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13.02.2020

Neuer Hirnschrittmacher erstmals bei Zwangsstörung eingesetzt

Hirnschrittmacher werden seit etwa zehn Jahren für die Therapie von Zwangserkrankungen eingesetzt. Mit dem neuesten Modell wurde nun eine Patientin am Universitätsklinikum Regensburg behandelt. Schon nach wenigen Tagen zeigte sich eine Besserung.
Neu zugelassener Hirnschrittmacher: In Regensburg wurde erstmals eine Patientin mit einer Zwangsstörung damit behandelt

Neu zugelassener Hirnschrittmacher: In Regensburg wurde erstmals eine Patientin mit einer Zwangsstörung damit behandelt

Mit der Tiefen Hirnstimulation werden nicht nur Parkinson und schwere Depressionen behandelt, sondern auch Zwangsstörungen. Besonders vielversprechend scheint ein neuer Hirnschrittmacher zu sein, der erst im Januar zugelassen wurde. Am Universitätsklinikum Regensburg wurde dieses Modell jetzt zum ersten Mal weltweit einer Patientin mit Zwangsstörung implantiert. Die 36-jährige leidet seit ihrem 17. Lebensjahr an einer extremen Form der Zwangsstörung und ist seit einigen Jahren wegen ihrer immer wiederkehrenden Zwangsgedanken sogar berufsunfähig.

Nach der OP gleich besser gefühlt

Seit der Implantation des neuen Hirnschrittmachers geht es ihr deutlich besser. „So gut wie die letzten Tage habe ich mich lange nicht mehr gefühlt“, wird sie in einer Medienmitteilung des Uniklinikums zitiert.

Bei dem Schrittmacher handelt es sich um eine echte Innovation. „Revolutionär ist dabei, dass der Schrittmacher nicht nur Signale an das Gehirn sendet, sondern die Signale des Gehirns auch lesen und entsprechend darauf reagieren kann“, erklärt ihr Behandler Professor Dr. Jürgen Schlaier, Leiter des Zentrums für Tiefe Hirnstimulation am UKR.

Obwohl der Hirnschrittmacher bei ihr derzeit noch nicht einmal vollständig aktiviert ist, zeigte sich schon nach wenigen Tagen eine Besserung der Zwangssymptome. „Alleine die Anwesenheit der Elektroden im Gehirn bewirkt schon eine Besserung“, so Professor Schlaier.

 

Neu ist die individuelle Aufzeichnung der Gehirnaktivität

Hirnschrittmacher werden seit etwa zehn Jahren für die Therapie von Zwangserkrankungen eingesetzt. Durch die elektrische Stimulation soll die der Zwangsstörung zugrundeliegende übermäßige Nervenaktivität normalisiert und damit die Symptome der Zwangsstörung gelindert werden.

Herkömmliche Modelle geben dabei nur elektrische Impulse an das Gehirn ab. Das neue Schrittmachermodell misst dagegen auch die Gehirnaktivität und kann bei bestimmten Signalen gezielt Impulse abgeben.

Im Moment trägt die Patientin ein Gerät bei sich, das mit ihrem Smartphone verbunden ist. Über eine App kann sie täglich oder auch mehrmals am Tag ihren aktuellen psychischen Zustand eingeben. Der Schrittmacher zeichnet dann die entsprechende Gehirnaktivität auf. Nach einem Zeitraum von etwa sechs Wochen werten die Ärzte die Daten aus. Dann wird der Hirnschrittmacher individuell auf die Gehirnaktivität der Patientin  eingestellt. „Die Nervenaktivität des Gehirns, die mit Zwangsgedanken einhergeht, soll durch die elektrischen Impulse möglichst gezielt durchbrochen werden“, erläutert Psychiater Professor Berthold Langguth.

Versuch kann auch scheitern

Diese Feineinstellung ist aber äußerst komplex. Schon eine minimale Abweichung der Stimulation durch den Schrittmacher kann zu unerwünschten Nebeneffekten wie beispielsweise einer Verstärkung des Angstgefühls führen. Die Ärzte rechnen damit, dass es bis zu einem Jahr dauern kann, bis die besten Signalkonstellationen gefunden sind.

Sie rechnen aber auch mit dem schlimmsten, nämlich dass der Schrittmacher nicht den gewünschten Erfolg bringt. „Dann kann der Schrittmacher jederzeit deaktiviert werden und auch die operative Entfernung des Gerätes sei möglich“, sagt Langguth.

Hirnschrittmacher sind erst dann eine Kassenleistung, wenn die Möglichkeiten der medikamentösen Therapie ausgeschöpft sind und auch die Verhaltenstherapie keinen Erfolg gebracht hat.

Autor: ham
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
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