früherkennung
 

Weitere Nachrichten zum Thema Programm gegen chronische Niereninsuffizienz

| Hundertjährige sind in ihren letzten Lebensjahren gesünder als gedacht. Das haben Wissenschaftler der Charité – Universitätsmedizin Berlin gezeigt. Ihrer Studie zufolge haben Menschen, die im Alter von einhundert Jahren und älter verstarben, weniger Erkrankungen als denjenigen, die zwischen 80 und 99 Jahren starben.
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Bei fast allen Erkrankungen wird körperlicher Aktivität ein positiver Einfluss auf den Krankheitsverlauf nachgesagt. Zum Teil wird sie sogar schon gezielt als Therapie eingesetzt. Eine Meta-Analyse zeigt nun: Durch körperliche Aktivität kann die Gesamtsterblichkeit um 30 bis 40 Prozent gesenkt werden.
Listerien, EHEC-Erreger, Campylobacter – in Fleisch und Wurstprodukten stecken jede Menge Krankheitserreger. Das Zoonosen-Monitoring 2017 zieht eine unappetitliche Bilanz. Dabei wurden nur Stichproben ausgewertet. Die Wahrheit könnte noch viel schlimmer sein.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

Friedrich von Bodelschwingh-Klinik Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Landhausstraße 33 – 35 10717 Berlin, Mehrzweckraum (EG)
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Kliniken
. Interviews
Die akute Aortendissektion ist immer ein Notfall. Einer Studie zufolge könnte vielen Menschen das Leben gerettet werden, wenn sie rechtzeitig und adäquat behandelt werden würden. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Dr. Stephan Kurz vom Deutschen Herzzentrum Berlin (DHZB) über die Versorgungssituation und das erfolgreiche Projekt „Aortentelefon“ gesprochen.
Dr. Iris Hauth, Chefärztin des Alexianer St. Joseph-Krankenhauses für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Berlin-Weißensee, berichtet in Ihrem Buch "Keine Angst!" über Ursachen und Behandlung von Depressionen - und wie man sich davor schützen kann.
Prof. Dr. Andreas Michalsen, Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin und Professor für Klinische Naturheilkunde an der Charité, über die Grenzen der Schulmedizin, den Wildwuchs in der Naturheilkunde und warum sich beide Disziplinen gerade näherkommen.