. 18.000 Proben aus 2.500 Schweineställen

Neue Seuche befürchtet: Kommt die nächste Schweinegrippe?

In europäischen Schweineställen geht es besorgniserregend zu. Nun haben Forscher vom Friedrich-Loeffler-Institut etliche Influenzaviren gefunden, die leicht auf den Menschen überspringen können. Die Forscher bescheinigen ihrem Fund aus 2.500 Schweinezuchbetrieben ein „präpandemisches Potenzial“.
Potenzial für die nächste Pandemie: Schweine sind das Reservoir für neue Influenzaviren

Potenzial für die nächste Pandemie: Schweine sind das Reservoir für neue Influenzaviren

Die letzte Grippe-Pandemie ging von Schweineställen aus. Das Virus A(H1N1)/2009 – bekannt als Schweinegrippe-  fand bereits 2009 Eingang in die Schweinepopulationen Europas und sprang noch im selben Jahr auf den Menschen über. Die Schweinegrippe-Pandemie lief zwar im Vergleich zur Corona-Pandemie glimpflich ab. Doch es könnte auch anders kommen, wie neueste Untersuchungen des Friedrich-Loeffler-Instituts und der Universität Freiburg zeigen. Nach den Erkenntnissen der Studie hat das Influenzavirus „eine herausragende Bedeutung für das stark anwachsende Repertoire neuartiger Virusvarianten im Schwein.“

Schweinehaltung ist Reservoir für neue Grippeviren

Weil sich Schweine hervorragend für die Vermehrung und Neusortierung von Influenzaviren eignen, die vom Mensch, Schwein oder Vogel stammen, hatten die Forscher rund 2.500 Schweinezuchtbetriebe aufgesucht - in Deutschland sowie weiteren 16 europäischen Ländern. Dabei nahmen sie rund 18.000 Proben von Schweinen.

Das Ergebnis: In mehr als der Hälfte der untersuchten Betriebe wurden ganzjährig Influenzavirusinfektionen gefunden. Dabei dominieren vier Influenzaviruslinien in den Schweinepopulationen Europas, aber: Es entstehen daraus zunehmend neue Virusvarianten.

Einige davon haben Übertragungspotential auf den Menschen, können sich also zu sogenannten Zoonosen entwickeln. So zeigten Anlaysen, dass einige Virusvarianten Ähnlichkeiten zu humanen Viren aufweisen und Frettchen infiziert werden können. Frettchen sind das gängige Tiermodell für humane Influenza. Weitere Influenzaviren erwiesen sich als resistent gegen einen wichtigen Bestandteil der humanen Virenabwehr.

 

Das Potenzial ist da, Menschen zu infizieren

„Einige der Schweine-Influenza-Viren haben bereits eine wichtige Barriere für die Übertragung auf den Menschen überwunden. Das erhöht das Risiko deutlich“, sagt Prof. Dr. Martin Schwemmle vom Universitätsklinikum Freiburg. So gehen die Forscher davon aus, dass die Viren präpandemisches Potenzial besitzen. Die nächste Seuche könnte also aus europäischen Schweineställen kommen.

Gerade Schweinefleisch ist extrem billig. Zu welchen katastrophalen Folgen die Tiermast führen kann, darauf werfen schon die Corona-Ausbrüche in den Schlachtbetrieben von Tönnies ein Schlaglicht. Weniger Fleisch – oder besser noch der Verzicht darauf - würde darum deutlich die Gefahr von Infektionskrankheiten verringern, ganz zu schweigen von Antibiotikaresistenzen.

Foto: © Adobe Stock/agnormark

Autor: ham
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Grippe
 

Weitere Nachrichten zum Thema Influenza

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
 
 
. Kliniken
. Interviews
Hitzewellen sind eine reale Gefahr für die Gesundheit und lassen die Mortalitätsrate ansteigen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem wissenschaftlichen Leiter des Zentrums für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Freiburg, Prof. Dr. Andreas Matzarakis, über Hitzewarnsysteme und die Auswirkungen von Hitzewellen auf unsere Gesundheit gesprochen.
Das Essen in deutschen Krankenhäusern hat keinen besonders guten Ruf. Dabei lässt sich mit wenig Mehraufwand viel erreichen. Der Internist und Ernährungsmediziner Prof. Dr. Christian Löser erklärt die medizinischen und ökomischen Effekte einer gesunden Ernährung im Krankenhaus.
Pflegekräfte sind in der Coronakrise wichtiger denn je und gleichzeitig besonders gefährdet. Das persönliche Engagement ist und bleibt dennoch hoch. Über Wertschätzung, Sicherheitsrisiken und die Gefahr der Selbstausbeutung in Pflegeberufen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Pflegeexperten Thomas Meißner gesprochen.