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31.05.2021

Neues Anti-Corona-Medikament wird an Krankenhauspatienten getestet

Nach der erfolgreichen Entwicklung und Anwendung von Impfstoffen zum Schutz vor Covid-19 bei Gesunden richtet sich der Fokus der Forschung zunehmend auf Medikamente, die Erkrankte heilen sollen. Forschende der TU Braunschweig haben Covid-19-Genesenen Antikörper entnommen und sie nachgebaut. Seit April wird dieser Antikörperwirkstoff an Krankenhauspatienten mit Covid-19 getestet.
Coronavirus, Antikörper.

WissenschaftlerInnen aus Braunschweig haben aus Antikörpern von Covid-19-Kranken ein Medikament gegen die Viruserkrankung entwickelt. Sie wollen es an zunächst 45 Krankenhauspatienten testen.

In nie dagewesener Geschwindigkeit haben Wissenschaftler in der Covid-19-Pandemie Impfstoffe gegen eine weltweit grassierende Infektionskrankheit erforscht und verfügbar gemacht. Sie können Gesunde vor einer Ansteckung und sogar vor schweren Krankheitsverläufen schützen. Ein Medikament, um Kranke ursächlich zu behandeln, gibt es bisher noch nicht. Eine Option, um Covid-19 bei schon daran Erkrankten zu bekämpfen kann eine Antikörpertherapie sein.

Antikörperwirkstoff wird an 45 Covid-19-Patienten getestet

Einen solchen Antikörperwirkstoff hat jetzt das von der TU Braunschweig initiierte und deutschlandweit arbeitende „Corona-Antikörper-Team“ (Corat) entwickelt. Seit einem Monat wird das Medikament im Universitätsklinikum Tübingen an ersten Patienten getestet, die wegen einer Coronavirus-Erkrankung ins Krankenhaus mussten. Geplant ist, diese Tests auf fünf Studienzentren deutschlandweit auszudehnen und bei zunächst 45 hospitalisierten PatientInnen Sicherheit, Verträglichkeit und Wirksamkeit des neuen Wirkstoffs zu prüfen.

„Mit den ersten Tests deuten sich Perspektiven für eine klinische Anwendung an“, sagt Dietrich Andresen, der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Herzstiftung, die das Tübinger Projekt finanziell fördert. Das Antikörpermedikament könne ein weiterer wichtiger Baustein in der Bekämpfung von Sars-CoV-2 werden.

 

Nachgebaute Antikörper sollen Coronavirus blockieren

Für die Entwicklung des Wirkstoffs mit der Typenbezeichnung „COR-101“ haben die Forschenden dem Blut von Genesenen Covid-19-Patienten Antikörper entnommen und sie mithilfe von deren genetischem Bauplan, der DNA-Sequenz, nachgebaut. „Diese Antikörper sind von Antikörpern unseres eigenen Körpers nicht zu unterscheiden, außer dass sie die Coronaviren blockieren können“, sagt Stefan Dübel, Leiter der Abteilung Biotechnologie der Technischen Universität Braunschweig.

Impfstoffe schützen vor dem Virus, Antikörper bekämpfen es

Impfstoffe können, wie gesagt, Gesunde schützen, aber bereits an Covid-19 erkrankte Menschen nicht heilen. Antikörper-Therapien wie COR-101 dagegen können nach Angaben des WissenschaftlerInnen-Teams unmittelbar gegen das Virus wirken, indem sie dem Immunsystem von infizierten Personen zur Seite springen. So soll der Wirkstoff COR-101 die bereits in Deutschland eingesetzten Antikörperwirkstoffe ergänzen, die bei moderat bis schwer erkrankten Covid-19-Patienten wegen ihrer Nebenwirkungen bei fortgeschrittenem Krankheitsverlauf nicht eingesetzt werden dürfen.

Für Risikogruppen: Therapeutische Ergänzung zur Impfung

Mit dem neuen Antikörperwirkstoff verbindet sich die Hoffnung, nicht nur den Heilungsprozess von akut an Covid-19 Erkrankten zu unterstützen, sondern auch Risikogruppen, die nicht hundertprozentig von einer Corona-Impfung profitieren können, vor einer Infektion zu schützen – Menschen mit Vorerkrankungen beispielsweise und Ältere. „Die Gabe von Antikörpern kann deshalb eine wichtige therapeutische Ergänzung zur Impfung gegen Covid-19 sein“, heißt es dazu beim Corat-Projekt.

Foto: AdobeStock/Kateryna_Kon

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Hauptkategorie: Corona
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