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Neuer Wirkstoff halbiert Zahl der Migränetage

Samstag, 13. November 2021 – Autor:
Der CGRP-Rezeptor-Antagonist Atogepant hat sich in einer klinischen Phase-3-Studie als wirksam zur Migräneprophylaxe bewiesen. Der Wirkstoff kann im Gegensatz zu CGRP-Antikörpern als Tablette eingenommen werden.
Atogepant ist ein neuer Wirkstoff gegen Migräne. Das Mittel kann die Migränelast deutlich reduzieren

Atogepant ist ein neuer Wirkstoff gegen Migräne. Das Mittel kann die Migränelast deutlich reduzieren – Foto: © Adobe Stock/ blackday

Migräne erzeugt einen hohen Leidensdruck. Mit CGRP-Rezeptor-Antagonisten und CGRP-Antikörpern kann heute erstmals bei den Ursachen der Erkrankung angesetzt werden. Die Wirkstoffe hemmen die migräneauslösenden Calcitonin-Gene-Related-Peptide (CGRP). Bisher zugelassene Medikamente gegen CGRP sind als Infusionslösungen im Handel. Einen neuen Wirkstoff aus dieser Arzneimittelgruppe, Atogepant, gibt es praktischerweise in Tablettenform. Zugelassen ist Atogepant noch nicht, aber die Ergebnisse einer jetzt abgeschlossenen klinischen Phase-3-Studie sind vielversprechend.

Studie mit über 800 Migränepatienten

In der Studie wurden mehr als 800 erwachsene Migränepatienten zwölf Wochen lang entweder einmal täglich oral mit Atogepant oder mit einem Placebo behandelt. Die Interventionsgruppe wurde wiederum in drei Gruppen mit je 214 Patienten unterteilt. Den Probanden wurden täglich entweder 10, 30 oder 60 Milligramm Atogepant verabreicht. Die mittlere Zahl monatlicher Migräne-Tage lag vor der Studie in den vier Gruppen zwischen 7,5 und 7,9 Tagen.

 

Migränelast mehr als halbiert

Die Zahl sank innerhalb der 12 Wochen in der 10-mg-Gruppe um 3,7 Tage, in der 30-mg-Gruppe um 3,9 Tage, in der 60-mg-Gruppe um 4,2 Tage. Durch die Einnahme von Atogepant wurde die Migränelast also mehr als halbiert. Interessanterweise sank die Zahl der Migränetage auch in der Placebogruppe um 2,5 Tage. Dennoch war Atogepant selbst unter niedriger Dosierung dem Scheinmedikament signifikant überlegen.

Die häufigsten Nebenwirkungen von Ategopant waren Verstopfung und Übelkeit. Allerdings waren nur rund 7 bzw. 4 Prozent der Behandelten davon betroffen. Schwere Nebenwirkungen traten nur in der 10-mg-Gruppe auf (ein Asthmaanfall und eine Optikusneuritis).

„Atogepant zeigte sich mit oralen Dosierungen von 10 bis 60 mg als wirksames Therapieprinzip zur Migräneprophylaxe – bei relativ geringen Nebenwirkungen“, kommentiert Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Neurologie die Studienergebnisse.

CGRP-Therapien sind teuer

Der Experte verweist allerdings auch auf die hohen Jahrestherapiekosten von 10.000 Dollar in den USA. Dazu kommt, dass in indirekten Vergleichen Atogepant weniger wirksam ist als die monoklonalen Antikörper gegen CGRP oder den CGRP-Rezeptor. „Es muss sichergestellt sein, dass die Betroffenen alle anderen Therapieoptionen ausgeschöpft haben und nach Möglichkeit ihren Lebensstil soweit umgestellt haben, dass sie Migräneauslöser bewusst vermeiden und insbesondere durch regelmäßige Bewegung und Sport Mechanismen der ‚natürlichen Migräneprophylaxe‘ stärken, sagt Diener.

Die neuen teuren Migräneprophylaxen dürfen in Deutschland nur dann verschrieben, wenn Therapieversuche mit herkömmlichen Mitteln wie Beta-Blockern oder Antidepressiva gescheitert sind. Ziel ist immer, Frequenz, Stärke und Dauer der Attacken zu reduzieren.

Migräne ist eine neurovaskuläre Erkrankung, die jede fünfte Frau in Deutschland und rund jeden zwölften Mann betrifft. Meist liegt eine erbliche Veranlagung vor, hormonelle Veränderungen wie Schwangerschaften sind ein wesentlicher Mitauslöser.

Hauptkategorie: Medizin
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