. Krebstherapie

Neuer Antikörper gegen chronische lymphatische Leukämie zugelassen

Der monoklonale Antikörper Obinutuzumab ist ab sofort auch in Europa zugelassen. Patienten mit einer chronischen lymphatischen Leukämie (CLL) können nun auf ein deutlich längeres progessionsfreies Überleben hoffen. In klinischen Studien Schnitt der neue Antikörper noch besser ab als das bewährte Rituximab.
Neues Krebsmittel gegen chronische lymphatische Leukämie zugelassen

Das Krebsmittel Obinutuzumab verspricht Leukämie Patienten ein längeres Leben

Der Antikörper Obinutuzumab (Handelsname Gazyvaro) ist ein Produkt “Made in Germany”. Das zielgerichtete Medikament wurde unter anderem von der deutschen CLL-Studiengruppe (DCLLSG) an der Universitätsklinik Köln klinisch erforscht und im Biotechnologie-Zentrum des Pharmakonzerns Roche im bayerischen Penzberg mitentwickelt und produziert. Jetzt hat das Krebsmittel mit deutschen Wurzeln die europäische Zulassung bekommen. Damit steht Patienten mit einer chronischen lymphatischen Leukämie (CLL) auch hierzulande ein neuer Wirkstoff zur Verfügung, der das Fortschreiten der Erkrankung wesentlich länger aufhalten kann als vergleichbare Therapien und deshalb das Leben der Patienten deutlich verlängert.

Studie unter Kölner Leitung

Grundlage für die Zulassung durch die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) war die klinische Studie CLL11. „Die Zulassungsstudie zeigt, dass Obinutuzumab das Leben der CLL-Patienten signifikant verlängert“, sagt Studienleiter Prof. Dr. Michael Hallek, Direktor der Klinik für Innere Medizin an der Universitätsklinik Köln. Gegenüber der alleinigen Chemotherapie habe sich der Zeitraum bis zum Fortschreiten der Erkrankung mehr als verdoppelt. „Das sind beeindruckende Ergebnisse“, so Hallek.

Für die Studie wurden knapp 800 CLL-Patienten mit dem neuen Antikörper behandelt, gleichzeitig erhielten die Patienten die derzeit empfohlene Chemotherapie mit dem Wirkstoff Chlorambucil. Eine Vergleichsgruppe erhielt ausschließlich die Chemotherapie, eine zweite Gruppe bekam die Chemotherapie zusammen mit dem langjährig bewährten Antikörper Rituximab. Alle Patienten litten unter CLL-typischen Begleiterkrankungen.

Im Schnitt ein Jahr mehr

Dabei zeigte der neue Antikörper Obinutuzumab ein signifikant längeres progressionsfreies Überleben. Eine nachfolgende zweite Auswertung, in der Obinutuzumab und Rituximab direkt verglichen wurden, ergab ebenfalls klare Vorteile: Im Vergleich zu Patienten, die Rituximab plus Chlorambucil erhalten hatten, lebten die Patienten in der Obinutuzumab-Gruppe 11,5 Monate länger ohne Fortschreiten der Erkrankung. Bei mehr als zehnmal so vielen Patienten konnte die Erkrankung im Blut selbst mit feinsten Analysemethoden nicht mehr nachgewiesen werden. In Sachen Nebenwirkungen unterscheidet sich Obinutuzumab nach Roche-Informationen nicht von anderen Anti-CD20-Antikörpern. Patienten klagten in der Studie vor allem über Übelkeit, Fieber, Schüttelfrost und Blutdruckabfall, allesamt Nebenwirkungen, die sich nach Herstellerangeben recht gut behandeln ließen. Krebsmediziner Hallek: „Der neue Antikörper wird die CLL-Therapie entscheidend verbessern.“ Obinutuzumab ist bereits seit November 2013 in den USA zugelassen.

© Alex011973 - Fotolia.com

Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Leukämie , Arzneimittel , Antikörper

Weitere Nachrichten zum Thema Leukämie

| Rückfälle bei Leukämien sind oft dadurch bedingt, dass einige Krebszellen im Körper überleben. Forscher haben nun erstmals solche „schlafenden“ Leukämiezellen dingfest gemacht. Ein erster Schritt, um Krankheitsrückfälle künftig verhindern zu können.

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
Prof. Dr. Dr. Peter M. Schlag, Direktor des Charité Comprehensive Cancer Centers und Vorsitzender der Berliner Krebsgesellschaft, über zielgerichtete Tumortherapien, Krebsmedikamente der neuen Generation und die ärztliche Kunst, individualisierte Therapieentscheidungen zu treffen.
. Weitere Nachrichten
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender
. Kliniken
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Für Menschen mit Behinderung sind Arbeit und gesellschaftliche Teilhabe nach wie vor nicht selbstverständlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Ulla Schmidt, MdB und Bundesvorsitzende der Lebenshilfe, darüber gesprochen, was getan werden muss, um die Situation von Betroffenen zu verbessern.
Prof. Hendrik Streeck leitet Deutschlands erstes Institut für HIV-Forschung am Universitätsklinikum Duisburg-Essen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem US-Rückkehrer über sein größtes Ziel gesprochen: eine präventive Impfung gegen HIV.
Die Fronten zwischen Gegnern und Befürwortern der Homöopathie sind verhärtet. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Homöopathie-Kritikerin Dr. med. Natalie Grams über wissenschaftliche Prinzipien und den verbreiteten Wunsch nach medizinischen Alternativen gesprochen.