Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Neuer Alzheimer-Wirkstoff geht in Phase II

Ein am Forschungszentrum Jülich entwickelter Alzheimer-Wirkstoffkandidat hat grünes Licht für eine klinische Phase-II-Studie bekommen. Das Mittel zerstört Vorstufen der toxischen Amyloid-beta-Plaques.
Der Alzheimer-Wirkstoffkandidat PRI-002 hat Grünes Licht für Phase-II-Studie bekommen, meldet das Forschungszentrum Jülich

Der Alzheimer-Wirkstoffkandidat PRI-002 hat Grünes Licht für Phase-II-Studie bekommen, meldet das Forschungszentrum Jülich

Neue Medikamente gegen Alzheimer zu entwickeln, ist ein schwieriges Gebiet. Immer wieder scheitern Wirkstoffkandidaten in klinischen Studien, weshalb sich viele Pharmafirmen aus der Alzheimer-Forschung zurückgezogen haben.

Umso bedeutsamer ist die Nachricht, dass ein am Forschungszentrum Jülich entwickelter Alzheimer-Wirkstoffkandidat erfolgreich die Phase-I-Studie abgeschlossen hat und nun in die nächste Entwicklungsphase eintreten kann. Soeben hat das Therapeutikum grünes Licht für die klinische Phase II-Studie erhalten. Die Bundesagentur für Sprunginnovationen SPRIND des Bundesforschungsministeriums  unterstützt die Entwicklung des neuen Therapieansatzes gegen die Alzheimersche Demenz.

Neue Wirkstoffzerstört Vorläufer der Alzheimer Plaques

Der Wirkstoffkandidat PRI-002 gehört zu einer neuen Wirkstoffklasse die auf den sogenannten D-Peptiden basiert. Das bedeutet unterm Strich, dass der Wirkstoff stabil ist und als Tablette oder Kapsel verabreicht werden kann. Er richtet sich gegen Amyloid-beta-Oligomere, das sind Vorstufen der für Alzeimer typischen Amyloid-beta-Plaques. Die toxischen Oligomere beeinträchtigen die Hirnfunktion, indem sie die Prozesse an den Synapsen, den Kontaktstellen zwischen den Nervenzellen, stören und sind nach heutigem Forschungsstand entscheidend am Krankheitsverlauf beteiligt.

PRI-002 zerstört direkt und ohne Mitwirkung des Immunsystems die toxischen Oligomere und zerlegt diese in die ungefährlichen Abeta-Monomere. „Damit ist der Wirkstoff der erste seiner Art, der als Anti-Prionicum direkt gegen die schädlichen Oligomere wirkt“, sagt Prof. Dieter Willbold, Direktor am Institut für Biologische Informationsprozesse – Strukturbiochemie des Forschungszentrum Jülich.

 

Bisher keine Toxizität beobachtet

Der Alzheimer-Wirkstoffkandidat hatte bereits im Frühjahr 2019 in einer klinischen Phase I-Studie seine Sicherheit und Verträglichkeit bei täglicher Anwendung über vier Wochen im Menschen unter Beweis gestellt. In Kürze kann eine Langzeit-Toxizitätsstudie abgeschlossen werden. Ab dem kommendem Jahr muss PRI-002 in einer klinischen Phase II-Studie an 150 Alzheimerpatienten beweisen, dass er auch die Gedächtnisleistung und Kognition verbessern kann. Ergebnisse der Wirksamkeitsstudie werden spätestens 2026 erwartet.

Dafür wurde nun von SPRIND die Gründung einer Tochtergesellschaft beschlossen. Schon 2017 gründete Prof. Willbold das pharmazeutische Unternehmen Priavoid – ein Spin-off aus dem Forschungszentrum, mit dem nicht nur die weitere klinische Entwicklung des Alzheimer-Medikaments vorangetrieben wird, sondern auch weitere Wirkstoffe entwickelt werden, die mit dem anti-prionischen Wirkmechanismus andere neurodegenerative Erkrankungen behandeln sollen. Daran beteiligt ist ebenfalls der Nobelpreisträger Prof. Stanley Prusiner.

Foto: © Adobe Stock / Juan Gärtner

Autor: ham
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Alzheimer , Arzneimittel
 

Weitere Nachrichten zum Thema Alzheimer

Aktuelle Nachrichten

Mehr zum Thema
 
Weitere Nachrichten

Bei starkem Übergewicht kann ein Magenbypass zu einer bedeutenden Gewichtsabnahme führen. Ärzte aus Gießen nutzen für die Operation jetzt den OP-Roboter daVinci. Das sind die Vorteile.

Geschwollene Hubbel, kreisförmige Rötungen und – besonders lästig – der Juckreiz: Mit ihrer zarten Haut und ihren zarten Gefühlen haben Mückenstiche für Kinder eine ganze andere Dramatik als für Erwachsene. Hier ein paar Tipps für Eltern, um schnell und wirksam etwas dagegen zu tun.
 
Interviews
Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.


Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.
Logo Gesundheitsstadt Berlin