Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
08.06.2015

Neuere Pille erhöht Thromboserisiko besonders stark

Dass die Pille das Thromboserisiko erhöht, ist bekannt. Forscher konnten nun zeigen, dass Präparate der neueren Generation besonders problematisch sind. Sie erhöhen das Risiko für eine venöse Thromboembolie um das Vierfache.
Pille und Thromboserisiko

Antibabypillen der "dritten Generation" können Thrombosen verursachen

Die Antibabypille ist dafür bekannt, das Thromboserisiko zu erhöhen, insbesondere wenn die Frauen rauchen oder bestimmte Vorerkrankungen haben. Dennoch ist die Pille als Verhütungsmittel aufgrund ihrer sicheren Wirkung und vergleichsweise einfachen Anwendung sehr beliebt. Forscher konnten nun in einer Vergleichsstudie zeigen, dass insbesondere die neueren oralen Kontrazeptiva das Risiko für eine gefährliche Thrombose deutlich steigen lassen.

Das erhöhte Risiko von Pillen der sogenannten „dritten Generation“ war bereits in früheren Untersuchungen aufgefallen. Wissenschaftler um Yana Vinogradova von der  University of Nottingham wollten diesen Zusammenhang nun genauer klären. Sie suchten daher nach den Daten von jungen Frauen, die zwischen 2001 und 2013 zum ersten Mal wegen eines Blutgerinnsels in Behandlung waren. Dann erforschten sie die Angaben von Frauen, die im ähnlichen Alter waren und einen ähnlichen Lebensstil hatten, aber keine Thrombosen aufwiesen. Dann verglichen sie die Ergebnisse anhand der Frage, welche Verhütungsmittel die Frauen verwendet hatten.

Thromboserisiko bei neuen Pillen viermal höher

Wie sich zeigte, war das Thromboserisiko von Frauen, die eine Pille der älteren Generation mit Inhaltsstoffen wie Levonorgestrel und Norgestimat einnahmen, um das Zweieinhalbfache erhöht. Bei Frauen, die eine der neueren Pillen nahmen, erhöhte sich das Risiko auf das Vierfache. Als besonders problematisch haben sich dabei die Wirkstoffe Gestoden, Desogestrel, Drospirenon und Cyproteron erwiesen.

In absolute Zahlen umgerechnet haben von 10.000 Frauen, die ein Jahr lang eine Pille der „dritten Generation“ eingenommen hatten, 14 Frauen, die ohne die Einnahme der Antibabypille nicht erkrankt wären, eine venöse Thromboembolie erlitten. Was zunächst wenig klingen mag, ist doch bedeutsam, wenn man bedenkt, dass in Deutschland mehr als jede dritte Frau die Pille nimmt.

 

Rauchen und höheres Alter weitere Risikofaktoren

Wie stark die Antibabypille die Wahrscheinlichkeit für eine Thrombose erhöht, war bislang selbst unter Medizinern umstritten. Zwar können die Inhaltsstoffe in der Theorie das Risiko erhöhen, doch inwiefern das bei ansonsten völlig gesunden Frauen tatsächlich vorkommt, konnte noch nicht abschließend geklärt werden. Bekannt war jedoch, dass bestimmte Vorerkrankungen wie Übergewicht oder Bluthochdruck in Kombination mit der Pille das Thromboserisiko erhöhen. Die aktuelle Studie ist auch deshalb so interessant, weil die Forscher Frauen mit solchen Grunderkrankungen ausgeschlossen hatten.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel empfiehlt Frauen, die älter als 35 sind oder rauchen, eventuell auf die Pille zu verzichten. Frauen, die sowohl über 35 Jahre als auch Raucherinnen sind, sollten unbedingt über eine andere Verhütungsmethode nachdenken.

Foto: © Brigitte Meckle - Fotolia.com

Autor: red
Hauptkategorie: Medizin
 

Weitere Nachrichten zum Thema Verhütung und Kinderwunsch

23.06.2017

Hormonspiralen mit dem Wirkstoff Levonorgestrel sollen eine Schwangerschaft verhindern. Es mehren sich jedoch auch die Hinweise, dass die Verhütungsmethode zu psychiatrischen Nebenwirkungen wie Depressionen, Ängsten und Schlafstörungen führen kann.

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten


Senföle gelten als antibakteriell und entzündungshemmend und sind in der Lage, Krankheitserreger gleich auf mehreren Ebenen anzugreifen. Weil sie in ihrer Wirkung, nicht aber bei den Risiken Antibiotika gleichkommen, eignen sie sich bei häufig wiederkehrenden Blasenentzündungen als Behandlungsalternative, bestätigt eine aktuelle urologische Studie.
 
Interviews
Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.


Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.
Logo Gesundheitsstadt Berlin