. Chronisch entzündliche Darmerkrankungen

Neuer Übeltäter bei Colitis ulcerosa entdeckt

Die genauen Ursachen von Colitis ulcerosa und anderen chronisch entzündlichen Darmerkrankungen sind bislang noch unklar. Jetzt sind Wissenschaftler einem neuen Übeltäter auf die Spur gekommen. Das Bakterium E. coli-536 verursacht offenbar kleine Löcher in der Darmwand.
Neuer Übeltäter bei Colitis ulcerosa entdeckt

Charité-Studie: Bestimmte Kolibakterien im Darm tragen zu Colitis ulcerosa bei

Auf der Suche nach Auslösern von Colitis ulcerosa und anderen chronisch entzündlichen Darmerkrankungen haben Wissenschaftler der Charité einen bemerkenswerten Fund gemacht. Bestimmte Kolibakterien wie das Bakterium E. coli-536 tragen demnach maßgeblich zum Krankheitsgeschehen bei. Im Tiermodell und anhand von menschlichen Zellproben konnten die Wissenschaftler nachweisen, dass das Protein Alpha-Hämolysin kleine Löcher in die Darmwand reißt. Das schädliche Protein wird unter anderem von dem Bakterium E. coli-536 produziert. Durch die so genannten »focal leaks«, wie die Wissenschaftler die Schäden in der Darmwand nennen, können in der Folge Stoffe aus dem Darm in den Körper übertreten und somit Entzündungen begünstigen, berichten die Studien-Autoren der Dezember-Ausgabe der Fachzeitschrift Gut.

Alpha Hämolysin tritt bei Colitis ulcerosa vermehrt auf

„Bei Patienten mit Colitis ulcerosa, einer häufigen, chronisch entzündlichen Darmerkrankung, konnten wir ein vermehrtes Auftreten des Alpha Hämolysins in der Darmwand nachweisen. Das zeigt, dass diese Kolibakterien zum Krankheitsgeschehen beitragen, zusätzlich zu gegebener genetischer Veranlagung«, sagt der Erstautor der Studie Dr. Roland Bücker vom Institut für Klinische Physiologie der Charité.

Jetzt wollen die Wissenschaftler Bakterien, die die abdichtende Funktion der Darmschleimhaut schädigen, näher in den Blick nehmen, darunter auch die Alpha-Hämolysin tragenden E. coli. „Diese Bakterien werden bei der künftigen Betrachtung entzündlicher Darmerkrankungen von größerer Bedeutung sein“, sagt Bücker. Die vorliegende Studie liefere zudem Grundlagenwissen, um neue Therapiemethoden wie die Bakteriotherapie oder gezielte Impfungen zu entwickeln.

Bestimmte Kolibakterien sind ungebetene Gäste im Darm

Die meisten Bakterienstämme der Escherichia coli sind für den Menschen harmlos. Einige besitzen sogar probiotische, also gesundheitsförderliche Eigenschaften. Andere Kolibakterien wie E. coli-536 sind jedoch ungebetene Gäste und können insbesondere Harnwegserkrankungen auslösen. Wie jetzt bekannt wurde, können sie auch zur entzündlichen Darmerkrankung Colitis Ulcerosa führen oder diese verstärken.

Foto: © zuki70 - Fotolia.com

Hauptkategorien: Berlin , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Chronisch entzündliche Darmerkrankungen , Charité

Weitere Nachrichten zum Thema Chronisch entzündliche Darmerkrankungen

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
. Weitere Nachrichten
Alzheimer gehört neben Krebs zu den Erkrankungen, vor denen sich die Deutschen am meisten fürchten. Nun zeigt eine Umfrage der Alzheimer Forschung Initiative, dass die Sorge vor der Demenzerkrankung auch eine Frage des Alters ist.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
. Interviews
Das Chronische Fatigue Syndrom (CFS) bedeutet für viele Patienten meist einen weitgehenden Verlust ihres bisherigen Lebens. Dennoch gibt es bisher kaum wirksame Therapien und zu wenig Forschung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen über die Erkrankung und ihre Behandlungsmöglichkeiten gesprochen.
Die Hausärzte im Seeheilbad Büsum waren damals alles Männer im oder kurz vorm Rentenalter, ihre Einzelpraxen wollte niemand übernehmen. Um einen Zusammenbruch der medizinischen Versorgung zu verhindern, rang sich die Gemeinde dazu durch, selbst als Trägerin der örtlichen Arztpraxis aufzutreten – als erste bundesweit. In dem kommunalen Eigenbetrieb arbeiten heute fast nur junge Ärztinnen. Wie das ging und welche weiteren Modelle es gibt gegen den Ärztemangel auf dem Land, erzählt Initiator Harald Stender drei Jahre nach Gründung des Pioniermodells.