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Neuer Schachzug gegen Antibiotikaresistenzen

Antibiotikaresistenzen sind eine wachsende Gefahr. Während Behörden vor dem übermäßigen Einsatz von Antibiotika warnen, sehen Forscher aus Kiel die Kombination verschiedener Wirkstoffklassen als Ausweg. Das klingt zunächst paradox.
Besonders problematische multiresistente Keime könnten künftig mit einer Kombination von verschiedenen Antibiotikaklassen bekämpft werden, berichten Forscher aus Kiel

Besonders problematische multiresistente Keime könnten künftig mit einer Kombination von verschiedenen Antibiotikaklassen bekämpft werden, berichten Forscher aus Kiel

Noch immer verschreiben Ärzte zu häufig Antibiotika. Das geht nach Medienberichten aus Vorabdaten aus dem aktuellen Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse (TK) hervor. Der Gesundheitsökonom Gerd Glaeske hat deshalb eine Leitlinie zum Umgang mit Antibiotika gefordert. Derzeit gebe es keine einzige Leitlinie, die die den Ärzten genau darstelle, wie Antibiotika eingenommen werden sollten, wird Glaeske zitiert. Der unsachgemäße Einsatz der Medikamente, etwa bei banalen Erkältungskrankheiten, gilt als wesentlicher Motor für die Entstehung von Antibiotikaresistenzen. Darum gilt hier: weniger wäre mehr.

WHO warnt vor Antibiotikakrise

Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) könnten Antibiotika-resistente Krankheitskeime binnen weniger Jahre zu den häufigsten Verursachern nicht-natürlicher Todesfälle werden. Demnach wären bakterielle Infektionen, die sich früher gut bekämpfen ließen, dann nicht mehr behandelbar.

Neue Behandlungsansätze sind also dringend geboten. Da die Suche nach neuen antibiotischen Wirkstoffen derzeit wenig erfolgsversprechend ist, versuchen Forscher der Universität Kiel die Wirksamkeit der vorhandenen Antibiotika zu verbessern. Ausgerechnet die Kombination verschiedener Antibiotika scheint dabei wegweisend zu sein. „In unserer Studie konnten wir belegen, dass beim Krankheitskeim Pseudomonas aeruginosa die Evolution von Resistenzen gegen bestimmte Antibiotika gleichzeitig zu einer erhöhten Empfindlichkeit gegenüber anderen Wirkstoffen führt“, sagt Studienleiter Prof. Hinrich Schulenburg. „Dieses Konzept der sogenannten „kollateralen Sensitivität“ eröffnet neue Perspektiven in der Bekämpfung multiresistenter Krankheitserreger.“

Das Bakterium Pseudomonas aeruginosa ist häufig multiresistent und besonders für immungeschwächte Patientinnen und Patienten bedrohlich. Im Evolutionsexperiment wurde der Erreger in 12-stündigen Intervallen immer höheren Dosierungen von acht verschiedenen Antibiotika ausgesetzt. Als Konsequenz entwickelte das Bakterium jeweils eine Resistenz gegenüber den verschiedenen Wirkstoffen. Anschließend testete das Kieler Forscherteam, wie sich die resistenten Erreger gegenüber anderen Wirkstoffen verhielten, mit denen sie bis dahin nicht in Kontakt gekommen waren. Dadurch ließ sich nachverfolgen, welche Resistenzbildungen zugleich eine Empfindlichkeit gegen einen anderen Wirkstoff mit sich brachten.

 

Kombination treibt multiresistente Keime in Sackgasse

Die Kombination verschiedener Wirkstoffklassen wie Aminoglykoside und Penicilline erwies sich dabei als besonders effektiv. „Durch den kombinierten oder abwechselnden Einsatz von Antibiotika mit wechselseitigen Sensitivitäten lassen sich die Keime potentiell in eine evolutionäre Sackgasse treiben: Sobald sie gegen das eine resistent werden, sind sie empfindlich gegen das andere und umgekehrt“, fasst Schulenburg die Studienergebnisse zusammen. Dem Forscher zufolge könnte eine gezielte Kombination der noch wirksamen Antibiotika zumindest für eine Atempause im Kampf gegen die sehr problematischen Resistenzbildungen sorgen.

Bislang handelt es sich aber lediglich um einen Fund aus dem Labor. Ob die Kombination auch beim Menschen wirksam ist, ging aus der Studie nicht hervor

Die Studie “Alternative Evolutionary Paths to Bacterial Antibiotic Resistance Cause Distinct Collateral Effects“ ist im Fachmagazin “Molecular Biology and Evolution“ erschienen.

Foto: © Grycaj - Fotolia.com

Foto: ©Grycaj - stock.adobe.com

Autor: ham
Hauptkategorie: Medizin
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