. Infektionsforschung

Neuer Wirkstoff soll Krankenhauskeim „Pseudomonas“ bekämpfen

Das als Krankenhauskeim gefürchtete Bakterium Pseudomonas aeruginosa könnte bald einen neuen Gegenspieler bekommen. Forscher haben bereits einen vielversprechenden neuen Wirkstoffkandidaten in der Hand. Es ist kein Antibiotikum.
Pseudomonas aeruginosa ist ein pathogener Krankenhauskeim: Ein Pathblocker gegen Lungeninfektionen könnte ihn bald unschädlich machen

Pseudomonas aeruginosa ist ein pathogener Krankenhauskeim und häufig multiresisent: Ein Pathblocker gegen Lungeninfektionen könnte ihn bald unschädlich machen

Pseudomonas aeruginosa wird auf der „Priority Pathogens List“ der WHO als einer der drei wichtigsten Erreger zur Entwicklung neuer Wirkstoffe aufgeführt. Das auch als Krankenhauskeim gefürchtete Bakterium befällt Atem- und Harnwege oder Wunden und löst gefährliche Infektionen aus, die nur schwer zu behandeln sind. Bislang sind Antibiotika das Mittel der Wahl. Aufgrund der zunehmenden Antibiotikaresistenzen wird aber diese Behandlung immer schwieriger. Nicht umsonst hat die Weltgesundheitsorganisation den Keim auf seine Prioritätenliste gesetzt.

Pathoblocker wirkt anders als ein Antibiotikum

Forscher des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) und des Helmholtz-Instituts für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS) haben nun eine neue Substanz an der Hand, die völlig anders wirkt als ein Antibiotikum und doch das Potenzial hat, Infektionen mit dem Krankenhauskeim zu heilen. Der fragliche Wirkstoff greift den bakteriellen Rezeptor PqsR oder auch MvfR genannt an und blockiert somit die Pathogenität des Bakteriums. Der sogenannte Pathoblocker schwächt außerdem den Biofilm ab. Mit der Bildung eines Biofilms wird eine Infektion in der Regel chronisch und schwerer behandelbar.

„Wir setzen große Hoffnung in diesen Wirkstoffkandidaten“, erklärt Dr. Martin Empting vom Helmholtz-Institut. Denn anders als ein Antibiotikum töte die Substanz das Bakterium nicht, sondern störe dessen Fähigkeit, den Wirt zu schädigen und sich durch Biofilmbildung vor dem Immunsystem zu schützen. „Das Bakterium wird durch diesen Pathoblocker auch anfälliger für eine parallele antibiotische Therapie“, sagt Empting. Die Entwicklung von Pathoblockern sei eine wichtige Option, um das Problem schwer therapierbarer chronischer Infektionen nachhaltig in den Griff zu bekommen.

 

Optimierung für chronische Lungeninfektionen läuft

Die Forscher vom DZIF und HIPS-Forscher haben nun 2,7 Millionen Euro zur Verfügung gestellt bekommen, um den Wirkstoffkandidaten für chronische Lungeninfektionen zu optimieren. Einmal geht es um Patienten mit Mukoviszidose, die fast immer an chronischen Lungeninfektionen mit Pseudomans aeruginosa leiden und dauerhaft auf Antibiotika angewiesen sind. Außerdem sind Patienten, die an obstruktiven Atemwegserkrankungen oder erweiterten Bronchien sogenannten Bronchiektasen leiden, ebenfalls oft von diesem Erreger befallen. Eine vollständige Heilung oder zumindest eine verstärkte Unterdrückung der bakteriellen Last ist in der Regel nicht möglich. Antibiotikaresistenzen erschweren auch hier eine erfolgreiche Behandlung.

„Wir haben beide Patientengruppen im Blick, wenn wir nun die Leitstruktur des Ausgangsmoleküls optimieren“, so Infektionsforscher Empting. Zwei Jahre wollen sich die Forscher Zeit dafür nehmen. Anschließend muss der Wirkstoff noch zu einem Medikament weiterentwickelt werden, beispielsweise von einer Firmenausgründung der beiden Institute

„Am Ende der Entwicklung soll ein Wirkstoff stehen, der von Patienten mit chronischen Lungeninfektionen inhaliert werden kann“, hofft Empting. Dabei könnte der Pathoblocker zunächst als Begleittherapie zu Antibiotika zum Einsatz kommen. 

Foto: pixabay

Autor: ham
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Infektionskrankheiten , Antibiotika , Lunge , Lungenentzündung
 

Weitere Nachrichten zum Thema Resistente Bakterien

| Bakterielle Infektionen wurden über Jahrzehnte erfolgreich mit Antibiotika behandelt. Mittlerweile haben sich resistente Erreger herausgebildet, die nicht mehr auf die Wirkstoffe ansprechen. Forscher interessieren sich daher wieder für eine in Vergessenheit geratene Therapie-Form, die Bakteriophagen oder Phagen.
 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Schon vergessen? Der Beginn des neuen Jahres ist gerade einmal zwei Wochen her. Jetzt wäre es an der Zeit, mit den da gefassten guten Vorsätzen ernst zu machen: Jeder Dritte will 2021 gesünder leben und mehr Sport treiben; jeder Fünfte will nach den Feiertagsgelagen abspecken. Manche sagen: Eine mindestens so große Kunst wie das Abnehmen ist es, das erreichte Gewicht auf Dauer zu halten. Hier ein paar Tipps dafür.
 
 
. Interviews
Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.
Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Hitzewellen sind eine reale Gefahr für die Gesundheit und lassen die Mortalitätsrate ansteigen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem wissenschaftlichen Leiter des Zentrums für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Freiburg, Prof. Dr. Andreas Matzarakis, über Hitzewarnsysteme und die Auswirkungen von Hitzewellen auf unsere Gesundheit gesprochen.