Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
15.06.2016

Neue Waffe gegen Hautkrebs? Killerzellen attackieren Pigmentzellen

Die Pigmentstörungen bei der Weißfleckenkrankheit (Vitiligo) wird durch körpereigene Killerzellen ausgelöst. Das fanden Forscher der Universität Bonn und der Ludwig-Maximilians-Universität München heraus. Dies könnte neue Ansätze für die Behandlung von schwarzem Hautkrebs (Melanom) liefern.
Melanom - schwarzer Hautkrebs

Killerzellen, die Vitiligo auslösen, könnten schwarzen Hautkrebs bekämpfen

Die Sommerbräune kann sich nur durch das Pigmentzell-Enzym Tyrosinase bilden. Je mehr die Sonne vom Himmel brennt, desto mehr Pigmente werden durch dieses Enzym gebildet. Der Wirkstoff Monobenzon kann dieses Enzym spezifisch blockieren und dadurch eine Stressreaktion auslösen. Daraufhin greift das Immunsystem die betroffenen Pigmentzellen an. Eine häufige Folge ist die „Weißfleckenkrankheit“ (Vitiligo), die zu pigmentfreien Flächen auf der Haut führt.

Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass Menschen mit Vitiligo ein geringeres Risiko haben, an Schwarzem Hautkrebs zu erkranken. Ein möglicher Weg zur Behandlung dieser Krebsart könnte es sein, mit dem Tyrosinase-Blocker Monobenzon Vitiligo aktiv auszulösen. „Man möchte also eine weniger schlimme Erkrankung als Waffe gegen den Schwarzen Hautkrebs einsetzen“, sagt Dr. Jasper van den Boorn vom Institut für Klinische Chemie und Klinische Pharmakologie der Universität Bonn.

Killerzellen attackieren Pigementzellen: Neue Waffe gegen Hautkrebs?

"Allerdings war bislang der anfängliche Mechanismus unklar, wie das Immunsystem die Monobenzon-exponierte Pigmentzellen als gefährlich erkennt und angreift“, berichtet Prof. Veit Hornung, der von der Universität Bonn kürzlich an die Ludwig-Maximilians-Universität München gewechselt ist. Bekannt ist, dass Monobenzon eine kontaktsensibilisierende Wirkung auf die pigmentierte Haut hat: Prinzipiell ist dieser Stoff allein inaktiv. Erst wenn Monobenzon an die Tyrosinase andockt, entsteht daraus ein sogenanntes Hapten in der Pigmentzelle. Dies ist nun eine „körperfremde“ Struktur, die das Immunsystem spezifisch aktivieren kann.

Diesen Weg vollzogen die Forscher der Universität Bonn im Detail an Mäusen nach, indem sie Monobenzon in niedrigen Dosen auf die Haut der Nager aufbrachten. Wie die Immunabwehr der Tiere auf dieses Hapten reagierte, verblüffte die Forscher. „Normalerweise mobilisiert das Immunsystem eine Mischung verschiedener weißer Blutzellen, um hapten-exponierte Gewebe anzugreifen“, berichtet Dr. van den Boorn. „Die Monobenzon-Exposition brachte aber nur die Natürlichen Killerzellen dazu, Pigmentzellen zu erkennen und zu attackieren.

 

Natürliche Killerzellen töten Krebszellen und virusinfzierte Zellen

Natürliche Killerzellen gehören zum angeborenen Immunsystem und töten abnormale Zellen - wie Krebszellen oder virusinfizierte Zellen. Bisher wurde ihnen von der Wissenschaft in Abrede gestellt, über ein immunologisches Gedächtnis für körpereigene Gewebe zu verfügen, und diese spezifisch attackieren zu können. Dieses Phänomen wurde bislang nur den T- und B-Lymphozyten zugeschrieben.

Für diese Immunantwort musste erst noch ein Kontrollpunkt grünes Licht geben: das NLRP3-Inflammasom. „Es handelt sich dabei um einen Proteinkomplex, der mehrere Signalinformationen in Makrophagen, das sind spezielle Fresszellen im Gewebe, zusammenführt. „Diese Zellen entscheiden dann, ob Immunzellen sowie die Natürlichen Killerzellen den Marschbefehl erhalten“, erläutert Prof. Dr. Veit Hornung.

Die Studie erschien im Fachblatt Immunology. Die Resultate eröffnen möglicherweise neue Therapie-Optionen für die Behandlung von Schwarzem Hautkrebs, zeigen eine neue Art der Immun-Erkennung und könnten neue Einblicke in das Entstehen der „Weißfleckenkrankheit“ Vitiligo liefern.

Foto: Zerbor

Autor: red
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Hautkrebs
 

Weitere Nachrichten zum Thema Melanom

12.01.2016

Die Medikamente Dabrafenib („Tafinlar“) und Trametinib („Mekinist“) sind für Erwachsene mit malignem Melanom zugelassen. Sie dürfen seit Ende 2015 auch kombiniert werden. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) prüfte, ob die Kombi den Patienten nützt.

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
In Deutschland gibt es ein weltweit einmaliges System von mehr als 12.000 Betriebsärzten – eine Option, um die schleppend laufende Breitenimpfung gegen COVID-19 in Schwung zu bringen. Eine große Mehrheit der Beschäftigten würde ein Impfangebot ihres Arbeitgebers begrüßen. Das zeigt eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag des TÜV.


Alkohol kann im weiblichen Körper schneller Schäden anrichten als im männlichen. Darauf weist die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) anlässlich des Internationalen Frauentags am 8. März hin. So kommt es bei Frauen leichter zu alkoholbedingten Leberschäden. Als besonders schädlich gilt auch das Trinken in der Schwangerschaft.
 
Kliniken
Interviews
Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.

Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin