Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
18.02.2017

Neuer Malaria-Impfstoff erfolgreich getestet

Eine dreimalige Impfung mit lebenden Malaria-Erregern in Kombination mit einer Chemoprophylaxe hat in einer Versuchsreihe einen hundertprozentigen Impfschutz der Probanden ergeben. Dies könnte einen Durchbruch bei der Malaria-Prophylaxe darstellen.
Schutz vor Malaria

Ein neuer Impfstoff verspricht Schutz vor Malaria

Nach wie vor ist Malaria eine häufige Todesursache in tropischen Regionen. Über 400.000 Menschen sterben jedes Jahr nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) an den Folgen einer Infektion mit dem Malaria-Erreger – die meisten davon Kinder unter fünf Jahren. Zurzeit ist sogar ganz besondere Vorsicht geboten, da sich in Südostasien ein Erregerstamm ausbreitet, der nicht mehr auf die üblichen Medikamente reagiert. Und der bisher einzige zugelassene Impfstoff gegen Malaria, die Vakzine RTS,S von GlaxoSmithKline, erzielt nur eine geringe Impfwirkung, die zudem mit der Zeit rasch nachlässt. Nun haben Forscher einen Impfstoff mit lebenden Malaria-Erregern entwickelt, der kombiniert mit einer Chemoprophylaxe in einer Testreihe zumindest kurzfristig zu einem hundertprozentigen Impfschutz der Probanden geführt hat.

Lebendige Malaria-Erreger plus Chloroquin ermöglichen Impfschutz

Der neue Impfstoff wurde von der Firma Sanaria aus Rock­ville/Maryland entwickelt und ist schon in verschiedenen Tests geprüft worden. Nun haben Forscher des Universitätsklinikums Tübingen eine Testreihe mit 67 Probanden durchgeführt, die noch nie an Malaria erkrankt waren. Die beste Immunantwort zeigte sich bei einer Gruppe von neun Probanden, die den Impfstoff dreimal intravenös und hochdosiert erhalten hatten. Eine intravenöse Impfung ist ungewöhnlich und nicht unproblematisch, da es theoretisch zu einer schweren Immunreaktion kommen kann. Bei der aktuellen Studie vertrugen die Probanden die Vakzine jedoch gut. Zudem zeigten alle Probanden anschließend einen hundertprozentigen Impfschutz.

Indem die Infusion von lebendigen Malaria-Parasiten mit Chloroquin, einem Malaria-Medikament, kombiniert wird, wird der Ausbruch einer Erkrankung verhindert. Gleichzeitig entsteht durch eine spezielle Antikörper-Antwort des Körpers der Immunschutz. Die Tübinger Forscher machten sich dabei die spezifischen Eigenschaften der Parasiten zunutze, denn sie gelangen nach einer Infektion zunächst in die Leber, um sich dort zu vermehren. In dieser Inkubationsphase kann das menschliche Immunsystem bereits reagieren, die Krankheit bricht aber noch nicht aus. Chloroquin wiederum wirkt nicht in der Leber, bremst also dort auch nicht die Vermehrung des Parasiten. Zum Ausbruch der Krankheit kommt es erst, wenn der Erreger die Leber verlässt, ins Blut wandert und sich als Parasit in den roten Blutkörperchen einnistet und vermehrt. Sobald der Erreger im Blut ist, wird er aber von Chloroquin abgetötet, womit der Ausbruch der Krankheit verhindert wird.

 

Impfschutz mindestens für zehn Wochen

„Durch die Impfung mit einem lebenden und zuerst nicht abgeschwächten Erreger ist es uns ganz offensichtlich gelungen, eine sehr starke Immunantwort auszulösen“, erklärte Studienleiter Dr. Benjamin Mordmüller. „Darüber hinaus deuten die bisher vorliegenden Daten darauf hin, dass wir es mit einem vergleichsweise stabilen und lange anhaltenden Impfschutz zu tun haben.“ In der Gruppe der Probanden, die nach dreimaliger Gabe einer hohen Dosis von Parasiten einen hundertprozentigen Impfschutz gezeigt haben, ist dieser nacch Angaben der Forscher auch zehn Wochen nach der Impfung noch zuverlässig vorhanden gewesen; eine messbare Immunantwort war sogar noch wesentlich länger nachweisbar. Im nächsten Schritt soll der Impfstoff im Rahmen einer klinischen Studie in Gabun auf seine längerfristige Wirksamkeit getestet werden.

Foto: © miss_mafalda - Fotolia.com

Autor:
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Infektionskrankheiten , Malaria , Impfen
 

Weitere Nachrichten zum Thema Malaria

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Klimaanlagen, Zigarettenqualm, langes Sitzen vorm PC-Bildschirm: So können situativ trockene Augen entstehen, die reiben und schmerzen. Trockene Augen können aber auch eine chronische Krankheit sein. Hier ein paar Tipps dazu von Experten.


Im Gegensatz zur Bundespolitik ist offenbar eine klare Mehrheit von Apotheken-Mitarbeitern in Deutschland für eine Legalisierung von sogenanntem Genuss-Cannabis – unter der Bedingung einer streng kontrollierten Abgabe. Das ergibt sich aus einer Studie des Berliner Marktforschungsinstituts Aposcope.
 
Kliniken
Interviews
Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.


Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.
Logo Gesundheitsstadt Berlin