. Demenz

Neuer Ansatz im Kampf gegen Alzheimer

Alzheimer ist bisher nicht heilbar. Doch einem Forscherteam ist nun möglicherweise ein bedeutsamer Schritt im Kampf gegen die Krankheit gelungen.
Neuer Therapieansatz gegen Alzheimer

In Deutschland leiden etwa 1,2 Millionen Menschen an Alzheimer.

Die Alzheimer-Erkrankung ist eine fortschreitende, degenerative Gehirnstörung. Bisher ist die Krankheit nicht heilbar und ihre Ursachen sind unbekannt. Einem Wissenschaftlerteam der Charité - Universitätsmedizin Berlin und der Universität Zürich ist es nun gelungen, einen neuen Therapieansatz im Kampf gegen die Alzheimer-Erkrankung zu entwickeln. Ihre Ergebnisse wurden in der aktuellen Ausgabe des Fachjournals Nature Medicine veröffentlicht.

Eine zentrale Rolle bei Alzheimer spielt die Ablagerung von bestimmten Eiweißen im Gehirn, darunter das sogenannte Amyloid. Die Wissenschaftler vom Institut für Neuropathologie an der Charité und dem Institut für Experimentelle Immunologie an der Universität Zürich konnten zeigen, dass das Ausschalten bestimmter Botenstoffe des Immunsystems, der sogenannten Zytokine, die Amyloid-Ablagerungen bei Mäusen verringerte. Folgeexperimente zeigten, dass sich dadurch auch substantielle Verbesserungen bei Verhaltenstests ergaben.

Unterdrückung des Moleküls p40 reduzierte Alzheimer-Symptome

Die stärkste Reduktion von Amyloid zeigte sich, wenn den Mäusen blockierende Antikörper gegen das Immunmolekül p40 verabreicht wurden. Da bei Menschen, die unter Alzheimer leiden, der Spiegel des p40-Moleküls in der Hirnflüssigkeit und im Blutplasma erhöht ist, liegt es nahe, dass die Versuchsergebnisse auf den Menschen übertragbar sind.

Im Rahmen anderer Erkrankungen werden Medikamente zur Unterdrückung von p40 bereits beim Menschen eingesetzt. Die Studienautoren erklären: „Aufgrund der Datenlage und Erfahrungswerte zur Verträglichkeit des Medikaments kann nun eine klinische Studie ohne Verzögerung angegangen werden. Jetzt geht es darum, den neuen Therapieansatz rasch an den Patienten zu bringen.“ Die Alzheimer-Erkrankung zählt zu den häufigsten Ursachen einer Demenz. In Deutschland leiden etwa 1,2 Millionen Menschen an Alzheimer. In den nächsten 20 Jahren wird mit einer Verdoppelung dieser Zahl gerechnet.

Foto: © Andrea Danti - Fotolia.com

 
Autor:
Hauptkategorie: Pflege
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Demenz , Alzheimer , Neurologie , Forschung , Charité
 

Weitere Nachrichten zum Thema Alzheimer

| Wer Fragen rund um das Thema Alzheimer hat, selbst betroffen ist oder einen erkrankten Angehörigen pflegt, kann sich an das Alzheimer-Telefon wenden. Die Berater unterstützen die Ratsuchenden beim Umgang mit der Erkrankung, konkreten Fragen zur Behandlung und der Suche nach Unterstützungsangeboten.
 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Noch im Januar gab es in Deutschland etwa 1400 Ärzte, die ihren Patienten Videosprechstunden anboten – heute sind es fast zehnmal so viele. Jörg Debatin, Berater der Bundesregierung für die Digitalisierung des Gesundheitswesens, spricht in einem Podcast-Interview mit Gesundheitsstadt Berlin über die Frage, wie die Coronakrise Gesellschaft und Gesundheitssektor technisch revolutionieren könnte – und welche Werte dabei zu beachten sind.
 
 
. Interviews
Noch müssen Ärzte in Deutschland keine Triagierung von COVID-19-Patienten vornehmen. Doch was wenn, die Intensivkapazitäten auch hier zu Lande nicht reichen? Gesundheitsstadt Berlin hat über das bedrückende Thema mit Prof. Dr. Elisabeth Steinhagen-Thiessen gesprochen. Die Charité-Medizinerin befasst sich als Mitglied des Deutschen Ethikrats und einer soeben eingerichteten Task Force des Berliner Senats intensiv mit dem Worst-Case-Szenario „Triagierung“.
Work-Life-Balance, geregelte Arbeitszeiten – in altersgemischten Stationsteams prallen Welten aufeinander. Wie sich der Generationenkonflikt im Krankenhaus lösen lässt, weiß Professor Wolfgang Kölfen, Chefarzt und Kommunikationsberater aus Mönchengladbach.