Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Neues Programm gegen chronische Niereninsuffizienz

Samstag, 30. Juni 2018 – Autor: Angela Mißlbeck
Mit einem neuen Programm will die AOK Nordost chronische Niereninsuffizienz früher erkennen und Dialysepflicht verzögern. Das Programm startet im Juli in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern.
Chronische Niereninsuffizienz früher erkennen

Nicht nur Nierensteine, auch Niereninsuffizienz ist ein Fall für den Facharzt. – Foto: ©decade3d - stock.adobe.com

Chronische Niereninsuffizienz ist eine heimtückische Erkrankung. Die Nierenschwäche entwickelt sich meist schleichend und oft ohne eindeutige Symptome. „Erst wenn die Krankheit weit fortgeschritten ist, machen sich für den Patienten schwerwiegende Krankheitszeichen bemerkbar“, erläutert Dr. Til Leimbach, leitender Facharzt für Innere Medizin und Nephrologie am KfH-Nierenzentrum Berlin-Köpenick in Kooperation mit den „DRK-Kliniken Berlin Köpenick“.

Typische Symptome einer fortgeschrittenen Nierenschwäche sind nach Angaben des Nierenspezialisten etwa Wassereinlagerungen in Beinen und Lunge, Veränderungen der Knochensubstanz, Muskelschwäche oder Anämie.

Diabetes und Bluthochdruck erhöhen das Risiko für chronische Niereninsuffizienz

Besonders gefährdet sind den Angaben zufolge Patienten, die an Diabetes mellitus und gleichzeitig an Bluthochdruck leiden. „Das Problem ist: Da die Patienten lange keine Beschwerden spüren, gehen sie auch nicht zum Arzt. In der Folge wird die Erkrankung oft zu spät erkannt und ist dann nur noch schwer aufzuhalten“, erläutert Leimbach. Für viele Patienten bedeutet das, dass sie früher oder später auf Dialyse angewiesen sind.

Die AOK Nordost zählt unter ihren Versicherten etwa 120.000 mit einer Niereninsuffizienz. Rund 4200 davon brauchen laut Kasse eine Dialyse. Nur weniger als ein Viertel der Patienten, bei denen eine chronische Niereninsuffizienz diagnostiziert ist (23%), sind bei einem Nierenspezialisten (Nephrologen) in Behandlung.

Das will die Krankenkasse mit ihrem neuen Versorgungsprogramm ändern. Dabei arbeitet sie mit vier großen Organisationen zusammen, in denen verschiedene nephrologische Praxen organisiert sind. Versicherte, die an dem Programm teilnehmen, werden dann im KfH Kuratorium für Dialyse und Nierentransplantation e. V., bei der Nephroservice GmbH, im MVZ Verbund in Mecklenburg-Vorpommern und bei Nephrocare Deutschland GmbH fachärztlich betreut.

 

Chronische Niereninsuffizienz beim Nierenspezialisten behandeln

Vorgesehen ist unter anderem, dass Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz eine zweite ärztliche Meinung erhalten, bevor eine Dialyse eingeleitet wird. Zudem soll regelmäßig überprüft werden, welche Medikamente der Patient einnimmt. „Wir haben festgestellt, dass viele unserer betroffenen Versicherten Medikamente erhalten, die die Nierenfunktion noch zusätzlich beeinträchtigen. Insbesondere bei denen, die viele verschiedene Medikamente nehmen, ist es schwierig, deren Wechselwirkungen zu überblicken“, erklärt Stoff-Ahnis von der Geschäftsleitung der AOK Nordost.

Das Programm zielt aber auch darauf, dass eine chronische Niereninsuffizienz früher erkannt wird. Risikopatienten – etwa mit Diabetes und Bluthochdruck – sollen deshalb von ihrem Hausarzt oder Diabetologen einmal pro Jahr darauf hin untersucht werden, ob eine chronische Niereninsuffizienz vorliegt. Wenn das Ergebnis auffällig ist, überweist der behandelnde Arzt im Programm zur weiteren Diagnostik und Behandlung an einen Nierenfacharzt.

Foto: decade3d – fotolia.com

Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Krankenkassen , Nieren , Früherkennung
 

Weitere Nachrichten zum Thema Programm gegen chronische Niereninsuffizienz

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Die Zahl der HIV-Neuinfektionen ist auf dem niedrigsten Stand seit 20 Jahren. Die der Patienten mit Aids im fortgeschrittenen Stadium nimmt aber offenbar zu, weil viele nicht zum HIV-Test gehen. Experten warnen deshalb: „Aids ist noch nicht vorbei.“


Normalerweise beginnt die Grippesaison nach dem Jahreswechsel. Weil das Immunsystem bei vielen dank der Hygienemaßnahmen aus der Corona-Pandemie auch bei Grippe aus der Übung ist, erwarten Experten die Winter-Welle diesmal früher, schneller und heftiger.
 
Interviews
Affenpocken verlaufen in der Regel harmlos. Doch nicht immer. Dr. Hartmut Stocker, Chefarzt der Klinik für Infektiologie am St. Joseph Krankenhaus in Berlin Tempelhof, über die häufigsten Komplikationen, die Schutzwirkung der Impfung und den Nutzen von Kondomen.

Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin