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Neuer Wirkstoff gegen Colitis ulcerosa getestet

Samstag, 13. Mai 2017 – Autor:
Ein Wirkstoff, mit dem rheumatoide Arthritis behandelt wird, könnte gegen Colitis ulcerosa helfen. Forscher der University of California testeten ihn.
Bauchschmerzen

Colitis ulcerosa äußert sich in Bauchschmerzen und heftigen Durchfällen – Foto: Andrey Popov - Fotolia

Colitis ulcerosa ist eine chronische Entzündung des Dickdarms. An der Darmwand bilden sich Geschwüre. Die Krankheit verläuft meist in Schüben und äußert sich in starken Bauchschmerzen und heftigem, teils blutigem Durchfall. Ursache ist vermutlich eine Überreaktion des Immunsystems, das die Dickdarmschleimhaut attackiert. Bei einigen Patienten kann sogar eine OP nötig sein.

Das als Tablette einzunehmende Medikament Tofacitinib wurde hierzulande kürzlich zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis (RA) zugelassen, ebenfalls einer entzündlichen Erkrankung. Tofacitinib ist ein Januskinase-Hemmer. Er bremst die Januskinasen aus. Die kurbeln in Immunzellen die Produktion von Botenstoffen (Zytokine) an, die Entzündungen auslösen. RA-Patienten weisen meist erhöhte Zytokin-Spiegel auf.

Neuer Wirkstoff gegen Colitis ulcerosa getestet

In drei getrennten, multinationalen, randomisierten und kontrollierten Phase-3-Studien, die von 2012 bis 2016 durchgeführt wurden, nahmen erwachsene Patienten mit einer bestätigten Colitis ulcerosa-Diagnose teil, die als mäßig bis schwer bewertet wurde. Bei allen Patienten hatten die gängigen Behandlungen unter anderen mit oralen Steroiden versagt. Bei ihnen wurde der neue Wirkstoff getestet. Überprüft wurden die Ergebnisse vor und nach der Behandlung durch eine Darmspiegelung. Die Ergebnisse der Studien lassen hoffen.

In den ersten beiden Studien (OCTAVE 1 und 2) wurden den Behandlungsgruppen (598 versus 541 Probanden) acht Wochen lang zweimal täglich 10 mg Tofacitinib oder ein Placebo veabreicht. Ein Rückgang der Beschwerden war bei den Tofacitinib-Patienten deutlich ausgeprägter als in der Placebo-Gruppe (Studie 1: 18,5 Prozent zu 8,2 Prozent/Studie 2: 16,6 Prozent zu 3,6 Prozent), ebenso eine Abheilung der Darmschleimhaut (Studie 1: 31,3 Prozent zu 15,6 Prozent/Studie 2: 28,4 Prozent zu 11,6 Prozent).

 

Rückgang der Beschwerden, Abheilen der Schleimhaut

In einer dritten Studie (OCTAVE Sustain) wurden 539 Probanden, die auf Tofacitinib ansprachen, in drei Gruppen aufgeteilt. Sie erhielten eine  Instandhaltungs-Therapie über 52 Wochen mit zweimal täglich 5 mg Tofacitinib, 10 mg Tofacitinib oder Placebo. Nach 52 Wochen gab es bei den Patienten in der 5 mg und der 10 mg Tofacitinib-Gruppe eher einen Rückgang der Beschwerden (34,3 Prozent und 40,6 Prozent) als bei denjenigen, die mit Placebo behandelt wurden (11,1 Prozent). Die Dickdarmschleimhaut heilte häufiger in den behandelten Gruppen (37,4 Prozent und 45,7 Prozent) als in der Placebo-Gruppe (13,1 Prozent).

Unerwünschte Nebenwirkungen

Allerdings traten in den behandelten Gruppen als unerwünschte Nebenwirkung häufiger Infektionen und Krebs auf, was auf das Herunterfahren des Immunsystems zurückzuführen ist. So trat Herpes zoster häufiger auf (18) als in der Placebo-Gruppe (2). Es kam zu 5 versus 1 Fall von Hautkrebs (kein Melanom). Und es kam zu kardiovaskulären Ereignissen (5 versus 0 Fälle). Das könnte damit zusammenhängen, dass sich unter der Behandlung die LDL-Cholesterinwerte erhöhten. Die drei Studien erschienen im Fachmagazin NJEM und wurden vom Hersteller Pfizer unterstützt.

Foto: andrey popov/fotolia.com

 

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