Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Neue Wirkstoffkombination gegen Carbapenem-resistente Bakterien vermutlich wenig wirksam

Donnerstag, 2. September 2021 – Autor:
Eine neue Wirkstoffkombination gilt als vielversprechend gegen multiresistente Keime wie Enterobakterien. Doch Infektionsforscher haben in Deutschland bereits Bakterien gefunden, die resistent gegenüber dieser letzten Reserve sind.
Alarmierend: Infektionsforscher haben Resistenzen gegen die neue Wirkstoffkombination Aztreonam-Avibactam nachgewiesen

Alarmierend: Infektionsforscher haben Resistenzen gegen die neue Wirkstoffkombination Aztreonam-Avibactam nachgewiesen – Foto: © Adobe Stock/ jarun011

Enterobakterien wie Escherichia coli oder Klebsiella pneumoniae stehen auf der WHO-Liste der zwölf multiresistenten Krankheitserreger, für die dringend neue Wirkstoffe benötigt werden. Die gefürchteten Krankenhauskeime sind häufig selbst gegen das Notfall Antibiotikum Carbapeneme resistent. Hoffnung machte unterdessen eine neue Kombination aus zwei antimikrobiellen Substanzen – Aztreonam und Avibactam. Derzeit wird die fixe Kombination dieser beiden Substanzen nur in klinischen Studien eingesetzt, um etwa schwere Infektionen in Darm und Harnwegen zu behandeln.

Resistenzen gegen Kombi aus Aztreonam und Avibactam nachgewiesen

Doch schon vor dem routinemäßigen Einsatz in Deutschland könnte sich die Hoffnung auf die neue Therapieoption zerschlagen haben. Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) konnten im Rahmen der Surveillance-Studie für hochresistente Erreger in Hessen (SurvCARE) mittels Genomanalyse bereits Bakterien finden, denen diese neue Kombination nichts mehr anhaben kann.

„Das ist besorgniserregend, denn diese Wirkstoff-Kombination wird hier noch nicht klinisch eingesetzt“, erklärt der Gießener Mikrobiologe und DZIF-Wissenschaftler Prof. Dr. Trinad Chakraborty. Alarmierend sei hierbei auch die Tatsache, dass diese Resistenz auch bei Bakterien gefunden wurde, die in Deutschland sehr häufig vorkommende Carbapenemasen tragen. Dadurch werde das Potenzial von Aztreonam-Avibactam als Initialtherapie deutlich eingeschränkt. „Die Erwartung als Hoffnungsträger-Kombination bei Infektionen mit Carbapenem-resistenten Erregern kann möglicherweise nicht erfüllt werden“, betont der Chakraborty.

 

Carbapenem-resistente Erreger nehmen weltweit zu

Aztreonam-Avibactam ist eine Kombination aus dem älteren Antibiotikum Aztreonam und dem neueren Hemmstoff Avibactam, der die Wirksamkeit der Resistenz gegen Carbapeneme aufheben kann und so die Bakterien wieder angreifbar macht. Bisher sind Infektionen mit solchen Carbapenem-resistenten Erregern oftmals nur sehr schwer zu behandeln, da die Therapieoptionen mit vorhandenen Antibiotika stark eingeschränkt oder sogar gar nicht mehr gegeben sind. Diese Resistenz entsteht durch eine spezifische Kombination aus Veränderungen in vorhandenen Strukturen der Bakterien in Verbindung mit dem Erwerb bestimmter Resistenzgene.

Dass nun auch Resistenzen gegen die neue Wirkstoffkombination gefunden wurden, ist besorgniserregend. Das Vorkommen Carbapenem-resistenter Erreger steigt weltweit stetig an. Griechenland und Italien gehören in Europa zu den am stärksten betroffenen Ländern.

Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Antibiotikaresistenzen , Multiresistente Erreger
 

Weitere Nachrichten zum Thema Antiobiotikaresistenzen

 

Aktuelle Nachrichten

Mehr zum Thema
Der kommunale Klinikkonzern Vivantes hat Berlins erstes Zentrum für Infektionsmedizin gegründet. Spezialisten wollen sich dort gezielt um die Bekämpfung von Krankenhausinfektionen und multiresistenten Keimen kümmern.
 
Weitere Nachrichten

Wenn Angehörige wegen einer akuten oder chronischen Krankheit in den eigenen vier Wänden gepflegt werden müssen, übernehmen das meist Frauen. Nur wenige Männer nutzen die „Familienpflegezeit“ – auch, weil das (noch) mit finanziellen Risiken verbunden ist.

 
Kliniken
Interviews
Affenpocken verlaufen in der Regel harmlos. Doch nicht immer. Dr. Hartmut Stocker, Chefarzt der Klinik für Infektiologie am St. Joseph Krankenhaus in Berlin Tempelhof, über die häufigsten Komplikationen, die Schutzwirkung der Impfung und den Nutzen von Kondomen.

Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin