Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
26.06.2019

Neues Medikament soll Herz-Kreislauf-Todesfälle bei Typ-2-Diabetikern senken

Diabetes-Patienten sterben mehr als doppelt so oft an Herzinfarkt oder Schlaganfall wie die Allgemeinbevölkerung. Einer internationalen Studie zufolge kann der Wirkstoff Semaglutid dieses Risiko halbieren. Auch muss man das Präparat nicht mehr subkutan spritzen, sondern kann es als Tablette einnehmen.
Prof. Andreas Birkenfeld, TU Dresden

Ein internationales Forscher-Team hat den neuen Wirkstoff Semaglutid in einer Studie untersucht. Zu diesem Team gehören auch Wissenschaftler der TU Dresden wie Prof. Andreas Birkenfeld, ein Co-Autor der Studie.

Eine neue Generation von Medikamenten soll die Anzahl kardiovaskulärer Todesfälle, also tödlicher Herz-Kreislauf-Erkrankungen, bei Diabetikern des Typs 2 („Altersdiabetes“) senken helfen. Wissenschaftler haben in den zurückliegenden Jahren diese sogenannten Inkretin-Analoga entwickelt. Ihre Wirkungsweise entspricht der des Darmhormons GLP-1 und führt zur Insulinausschüttung in den Betazellen der Bauchspeicheldrüse. Gleichzeitig reduzieren die Präparate das Hungergefühl im Gehirn. Wegen ihrer chemischen Struktur müssen diese Medikamente bisher aber per subkutaner Injektion verabreicht, also unter die Haut gespritzt werden, damit sie richtig wirken.

Semaglutid: Senkt bei Diabetikern vor allem das Schlaganfallrisiko

Für den Wirkstoff Semaglutid aus dieser neuen Medikamentenfamilie konnte bereits in einer großen internationalen Studie (SUSTAIN-6-Studie) nachgewiesen werden, dass seine Gabe in Spritzenform zu einer Reduktion von kardiovaskulären Ereignissen führt – vor allem von Schlaganfällen. Nach einer jetzt in der US-Fachzeitschrift „New England Journal of Medicine“ (NEJM) veröffentlichten Studie gilt dies offenbar auch für die Tablettenform. Der Wirkstoff Semaglutid wird hierfür mit einem „Absorptionsverstärker“ kombiniert, der die Aufnahme im Organismus beschleunigen soll, und in Tablettenform gepresst.

 

Internationale Studie in 12 Ländern - mit deutschen Wissenschaftlern

Federführend bei dieser aktuellen Studie („Pioneer-6-Studie“) waren deutsche Wissenschaftler vom Universitätsstudienzentrum für Stoffwechselerkrankungen der Technischen Universität Dresden. Gemeinsam mit internationalen Kollegen untersuchten sie in 21 Ländern, ob Semaglutid in Tablettenform das Risiko für tödliche Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems als Folge einer Diabetes-Grunderkrankung reduzieren kann.

„Risiko für Herz-Kreislauf-Tod um 51 Prozent reduziert“

„Am Ende des Studienzeitraums … konnte eine Reduktion des Risikos für kardiovaskulären Tod um 51 Prozent und die Reduktion des Todes aus jeglichem Grund um 49 Prozent bei den Patienten, die orales Semaglutid einnahmen, festgestellt werden“, erklärt Prof. Andreas Birkenfeld. Er ist Mitautor der Studie und Forschungsgruppenleiter am Paul-Langerhans-Institut der TU Dresden. Und er nennt noch einen weiteren Vorteil des oralen Präparats: „Zudem führte die Semaglutid-Pille zu einer durchschnittlichen Gewichtsabnahme der Probanden um 4,2 Kilogramm und zu einer besseren Blutzuckereinstellung.“

Die Ergebnisse werden nun in einer größeren, internationalen Studie überprüft und ausgeweitet. Die Zulassung der Semaglutid-Tablette für die Therapie des Typ-2-Diabetes wird aktuell vom Hersteller Novo Nordisk bei den zuständigen Behörden beantragt. Der dänische Pharmaunternehmen gehört nach eigenen Angaben zu den Weltmarktführern im Bereich der Diabetes-Pharmazie.

Foto: Nutzwerk/Thomas Kretschel

Autor:
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Diabetes , Insulin , Forschung , Herzinfarkt , Pankreas , Schlaganfall
 

Weitere Nachrichten zum Thema Diabetes

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten

Corona-Pandemie und Lockdowns haben bei der Generation unter 30 Spuren hinterlassen. Das zeigt eine Studie der Betriebskrankenkasse Pronova BKK. Junge Menschen, die mit Geschwistern im Elternhaus leben, sind häufiger depressiv und aggressiv. Für 72 Prozent ist das Handy in der Coronakrise zur Haupt-Freizeitbeschäftigung geworden.

Corona sorgt für ein Allzeittief bei Arbeitsunfällen. Am dramatischsten sind Unfälle in der Schule zurückgegangen. Berufsgenossenschaften und Unfallkassen haben jetzt eine Bilanz für das Pandemiejahr 2020 vorgelegt.
 
Interviews
Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.


Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.
Logo Gesundheitsstadt Berlin