Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Neue Therapien gegen das Glioblastom versprechen bessere Prognose

Im Kampf gegen das Glioblastom gewinnen molekulare Marker und zielgerichtete Medikamente zunehmend an Bedeutung. Von den neuen Therapien werden zwar nicht alle, aber einzelne Patienten deutlich profitieren, erklärt Hirntumorexperte Wolfgang Wick aus Heidelberg zum Welthirntumortag.
Das Glioblastom wird vielleicht nie geheilt werden können, aber neue Therapien können die Prognose bei einzelnen Patienten verbessern

Das Glioblastom wird vielleicht nie geheilt werden können, aber neue Therapien können die Prognose bei einzelnen Patienten verbessern

Glioblastome sind extrem schwer zu behandeln. Die Krebszellen wachsen diffus ins Gehirn ein und lassen sich darum bei einer Operation niemals vollständig entfernen. Erst kürzlich haben Wissenschaftler aus Heidelberg gezeigt, dass die Glioblastomzellen eine Netzstruktur ausbilden und somit das gesamte Zentralnervensystem infiltrieren. Selbst systemische Therapien wie die Chemotherapie können dagegen nichts ausrichten, geschweige denn eine Bestrahlung. Daher versterben mehr als 90 Prozent aller Patienten innerhalb der ersten fünf Jahre.

Allerdings sagt ein statistischer Durchschnittswert nichts über die individuelle Prognose im Einzelfall aus. Laut Prof. Wolfgang Wick vom Universitätsklinikum Heidelberg sind durch die molekulare Tumordiagnostik bereits heute viele Patienten besser behandelbar – mit messbaren Erfolgen. „Diese Patienten haben oft eine viel günstigere Prognose und leben teilweise viele Jahre beschwerdefrei“, erklärte Wick zum Welthirntumortag am 8. Juni.

Prognose hängt vom Tumorprofil ab

Hintergrund ist, dass viele Patienten inzwischen molekular definierten Subgruppen zugeordnet werden können. In diesen Fällen sind die veränderten Zellstrukturen bekannt, die das Tumorwachstum antreiben, und bestenfalls gibt es gegen die Tumortreiber schon zielgerichtete Medikamente. Diese Medikamente wirkten oft sehr viel besser als die gängige Standardtherapie aus Operation, Bestrahlung und Chemotherapie, meint Wick, weil sie präziser gegen den Tumor gerichtet seien. Dem Neuroonkologen zufolge wird man in den nächsten Jahren noch sehr viel mehr Glioblastome bestimmten Subgruppen zuordnen können und weitere zielgerichtete Therapien zur Verfügung haben. „Damit werden wir nicht das Glioblastom insgesamt besiegen, aber einzelne Patienten werden davon profitieren“, sagte er.

 

Glioblastom wird künftig in weitere Subgruppen unterteilt

Umfassende molekulare Untersuchungen bei der Erstdiagnose werden heute zum Beispiel am Universitätsklinikum Heidelberg und an allen Standorten des Deutschen Krebskonsortiums (DKTK) angeboten, wozu auch die Charité in Berlin gehört. Diese aufwändigen Untersuchungen des Tumorgewebes sind Voraussetzung für eine Therapie mit den neuen zielgerichteten Medikamenten und anderen innovativen Ansätzen. Ein wichtiger Marker, der dabei bestimmt wird, ist zum Beispiel das Enzym IDH1. Bei einigen wenigen Glioblastomen und bei der Mehrzahl der niedriggradigen Gliome ist das Enzym so tumorspezifisch verändert, dass es inzwischen zu einer wichtigen Zielscheibe geworden ist: Eine Impfung gegen IDH1 mutierte Gliome sowie ein spezieller Hemmstoff, der IDH1 blockiert, werden gerade in klinischen Phase I Studien getestet.

Experte hält Immuntherapie für aussichtsreich

Hirntumorspezialist Wolfgang Wick bescheinigt darüber hinaus noch weiteren neuartigen Behandlungen gute Chancen, etwa der Therapie mit Parvorviren oder dem Wirkstoff APG101, der Wachstumssignale an die Glioblastomzellen unterdrückt. In einer Phase II-Studie konnte das neue Krebsmittel APG101in Kombination mit einer Strahlentherapie das Gesamtüberleben einer bestimmten Gruppe von Glioblastompatienten signifikant steigern. Und zur viel diskutierten Immuntherapie sagte er: „Die Methode, das Immunsystem gegen den Tumor zu aktivieren, halte ich für durchaus aussichtsreich.“

Foto: DKFZ-Radiologen beurteilen einen Hirntumor: © Tobias Schwerdt, Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg (DKFZ)

Autor: ham
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Krebs , Hirntumor , Glioblastom
 

Weitere Nachrichten zum Thema Glioblastom

03.07.2019

Das Glioblastom ist ein aggressiver Hirntumor, für den es bislang keine Heilung gibt. Mit einem neuen Behandlungsansatz, den sogenannten Tumortherapiefeldern (TTF), soll das Tumorwachstum verlangsamt werden. In einer Nutzenbewertung konnte nun gezeigt werden, dass Patienten durch die Methode tatsächlich länger leben können.

26.02.2019

In der Chemotherapie des Glioblastoms gibt es Fortschritte: Forscher konnten zeigen, dass bei etwa einem Drittel der Patienten eine Form vorliegt, die besonders gut auf eine spezielle Art der Therapie anspricht.

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Ein gutes Patientengespräch kann offenbar postoperative Schmerzen lindern. Das konnten Wissenschaftler jetzt in einer Studie zeigen. Je besser die Patienten in die Schmerztherapie einbezogen wurden, desto seltener wünschten sie zusätzliche Schmerzmittel.


 
Interviews
Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.

Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin