. Tropische Infektionskrankheiten

Neues Antibiotikum gegen Busch-Typhus gefunden

Gegen Busch-Typhus, das sogenannte Tsutsugamushi-Fieber, sind nur noch wenige Antibiotika wirksam. Jetzt scheinen Infektionsforscher ein neues Antibiotikum gefunden zu haben. Das Mittel soll schon in kleinen Dosen hoch wirksam sein.
Neues Antibiotikum könnte bald die Behandlungsmöglichkeiten bei Busch-Typhus erweitern

Neues Antibiotikum könnte bald die Behandlungsmöglichkeiten bei Busch-Typhus erweitern

Tsutsugamushi-Fieber ist eine tropische Infektionskrankheit, die tödlich enden kann. Auslöser ist das von Milben übertragene Bakterium Orientia tsutsugamushi. Die Behandlung ist auf wenige Antibiotika-Klassen beschränkt. Das Therapiespektrum wird aber immer kleiner, da zunehmend Antibiotika-Resistenzen beobachtet werden. Doch jetzt haben Wissenschaftler vom Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) und vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin offenbar ein neues hoch wirksames Antibiotikum gegen Busch-Typhus gefunden. Es handelt sich um den Naturstoff Corallopyronin A, das aus einem Umweltbakterium isoliert wurde.

Naturstoff-Antibiotikum

Nach DZIF Informationen greift das Antibiotikum ein bakterielles Enzym, die RNA-Polymerase, an und wirkte in präklinischen Versuchen schon in sehr geringen Dosen gegen den Erreger Orientia tsutsugamushi. Aktuell werde das Herstellungsverfahren dafür weiterentwickelt, um eine Produktion im industriellen Maßstab zu ermöglichen.

„Das Tsutsugamushi-Fieber zählt zu den vernachlässigten tropischen Infektionserkrankungen. Weltweit forschen nur wenige Arbeitsgruppen an dieser unterschätzten Infektion“, erklärt DZIF-Forscher Dr. Christian Keller vom Institut für Virologie an der Philipps-Universität Marburg. „Ohne antibiotische Therapie besteht die Gefahr eines tödlichen Verlaufs der Infektion.“

 

Von Asien nach Europa

Der Infektionsforscher ist überzeugt, dass das DZIF mit seiner exzellenten Vernetzung sehr gute Bedingungen bietet, um neue Therapieansätze für solche exotischen Infektionen zu entwickeln. So konnten Bonner DZIF-Wissenschaftler um Prof. Dr. Achim Hörauf, der ein Patent auf Corallopyronin A hält, bereits vor einigen Jahren zeigen, dass die Substanz auch gegen Würmer aus der Gruppe der Filarien wirkt.

Das Tsutsugamushi-Fieber ist mit dem Fleckfieber verwandt und kommt hauptsächlich in Asien vor. Über Urlauber und Migranten wird es aber auch nach Europa importiert. Schätzungen gehen weltweit von jährlich rund einer Million Erkrankungsfällen aus.

Foto: © racamani - Fotolia.com

Autor: ham
Hauptkategorien: Medizin , Gesundheitspolitik
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Infektionskrankheiten , Antibiotika , Antibiotikaresistenzen
 

Weitere Nachrichten zum Thema Antibiotika

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Schon vergessen? Der Beginn des neuen Jahres ist gerade einmal zwei Wochen her. Jetzt wäre es an der Zeit, mit den da gefassten guten Vorsätzen ernst zu machen: Jeder Dritte will 2021 gesünder leben und mehr Sport treiben; jeder Fünfte will nach den Feiertagsgelagen abspecken. Manche sagen: Eine mindestens so große Kunst wie das Abnehmen ist es, das erreichte Gewicht auf Dauer zu halten. Hier ein paar Tipps dafür.
 
 
. Kliniken
. Interviews
Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.
Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Hitzewellen sind eine reale Gefahr für die Gesundheit und lassen die Mortalitätsrate ansteigen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem wissenschaftlichen Leiter des Zentrums für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Freiburg, Prof. Dr. Andreas Matzarakis, über Hitzewarnsysteme und die Auswirkungen von Hitzewellen auf unsere Gesundheit gesprochen.