Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
22.09.2019

Neues Influenza-Virus H18N11: Gefahr für Menschen schwer einschätzbar

Das Influenza-Virus H18N11, das erst vor wenigen Jahren in Fledermäusen entdeckt wurde, ist offenbar sehr anpassungsfähig. Wissenschaftler halten darum eine Übertragung auf den Menschen für nicht ausgeschlossen.
Influenza-Virus H18N11

Der Influenza-Virustyps H18N11 ist unter Fledermäusen verbreitet. Durch seine enorme Anpassungsfähigkeit könnte es theoretisch auch Menschen infizieren

Fledermäuse sind oftmals Ursprung von Viren, die auch für den Menschen gefährlich werden können. So gelten Fledermäuse als die wahrscheinlichsten Überträger des oft tödlich verlaufenden Ebola-Virus sowie des SARS-Virus.

Nun haben Forscher erstmals das in Fledermäusen vorkommende Influenza-Virus H18N11 genauer untersucht. Dieser Subtyp wurde erstmals im Oktober 2013 wissenschaftlich beschrieben, nachdem er in Peru aus Fruchtfledermäusen isoliert worden war. Bislang gilt als gesichert, dass das Virus nur unter Fledermäusen untereinander übertragen wird, jedenfalls ist noch keine H18N11-Infektion bei einer anderen Spezies nachgewiesen worden.

Aber: Das Influenza-Virus weist offenbar eine hohe Anpassungsfähigkeit auf, wie die Forscher des Universitätsklinikums Freiburg, des Friedrich-Löffler-Instituts sowie der US-amerikanischen Colorado State University und Kansas State University jetzt im Fachmagazin "Nature Microbiology" berichten.

Überraschend anpassungsfähig

„Influenza-Viren besitzen generell eine hohe Mutationsrate“, sagt Studienleiter Prof. Martin Schwemmle vom Institut für Virologie des Universitätsklinikums Freiburg. „Dennoch waren wir überrascht, in wie kurzer Zeit Viren des Typs H18N11 in Zellkultur genetische Veränderungen entwickeln.“

Besonders interessant ist, dass die Forscher dabei Veränderungen fanden, die die Verbreitung des Virus fördern. Eine Schlüsselrolle spielt demnach, ein Neuraminidase-ähnliches Protein, das die Konzentration des Immunproteins MHC-II an der Zelloberfläche reguliert und so eine effiziente Freisetzung infektiöser Viren aus infizierten Zellen des Wirts ermöglicht.

 

Übertragung auf Menschen nicht ausgeschlossen

Bedeutet das also, dass das Influenza-Virus H18N11 auch auf andere Tiere und den Menschen überspringen könnte? Virologe Schwemmle hält die Gefahr zwar im Moment für gering, aber eine Übertragung prinzipiell für möglich.  „Frettchen haben sich als Tiermodell für die Übertragungswahrscheinlichkeiten anderer Influenza-Viren auf Menschen bewährt. Wenn das auch für unseren Virus-Typ der Fall ist, gibt es unseres Wissens keine Anzeichen für ein relevantes Infektionsrisiko“, sagt Schwemmle. Doch die hohe genetische Anpassungsfähigkeit des Virus mache die Risiko-Einschätzung schwierig. „Eine natürliche Übertragung ist nicht auszuschließen“, so der Freiburger Virologe.

Um das Infektionsrisiko für den Menschen besser abzuschätzen, setzen die Forscher nun ihre Untersuchungen fort. Im Fokus der Folgestudien stehen die exakte Funktionsweise des Neuraminidase-ähnlichen Proteins sowie die Anpassungsfähigkeit des Virustyps H18N11 an weitere Rezeptoren, die einen Eintritt in Wirtszellen ermöglichen könnten.

Originaltitel der Publikation: Bat influenza viruses transmit among bats but are poorly adapted to non-bat species

Foto: pixabay

Autor: ham
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Infektionskrankheiten , Influenza
 

Weitere Nachrichten zum Thema Zoonosen

Kinder mit Grunderkrankungen sollten gegen Influenza geimpft sein. Darauf weist das Robert Koch-Institut jetzt hin. Infektionsepidemiologen des RKI hatten im Rahmen einer Studie herausgefunden, dass die pandemische Influenza A H1N1 2009 oder "Schweinegrippe" bei Kindern und Jugendlichen weitaus schwerer verlaufen ist als die Influenza in den Jahren zuvor.

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Alkohol ist ein Zellgift, das offenbar auch Herzrhythmusstörungen auslösen kann. Eine aktuelle Studie des Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf zeigt, dass sich selbst bei ansonsten gesunden Menschen das Risiko für Vorhofflimmern signifikant erhöht. Demnach haben schon kleine Mengen einen negativen Effekt.

Schwere Unfälle oder Tumor-Erkrankungen können das Gesicht massiv entstellen. Dank computerassistierter Techniken kann der langwierige und sehr belastende Zeitraum für die Wiederherstellung des Gesichts abgekürzt werden. Meist muss nur noch einmal operiert werden – auch weil Implantate mittels 3-D-Drucker schnell und patientenindividuell hergestellt werden können.

Weil Corona so oft asymptomatisch verläuft, kann über die Dunkelziffer nur spekuliert werden. Licht ins Dunkel bringt nun eine Studie Helmholtz Zentrums München. Danach waren in zweiten Corona-Welle waren drei- bis viermal mehr Kinder in Bayern mit SARS-CoV-2 infiziert, als über PCR-Tests gemeldet.
 
Kliniken
Interviews
Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.

Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin