Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
18.08.2019

Neues Instrument zur Messung des Pflegebedarfs in Krankenhäusern geplant

Wieviel Pflegepersonal braucht ein Krankenhaus wirklich? Das wollen die Deutsche Krankenhausgesellschaft, der Deutsche Pflegerat und die Gewerkschaft Verdi herausfinden und dafür gemeinsam ein Instrument zur Bemessung des Pflegebedarfs in deutschen Krankenhäusern entwickeln.
Pflegepersonal, Pflegepersonalbedarf, Personaluntergrenzen, DKG

Wieviel Pflegepersonal braucht ein Krankenhaus? Darüber wird derzeit lebhaft diskutiert.

Seit Januar 2019 gelten bundesweit Personaluntergrenzen auf Intensivstationen, in der Geriatrie, der Kardiologie und der Unfallchirurgie. Doch die Krankenhäuser finden nicht genug Personal, diese gesetzlichen Vorgaben einzuhalten. Der Deutsche Pflegerat (DPR), die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) und die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) wollen nun ein anderes Instrument zur verbindlichen Bemessung des notwendigen Bedarfs an Pflegepersonal entwickeln. Dafür haben sie kürzlich ein Eckpunkte-Papier vorgestellt. „Ein Instrument zur Bemessung des notwendigen Pflegepersonalbedarfs in Krankenhäu­sern ist bundesweit einheitlich und verbindlich anzuwenden und schätzt unterschiedliche Patientengruppen und Leistungsfelder hinsichtlich ihres Pflegepersonalbedarfes ein“, heißt es in dem Papier.

Vorschlag bis Ende des Jahres geplant

Grundlage des Pflegepersonalbemessungsinstruments (PPBI) soll die Pflegepersonal-Re­gelung (PPR) sein, die bereits in den 1990er-Jahren entwickelt wurde, um den Personalbedarf in der Krankenpflege zu messen. Gemessen wurde damit allerdings nicht die tatsächlich erbrachte Pflegeleistung, son­dern die Leistung, die sich aus dem Pflegebedarf des Patienten ergab. Unterteilt wurden darin die Bereiche „Allgemeine Pflege“ und „Spezielle Pflege“. Dabei wurden anhand von Tätigkeitsprofilen, Studien und Erfahrungen notwendige Minutenwerte errechnet.

Diese Regelungen wollen DKG, DPR und Verdi nun aktualisieren. Die Gesellschaften planen, dem Bundesgesund­heits­ministerium bis zum Ende des Jahres einen konkreten Vorschlag zu präsentieren.

 

Personaluntergrenzen sollen überflüssig werden

„Dem Pflegepersonalbemessungsinstrument zufolge soll sich der Versorgungsbedarf zum Beispiel an der jeweiligen Patientengruppe orientieren, an dem Schweregrad der Erkran­kungen, an der Größe des Hauses und an dessen Versorgungsauftrag“, so DKG-Präsident Dr. Gerald Gaß. „Dabei brauchen Sie zum Beispiel in einer orthopädischen Fachklinik mit vielen jungen Sport­lern weniger Pflegekräfte als in einer geriatrischen Abteilung, in der vielleicht ein Drittel der Patienten an Demenz leidet.“

„Die Beteiligten sind sich einig, dass das Personalbemessungsinstrument künftig die Grundlage für die Verhandlung der Pflegebudgets ist. Mit dessen Hilfe lässt sich der realistische Bedarf zur Aufrechterhaltung hoher Pflegequalität ermitteln“, erklärt Gaß weiter. Mit dem Personalbemessungsinstrument würden sich zudem die gesetzlichen Pflegepersonaluntergrenzen und ihre Ausweitung erübrigen, so die DKG in einer Mitteilung.

Neues Instrument soll für alle Stationen gelten

Das Pflegepersonalbemessungsinstrument soll den Pflegebedarf eines Krankenhauses auf allen bettenführenden Stationen ermitteln, heißt es in den Eckpunkten. Derzeit gelten die Anfang des Jahres eingeführten Pflegepersonaluntergrenzen nur für die Bereiche In­tensivmedizin, Unfallchirurgie, Geriatrie und Kardiologie. Für In­ten­sivstationen sowie für Kinderkliniken sollen jedoch eigene Instrumente ent­wi­ckelt und umgesetzt werden.

„Das Instrument geht einher mit der täglichen Bestimmung des Pflegeaufwands, das da­bei die notwendige Anzahl von Pflegekräften ermittelt“, erklärte Andrea Lemke, Mitglied des DPR-Präsidiums. Sie wies darauf hin, dass „wir heute nicht wissen, wie viele Pflege­kräfte fehlen, solange wir kein Instrument haben, um den Bedarf zu bestimmen“.

Foto: © Photographee.eu - Fotolia.com

Foto: ©Photographee.eu - stock.adobe.com

Autor: anvo
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Gesundheitspolitik , Pflegekräfte , Fachkräftemangel
 

Weitere Nachrichten zum Thema Pflegepersonal

23.10.2019

Im Jahr 2030 werden in Deutschland zusätzlich mindestens 187.000 Pflegekräfte gebraucht. Das ist das Ergebnis eines Gutachtens, das im Auftrag der Deutschen Krankenhausgesellschaft erstellt wurde. Werden die Pflegepersonalschlüssel weiter korrigiert, fehlen noch mehr Fachkräfte.

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Im ersten Lockdown dieser Pandemie ging die Zahl der Schlaganfälle um 17 Prozent zurück. Experten sind überzeugt: Die Symptome wurden bloß nicht ernst genommen. Und das sei fatal.

Antibiotika sind die Standardtherapie bei bakteriellen Infektionen und retten jedes Jahr Millionen von Leben. Aber sie greifen auch die hochkomplexe Darmflora an und damit das Immunsystem. Und: Sie können sogar ihrerseits Krankheiten auslösen. Forscher haben jetzt 1.200 Medikamente daraufhin getestet, ob sie sich hier – parallel verabreicht – als „Gegenmittel“ eignen.

In Israel gelten nur noch Personen mit dritter Impfung als vollständig geimpft. Und tatsächlich sinken die Fallzahlen im Land. Das Vorgehen ist jedoch wissenschaftlich umstritten.
 
Interviews
Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.

Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.

Logo Gesundheitsstadt Berlin