. Hepatitis-Therapie

Neue Wirkstoffe stoppen Hepatitis-C Virus

Eine neue Generation von Medikamenten gegen Hepatatis C macht Hoffnung: Mit den sogenannten direct acting antivirals (DAA) lassen sich die Heilungsraten signifikant steigern. Experten sprechen von einem Wendepunkt in der Hepatitis C Therapie.
Hepatitis C: neue Wirkstoffkombinationen machen hoffnung

Hepatitis C: Neue Wirkstoffkombinationen machen Hoffnung

Bessere Heilungserfolge und weniger Nebenwirkungen verspricht eine neue Generation von Medikamenten gegen Hepatatis C. Es handelt sich dabei um so genannte direct acting antivirals (DAA), die das Hepatitis C Virus daran hindern, sich zu vermehren und damit die chronische Entzündung der Leber blockieren. Zwei Wirkstoffe dieser Gruppe wurden in Europa bereits 2011 zugelassen und haben die Heilungschancen deutlich verbessert. „Boceprevir und Telaprevir erreichen in Kombination mit Interferon und Ribavirin eine Heilungsrate von bis zu 80 Prozent“, sagt Professor Dr. med. Michael P. Manns von der Medizinischen Hochschule Hannover. Eine Hepatitis-Infektion gilt als ausgeheilt, wenn der Virustest auch zwölf Wochen nach dem Ende der Therapie negativ ausfällt.

Hepatitis C: Aktuelle Klinische Studie aus den USA - Heilungsrate von bis zu 98 Prozent

Boceprevir und Telaprevir sind die ersten direct acting antivirals. In den USA wurden gerade zwei weitere Wirkstoffe der neuen Generation zugelassen: Semiprevir und Sofosbuvir. In einer klinischen Studie hatte Sofosbuvir in Kombination mit dem Wirkstoff Daclatasvir bei Patienten mit Genotyp 1 zu Heilungsraten von bis zu 98 Prozent geführt. Bei Patienten mit den Genotypen 2 und 3 lag die Heilungsrate knapp über 90 Prozent. Sofosbuvir soll noch in diesem Jahr auch in Europa zugelassen werden, für Daclatasvir hat der Hersteller eine beschleunigte Zulassung beantragt. Mit dieser neuen Kombinationstherapie entfällt das wöchentliche Spritzen von Interferon, und möglicherweise kann man künftig auch auf Ribavirin verzichten, sind Experten überzeugt. Die beiden Standard-Medikamente können starke Nebenwirkungen wie Müdigkeit und Depressionen verursachen.

Die Forschungspipeline ist voll

Dass mehrere Dutzend weiterer Wirkstoffe augenblicklich in der klinischen Testung sind, dürfte eine weitere gute Nachricht für Patienten mit Hepatitis C sein. Denn mit einer größeren Zahl von Wirkstoffen steigen auch die Chancen, schwierige Hepatitis-Infektionen erfolgreich zu behandeln, etwa wenn die Leber bereits stark geschädigt ist oder sich bereits eine Leberzirrhose entwickelt hat. Hepatitis-Experte Manns: „Es ist vorstellbar, dass es in fünf Jahren wie bei der HIV-Therapie Kombinationspräparate gibt, die einmal täglich als Tablette eingenommen werden können und die aber im Gegensatz zu HIV zur Heilung führen können - auch in schwierigen Fällen.“ Der Experte sieht darin eine Chance für einen Wendepunkt in der Hepatitis C Therapie.

Weltweit sind über 185 Millionen Menschen mit Hepatitis C Viren infiziert, in Deutschland sind es rund 500.000. Das Tückische daran: Hepatitis C kann Jahrzehnte lang unbemerkt bleiben, aber unterdessen schwere Schäden in der Leber anrichten. Oft entwickelt sich daraus Leberkrebs.

© Sebastian Kaulitzki - Fotolia.com

Hauptkategorie: Medizin

Weitere Nachrichten zum Thema Hepatitis

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
. Weitere Nachrichten
Bei Frauen mit genetisch bedingtem Lungenhochdruck kann Östrogen eine Rolle bei der Erkrankung spielen. Experimente zeigen nun, dass Medikamente, die das Östrogen hemmen, der Erkrankung vorbeugen und auch zu ihrer Behandlung dienen können.
Knapp drei Millionen Tiere sterben in Deutschland jedes Jahr für die Forschung – viele davon umsonst, weil sich die Ergebnisse aus Tierversuchen oft nicht auf Menschen übertragen lassen. Nun wurde ein Modellsystem ausgezeichnet, das Tierversuche in der Schlaganfallforschung ersetzen soll.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender

Vivantes Klinikum im Friedrichshain, Raum 12.109/110 im Erdgeschoss, Landsberger Allee 49, 10249 Berlin
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Die Blutvergiftung, fachsprachlich „Sepsis“, ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Und sie gilt als die am häufigsten vermeidbare. Gesundheitsstadt Berlin hat anlässlich des Welt-Sepsis-Tags am 13. September mit Prof. Konrad Reinhart von der Universität Jena über das Thema gesprochen. Der Vorsitzende der deutschen Sepsis-Stiftung vertritt die These: Die tatsächliche Zahl der Sepsis-Fälle ist doppelt so hoch wie die der registrierten.
Kinder suchtkranker Eltern sind besonderen Belastungen ausgesetzt und haben ein hohes Risiko, später selbst eine Sucht oder andere psychische Erkrankungen zu entwickeln. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Drogenbeauftragten der Bundesregierung Marlene Mortler über die Situation betroffener Kinder und die Notwendigkeit von Unterstützungsangeboten gesprochen.
Die Berichterstattung über Methadon als Krebsmittel weckt große Hoffnungen. Doch wie sieht eigentlich die rechtliche Seite aus, wenn Ärzte ein Medikament außerhalb des Zulassungsbereichs (Off-Label) verschreiben? Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Medizinrechtler Prof. Dr. Christian Dierks gesprochen, welche Risiken Ärzte eingehen und ob Patienten einen Anspruch auf einen individuellen Heilversuch mit Methadon haben.