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Neue Therapieoption für Schluckstörungen nach Schlaganfall

Schluckstörungen sind eine häufige Komplikation nach einem Schlaganfall. Eine neue Elektrostimulation des Rachens scheint die Beschwerden zu bessern. Neurologen sehen in dem Verfahren namens PES eine echte Therapieoption für schwerst betroffene Patienten.
Schluckstörung nach Schlaganfall

Schluckstörung nach Schlaganfall: Mit einer Neurostimulation des Rachens kann schwer betroffenen Patienten geholfen werden

Schlaganfälle sind der häufigste Grund für Behinderungen bei Erwachsenen. Eine schwerwiegende Folge sind Schluckstörungen. Die Patienten müssen dann mit Hilfe von Therapeuten das Schlucken wieder mühsam erlernen. Besonders schwierig ist das für Patienten, die aufgrund ihres Schlaganfalls künstlich beatmet werden müssen. Bei etwa jedem sechsten Schlaganfallpatienten muss ein Luftröhrenschnitt durchgeführt werden. Die Entwöhnung von der Trachealkanüle ist jedoch wegen der fortbestehenden Schluckstörungen oft schwierig.

Neurostimulation reaktiviert das Schluckzentrum

Eine Studie hat nun untersucht, ob sich durch die pharyngeale elektrische Stimulation (PES) das Schlucknetzwerk reaktivieren lässt. Bei der PES handelt es sich um Neurostimulationstherapie, bei der die Rachenhinterwand elektrisch stimuliert wird.

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die PES die Schluckstörungen verbessern kann. Patienten konnten sehr viel schneller wieder schlucken als diejenigen, die nur eine Scheintherapie erhielten. Deshalb konnte auch die Trachealkanüle bei signifikant mehr Patienten unmittelbar nach der Stimulationstherapie entfernt werden (49 versus 9 Prozent). Darüber hinaus war der Krankenhausaufenthalt der Patienten, die auf die PES-Behandlung ansprachen, durchschnittlich um 22 Tage kürzer als bei Patienten, die kein Therapieansprechen zeigten. „Die PES ist für tracheotomierte Schlaganfallpatienten nicht nur ein Riesengewinn, weil die Trachealkanüle schneller entfernt werden kann und der Krankenhausaufenthalt sich signifikant verkürzt, sondern auch, weil so das Risiko von Folgekomplikationen reduziert wird“, sagt Professor Peter Berlit, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN).

 

Therapie zeigt keine schweren Nebenwirkungen

Überdies zeigte die Studie, dass die Stimulationstherapie keine schwerwiegenden Nebenwirkungen mit sich brachte. Studienleiter Prof. Rainer Dziewas von der Klinik für Neurologie des Universitätsklinikums Münster schließt aus den Ergebnissen: „Die PES stellt damit für diese schwerstkranken Patienten eine echte Therapieoption dar.“

Die Ergebnisse der Studie “Pharyngeal electrical stimulation for early decannulation in tracheotomised patients with neurogenic dysphagia after stroke” wurden am 28. August im Fachmagazin Lancet Neurology veröffentlicht.

Therapieablauf

Bei der PES wird eine dünne Sonde über die Nase in die Speiseröhre eingeführt. Diese Sonde ist mit einem Paar Ringelektroden bestückt, über die die Rachenhinterwand elektrisch stimuliert werden kann. Dies geschieht an drei aufeinanderfolgenden Tagen für jeweils zehn Minuten. Physiologisch wirkt diese Stimulationstherapie, indem sie die sensiblen Leitungsbahnen, die das Schlucken steuern helfen, aktiviert und so das komplex strukturierte Schlucknetzwerk moduliert und neuronale Reorganisation induziert.

Foto: | © bilderstoeckchen - Fotolia.com

Autor: ham
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