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Neue Regeln für Zugang zum Medizinstudium gefordert

Die Zulassung zum Medizinstudium muss reformiert werden. Das fordern die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) und die Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV). Sie führen damit eine Debatte fort, die bereits in der vergangenen Legislaturperiode begann.
Chirurgie-Kongress fordert Reform der Zulassung zum Medizinstudium

Frauen im Vorteil? Der Zugang zum Medizinstudium hängt allein am Numerus Clausus

Konkret fordern die Fachgesellschaften, dass auch Interessenten ohne Spitzen-Abitur bei der Zulassung berücksichtigt werden, wenn sie Praxiserfahrung mitbringen. DGAV-Präsident Professor Matthias Anthuber plädiert im Rahmen des aktuellen Chirurgenkongresses in Berlin dafür, einen Teil der Studienplätze unabhängig vom Numerus clausus zu vergeben. So könnten beispielsweise Interessierte, die ein halbjähriges Pflegepraktikum absolviert haben, zu einem Eignungsgespräch eingeladen werden. „Wenn sich jemand in der Praxis bewährt, verdient er eine Chance – unabhängig vom Notendurchschnitt“, so Anthuber.

Medizinstudium hängt komplett an der Abiturnote

Die derzeitigen Regeln der Studienplatzvergabe sehen vor, dass knapp zwanzig Prozent der Plätze an die Abiturbesten vergeben werden, weitere knapp zwanzig Prozent nach Wartezeit und fast 60 Prozent in Auswahlverfahren der Hochschulen. Bei diesen individuellen Auswahlverfahren wird eine Vorauswahl anhand des Abiturdurchschnitts getroffen, bei den Wartezeiten nach Notenschnitt sortiert.

Der DGAV-Präsident kritisiert daher, dass das gesamte Vergabeverfahren notenabhängig erfolgt. Dadurch gingen der Medizin viele Talente verloren. „Das Auswahlverfahren berücksichtigt beispielsweise handwerklich-manuelle Begabungen nicht, auf die es in der Chirurgie auch ankommt“, so Anthuber. Für den Umgang mit Patienten sieht er auch Bedarf an kommunikativen und sozialen Fähigkeiten. Insgesamt müsse die Medizin auf einen breiten Mix an sozialen und kognitiven Kompetenzen zurückgreifen können, so Anthuber.

Das derzeitige System würde darüber hinaus zu einer ungleichen Geschlechterverteilung in der Medizin führen, kritisiert Anthuber weiter. Er verweist darauf, dass Mädchen generell weitaus bessere Abiturnoten erzielen würden als Jungen. Aktuell sind nach seinen Angaben 70 Prozent der Studienabgänger in der Medizin Frauen. Nachdem jahrzehntelang Männer die Medizin dominierten, drohe jetzt eine Umkehr der Verhältnisse.

Zugang zum Medizinstudium: Neue Zulassungsregeln – ein Werkzeug gegen Ärztemangel?

Durch die beherrschende Rolle des Numerus clausus bei der Vergabe der Medizinstudienplätze hänge die ärztliche Berufswahl in Deutschland stark von intellektuellen Fähigkeiten ab. „Die Medizin braucht aber nicht nur brillante Denker und Forscher, sondern auch handwerkliche Talente und Menschen mit ausgeprägten sozialen und kommunikativen Kompetenzen“, meint auch DGHC-Präsident Professor Joachim Jähne.

Die Debatte um eine Neuregelung des Zugangs zum Medizinstudium hat bereits vor zwei Jahren begonnen. Auch der damalige Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr äußerte sich positiv zu einer Reform des Zulassungsverfahren. Bald kam es jedoch zum Streit zwischen Unikliniken und Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV). Bei dieser Auseinandersetzung verwiesen die Unikliniken darauf, dass nicht nur in der Versorgung sondern auch in der Forschung der Nachwuchs knapp werde.

Foto: Peter Atkins - Fotolia.com

Autor: Angela Mißlbeck

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