. Krebsforschung

Neue Therapie für unheilbare Leukämie bei Kindern in Sicht

Die akute lymphoblastische Leukämie (ALL) ist für Kinder längst kein Todesurteil mehr. Doch ein Fünftel der kleinen Patienten spricht nicht auf die lebensrettende Chemotherapie an. Einen neuen Hoffnungsschimmer versprechen jetzt die als „Smac Mimetika“ bezeichneten Substanzen.
Wenn die Chemotherapie nicht mehr wirkt: Smac Mimetika eröffnen neue Therapie-Chancen bei kindlicher Leukämie

Wenn die Chemotherapie nicht mehr wirkt: Smac Mimetika eröffnen neue Therapie-Chancen bei kindlicher Leukämie

Dank Chemotherapie überleben heute 80 Prozent der betroffenen Kinder ihre akute lymphoblastische Leukämie (ALL). Ein Fünftel erleidet jedoch schon bald einen Rückfall. Die Chemotherapie wirkt dann meist nicht mehr, weil die Leukämiezellen resistent gegen die Medikamente geworden sind. Die Heilungschancen stehen für diese Kinder dann äußerst schlecht. Weltweit wird daher nach neuen Behandlungsmöglichkeiten gesucht. Wissenschaftler der Universität Zürich melden nun einen Teilerfolg mit so genannten «Smac Mimetika: In ein humanisierten Mausmodell gelang es, ein Drittel der chemotherapieresistenten Leukämiezellen, die von den kleinen Patienten stammten,  mit den neuen Substanzen erfolgreich abzutöten. Eine Klinische Studie soll nun folgen. Zuvor müssen aber noch jene Kinder identifiziert werden, die von der Behandlung mit Smac Mimetika profitieren könnten. Dies dürfte ungefähr ein Drittel der kleinen Leukämiepatienten sein.

Smac Mimetika aktivieren das Selbstmordprogramm Nekroptose

Smac Mimetika setzen praktisch dort an, wo die Chemotherapie aufhört: Normalerweise setzen Chemotherapeutika ein molekulares Selbstmordprogramm in Gang. Im Falle einer Resistenz wird diese sogenannte Apoptose jedoch unterdrückt und die Krebszellen teilen sich weiter. Smac Mimetika können jedoch ein weiteres Selbstmordprogramm aktivieren, die sogenannte Nekroptose. Dadurch erwischen sie genau die Zellen, die der Apoptose entkommen. „Unsere Forschungsarbeiten zeigen, dass in menschlichen ALL-Zellen ein alternatives Zelltodprogramm, die Nekroptose, aktiviert werden kann. Damit gelingt es, jene Leukämiezellen abzutöten, die auf verfügbare Chemotherapeutika kaum ansprechen», erläutert Beat Bornhauser vom Kinderspital Zürich.

Doppelschneidiges Schwert gegen akute lymphoblastische Leukämie (ALL)

Dem Kinderkrebsforscher zufolge wird die Nekroptose von dem Enzym RIP1-Kinase reguliert. Dieses Enzym wird jedoch bei einer Chemotherapieresistenz gehemmt, so dass die Nekroptose ebenfalls unterbleibt. Anders als Chemotherapeutika sind Smac Mimetika in der Lage, dieses Enzym gezielt zu aktivieren. Damit werde gleich ein doppelter Mechanismus in Gang gesetzt, meint Beat Bornhauser: „Smac Mimetika sind gewissermassen doppelschneidige Schwerter: Sie töten Zellen, welche die Apoptose blockieren, durch Nekroptose, so der Forscher. Dies erkläre ihre starke anti-leukämische Wirkung und ihr großes Potenzial für künftige Therapien.

In den geplanten First-in-Man Studien wird es zunächst darum gehen, ob die neuen RIP1-Substanzen auch von Menschen gut vertragen werden. Das ist die Voraussetzung, damit sie ihre anti-leukämische Wirkung eines Tages auch bei schwer kranken ALL-Kindern entfalten können.

Foto: © pingpao - Fotolia.com

Autor: ham
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