. Altersdiabetes

Neues Medikament soll Herz-Kreislauf-Todesfälle bei Typ-2-Diabetikern senken

Diabetes-Patienten sterben mehr als doppelt so oft an Herzinfarkt oder Schlaganfall wie die Allgemeinbevölkerung. Einer internationalen Studie zufolge kann der Wirkstoff Semaglutid dieses Risiko halbieren. Auch muss man das Präparat nicht mehr subkutan spritzen, sondern kann es als Tablette einnehmen.
Prof. Andreas Birkenfeld, TU Dresden

Ein internationales Forscher-Team hat den neuen Wirkstoff Semaglutid in einer Studie untersucht. Zu diesem Team gehören auch Wissenschaftler der TU Dresden wie Prof. Andreas Birkenfeld, ein Co-Autor der Studie.

Eine neue Generation von Medikamenten soll die Anzahl kardiovaskulärer Todesfälle, also tödlicher Herz-Kreislauf-Erkrankungen, bei Diabetikern des Typs 2 („Altersdiabetes“) senken helfen. Wissenschaftler haben in den zurückliegenden Jahren diese sogenannten Inkretin-Analoga entwickelt. Ihre Wirkungsweise entspricht der des Darmhormons GLP-1 und führt zur Insulinausschüttung in den Betazellen der Bauchspeicheldrüse. Gleichzeitig reduzieren die Präparate das Hungergefühl im Gehirn. Wegen ihrer chemischen Struktur müssen diese Medikamente bisher aber per subkutaner Injektion verabreicht, also unter die Haut gespritzt werden, damit sie richtig wirken.

Semaglutid: Senkt bei Diabetikern vor allem das Schlaganfallrisiko

Für den Wirkstoff Semaglutid aus dieser neuen Medikamentenfamilie konnte bereits in einer großen internationalen Studie (SUSTAIN-6-Studie) nachgewiesen werden, dass seine Gabe in Spritzenform zu einer Reduktion von kardiovaskulären Ereignissen führt – vor allem von Schlaganfällen. Nach einer jetzt in der US-Fachzeitschrift „New England Journal of Medicine“ (NEJM) veröffentlichten Studie gilt dies offenbar auch für die Tablettenform. Der Wirkstoff Semaglutid wird hierfür mit einem „Absorptionsverstärker“ kombiniert, der die Aufnahme im Organismus beschleunigen soll, und in Tablettenform gepresst.

 

Internationale Studie in 12 Ländern - mit deutschen Wissenschaftlern

Federführend bei dieser aktuellen Studie („Pioneer-6-Studie“) waren deutsche Wissenschaftler vom Universitätsstudienzentrum für Stoffwechselerkrankungen der Technischen Universität Dresden. Gemeinsam mit internationalen Kollegen untersuchten sie in 21 Ländern, ob Semaglutid in Tablettenform das Risiko für tödliche Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems als Folge einer Diabetes-Grunderkrankung reduzieren kann.

„Risiko für Herz-Kreislauf-Tod um 51 Prozent reduziert“

„Am Ende des Studienzeitraums … konnte eine Reduktion des Risikos für kardiovaskulären Tod um 51 Prozent und die Reduktion des Todes aus jeglichem Grund um 49 Prozent bei den Patienten, die orales Semaglutid einnahmen, festgestellt werden“, erklärt Prof. Andreas Birkenfeld. Er ist Mitautor der Studie und Forschungsgruppenleiter am Paul-Langerhans-Institut der TU Dresden. Und er nennt noch einen weiteren Vorteil des oralen Präparats: „Zudem führte die Semaglutid-Pille zu einer durchschnittlichen Gewichtsabnahme der Probanden um 4,2 Kilogramm und zu einer besseren Blutzuckereinstellung.“

Die Ergebnisse werden nun in einer größeren, internationalen Studie überprüft und ausgeweitet. Die Zulassung der Semaglutid-Tablette für die Therapie des Typ-2-Diabetes wird aktuell vom Hersteller Novo Nordisk bei den zuständigen Behörden beantragt. Der dänische Pharmaunternehmen gehört nach eigenen Angaben zu den Weltmarktführern im Bereich der Diabetes-Pharmazie.

Foto: Nutzwerk/Thomas Kretschel

Autor:
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Diabetes , Insulin , Forschung , Herzinfarkt , Pankreas , Schlaganfall
 

Weitere Nachrichten zum Thema Diabetes

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Wer akute Zahnschmerzen hat, braucht auch in Corona-Zeiten einen Zahnarzt. Doch was ist beispielsweise mit Vorsorgeuntersuchungen? Selbst die Zahnärzte sind sich uneins, wie sie mit der Krise umgehen und wen sie noch behandeln sollen.
Mitarbeiter in den Alten- und Pflegeheimen haben Angst, sich mit Corona zu infizieren. Angehörige dürfen ihre Pflegebedürftigen nicht mehr besuchen. Bei Covid-19 Erkrankungen in einem Pflegeheim müssen betroffene Pflegebedürftige von den übrigen Bewohnern isoliert werden. Über die Situation in der stationären und ambulanten Pflege sprach Gesundheitsstadt Berlin mit dem Pflegebevollmächtigten der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

Friedrich von Bodelschwingh-Klinik, Landhausstraße 33 – 35, 10717 Berlin

Friedrich von Bodelschwingh-Klinik, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Landhausstraße 33 – 35, 10717 Berlin Mehrzweckraum, EG
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Kliniken
. Interviews
Noch müssen Ärzte in Deutschland keine Triagierung von COVID-19-Patienten vornehmen. Doch was wenn, die Intensivkapazitäten auch hier zu Lande nicht reichen? Gesundheitsstadt Berlin hat über das bedrückende Thema mit Prof. Dr. Elisabeth Steinhagen-Thiessen gesprochen. Die Charité-Medizinerin befasst sich als Mitglied des Deutschen Ethikrats und einer soeben eingerichteten Task Force des Berliner Senats intensiv mit dem Worst-Case-Szenario „Triagierung“.
Work-Life-Balance, geregelte Arbeitszeiten – in altersgemischten Stationsteams prallen Welten aufeinander. Wie sich der Generationenkonflikt im Krankenhaus lösen lässt, weiß Professor Wolfgang Kölfen, Chefarzt und Kommunikationsberater aus Mönchengladbach.
Die Universitätsmedizin Essen ist Smart Hospital und aktiv am Aufbau des virtuellen Krankenhauses in Nordrhein-Westfalen beteiligt. Über die Chancen der digitalen Transformation und die Hürden auf diesem Weg hat Gesundheitsstadt Berlin mit der Digital Change Managerin der Universitätsmedizin Dr. Anke Diehl gesprochen.