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Neue Therapie gegen Depressionen: Klettern hellt die Stimmung auf

Die Boulderpsychotherapie wird seit ein paar Jahren bei Depressionen eingesetzt. Nun liegen Langzeitergebnisse einer Studie vor: Demnach ist das therapeutische Klettern mindestens genauso wirksam wie eine Psychotherapie und effektiver als Sport allein.
Bouldern macht nicht nur Spaß, sondern lindert auch Depressionen

Bouldern macht nicht nur Spaß, sondern lindert auch Depressionen

Bouldern ist ein Trendsport, der offenbar auch therapeutische Effekte hat. Das Klettern ohne Seil an Kletterwänden bzw. Kletterhügeln in Absprunghöhe wird seit einigen Jahren auch gegen Depressionen eingesetzt, weiß man doch, dass körperliche Aktivität stimmungsaufhellend wirkt.

Obwohl therapeutisches Bouldern ergo Klettern bereits an einigen Kliniken angeboten wurde, gab es bisher weder Standards noch qualitativ hochwertigen Studien hinsichtlich der Wirksamkeit des Verfahrens. Wissenschaftler der Universität Erlangen führten deshalb nach einer ersten Pilotstudie „Klettern und Stimmung“ ab 2016 eine weitere groß angelegte Studie in mehreren Regionen Deutschlands durch, darunter Berlin, Nürnberg und eine ländliche Region in Bayern durch. Insgesamt nahmen 233 Personen mit der Diagnose Depression an der Studie teil.

Klettern lindert depressive Symptome

Die Studie verglich das therapeutische Bouldern zum einen mit einem „allgemeinen sportlichen Aktivierungsprogramm“ und zum anderen mit einer Verhaltenstherapie im Rahmen einer Depressionsbewältigungsgruppe. Die Verhaltenstherapie gilt aktuell als der Goldstandard in der Behandlung von Depressionen.

Nachdem die Studienteilnehmer ein Jahr lang nachbeobachtet wurden, liegen nun die Auswertungen vor. Im Ergebnis zeigte sich, dass alle drei Ansätze wirksam waren. In der Gruppe, die die Boulderpsychotherapie erhielt, zeigte sich eine sichtbare Verringerung der depressiven Symptomatik in Form einer Verschiebung von einer moderaten zu einer milden Depression.

Die Verbesserungen waren jedoch deutlich stärker ausgeprägt als in der Gruppe, die mit dem sportlichen Aktivierungsprogramm zu Hause trainiert hatte. In der verhaltenstherapeutischen Depressionsbewältigungsgruppe zeigten sich ebenfalls deutliche Verbesserungen der depressiven Symptomatik, die allerdings nicht größer waren als die in der Boulderpsychotherapiegruppe. Auch in den Bereichen Angst, Körperbild, Bewältigungsmechanismen, Selbstwertgefühl und Sozialverhalten ergaben sich deutliche Verbesserungen durch die Boulderpsychotherapie, teilt die Uni Erlangen mit.

 

Effekte wirken nach

„Somit konnte gezeigt werden, dass die neue Therapieform mühelos mit bewährten Behandlungsmethoden mithalten kann und eine sinnvolle Erweiterung der Therapieangebote darstellt“, freut sich Projektleiterin PD Dr. Katharina Luttenberger. „Hinzu kommt: Die positiven Effekte können nach der Therapie mindestens ein Jahr lang aufrechterhalten werden.“

Das psychotherapeutische Team um Luttenberger hatte das Projekt „Klettern und Stimmung“ im Jahr 2013 Team ins Leben gerufen. „Die Idee bestand in der Verbindung der handlungsorientierten Elemente des Boulderns mit psychotherapeutischen Ansätzen zur Behandlung von Depressionen“, erzählt Luttenberger. Seither wurde das Programm weiterentwickelt.

Grübelschleifen werden durchbrochen

Heute besteht die Therapie aus zehn Einheiten, in denen die Therapeuten mit ihren Patienten unterschiedliche Themen bearbeiten, aber nicht auf der Couch, sondern direkt an der Kletterwand. „So können die Betroffenen beispielsweise beim Thema „soziale Beziehungen“ die Erfahrung machen, welche Gefühle und Gedanken auftauchen, wenn sie mit anderen über ein Seil verbunden sind und die Boulderroute gemeinsam bewältigen müssen“, erläutert die Psychotherapeutin. Außerdem fördert Klettern die Konzentration, das sei wichtig, um Grübelschleifen zu durchbrechen und das Gefühl vermitteln ganz "im Hier und Jetzt zu sein."

Foto: © Adobe Stock/Nico Bekasinski

Autor: ham
Hauptkategorie: Medizin
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