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30.10.2020

Neuer Therapieansatz bei „salzsensitiver Hypertonie“

Salzkonsum macht Bluthochdruck: Das gilt nicht für alle Patienten, aber für viele. Laut einer US-Studie gibt es neue Perpektiven für die Therapie dieser „salzssensitiven Hypertonie". Demnach wirken Alpha1-Rezeptor-Blocker gegen hohen Blutdruck nicht nur durch Entspannung der Gefäße; sie sorgen auch dafür, dass die Nieren weniger Salz zurückhalten und somit mehr davon über den Urin ausgeschieden wird.
Rotes Gummiherz, rotes Stethoskop, Salzstreuer aus Glas

Fast jeder dritte Erwachsene in Deutschland hat laut Deutscher Hochdruckliga zu hohen Blutdruck. Eine mögliche Ursache: zu hoher Kochsalzkonsum.

Chips und Flips, Brot und Brötchen, Wurstwaren und Fertiggerichte: Alles Lebensmittel mit besonders viel Kochsalz. Der Konsum hoher Mengen an Natriumchlorid gilt als eine der Hauptursachen für Bluthochdruck und damit als Risikofaktor für gravierende Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall. Salzige Speisen erzeugen Durst; und Salz bindet darüber hinaus auch noch Wasser im Körper. Dadurch steigt das Flüssigkeitsvolumen im Blutkreislauf an – und damit auch der Druck in den Blutgefäßen.

Salzkonsum minimieren: In Mitteleuropa gar nicht so einfach

Eine Abhängigkeit von Salzkonsum und Blutdruck besteht nicht bei allen Menschen, aber bei vielen. Weil Salz in vielen Lebensmitteln in Handel oder Gastronomie in großen Mengen enthalten ist und andererseits Essen ohne Salz als fad empfunden wird, ist es gar nicht so leicht, den Salzkonsum dauerhaft auf ein Minimum herunterzuschrauben. Für die Betroffenen wird das Problem oft noch dadurch verschärft, dass Medikamente zur Blutdrucksenkung nicht bei jedem Patienten wirken. Für diesen Personenkreis gibt es jetzt aber eine gute Nachricht: Laut „Deutscher Hochdruckliga“, einer medizinischen Fachgesellschaft und Patientenorganisation, gibt es jetzt für diesen „salzsensitiven Bluthochdruck“ einen neuen Therapieansatz.

 

Salzsensitiver Bluthochdruck: Zwei Merkmale sind typisch

Typisch für Patienten mit einem salzsensitiven Bluthochdruck sind zwei Mechanismen im menschlichen Organismus. Erstens besitzt das „sympathische Nervensystem“ bei ihnen eine erhöhte Aktivität. Dessen Botenstoff (Neurotransmitter) Noradrenalin aktiviert die Alpha-Rezeptoren der Blutgefäße, was deren Verengung bewirkt und so den Blutdruck steigert. Zugleich halten die Nieren dieser Patienten zu viel Salz zurück, anstatt es mit dem Urin auszuscheiden.

Alpha1-Rezeptor-Blocker: Zielgerichtet gegen salzsensitive Hypertonie

Wissenschaftler der „Boston University School of Medicine“ in den USA haben laut Hochdruckliga interessante neue Erkenntnisse gewonnen, um salzsensitive Hypertonie erfolgreich zu behandeln. Im Tierexperiment konnten sie den Beweis erbringen, dass sogenannte selektive Alpha1-Rezeptor-Blocker zielgerichtet die salzsensitive Hypertonie unterbinden können. Bereits bekannt ist, dass Alpha-Blocker die glatte Gefäßmuskulatur erschlaffen lassen, die Gefäße auf diese Weise erweitern und dadurch den Blutdruck senken. Erstmals gezeigt werden konnte jetzt außerdem in der US-Studie, dass Alpha1-Adrenorezeptor-Blocker zusätzlich die Aktivität des Natrium-Wiederaufnahmeprozesses in den Nieren reduzieren und auch über diesen Weg den Blutdruck senken.

Herkömmliche Blutdrucksenker wirken nicht bei jedem

Zur Einordnung dieser Forschungsergebnisse heißt es bei der Hochdruckliga: „Bestätigen sich diese tierexperimentellen Befunde in klinischen Studien, wäre das von großer praktischer Relevanz, da diese Medikamente bei vielen Menschen, bei denen herkömmliche Blutdrucksenker nicht wirken (Patienten mit sogenannter therapierefraktärer Hypertonie), den Teufelskreis durchbrechen und zu normalen Blutdruckwerten führen könnten.“ Eine zielgerichtete Therapie bei salzsensitiver Hypertonie könne dazu beitragen, dass wesentlich mehr Patienten mit ihren Blutdruckwerten in den Zielbereich gebracht werden könnten und weniger Folgeerkrankungen erlitten.

Foto: AdobeStock/orcea david

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Hauptkategorie: Medizin
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