Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
05.03.2012

Neue Regeln für Organspende

In Deutschland gibt es nach wie vor zu wenig Organspender. Jedes Jahr sterben hierzulande 1000 Menschen, weil sie nicht rechtzeitig ein Spenderorgan erhalten. Eine neue Regelung soll dies nun ändern.
Neue Regeln für Organspende

Thorben Wengert / pixelio

Alle Fraktionen haben sich am 1. März 2012 auf die Reform des Organspende-Gesetzes geeinigt. Demnach sollen die Bundesbürger künftig regelmässig gefragt werden, ob sie zur Organspende bereit sind oder nicht. Jeder Deutsche, der über 16 Jahre alt ist, erhält dazu von seiner Krankenkasse einen Brief, in dem er über die Organspende informiert und zur Abgabe einer Erklärung aufgefordert wird. Diese sogenannte "Entscheidungslösung" wird die bisher in Deutschland geltende "erweiterte Zustimmungsregelung" ablösen, nach der einem Verstorbenen nur dann Organe entnommen werden dürfen, wenn er zu Lebzeiten einer Entnahme zugestimmt und dies zum Beispiel auf einem Organspendeausweis dokumentiert hat. Fehlt eine Erklärung des Verstorbenen, müssen die Angehörigen entscheiden.

Organspende: Zustimmung erleichtern

Rund 12.000 Menschen warten in Deutschland auf eine Organspende. Obwohl laut Umfragen 74 Prozent der Deutschen zu einer Organentnahme nach ihrem Tod bereit sind, haben bisher nur 25 Prozent einen entsprechenden Spenderausweis. Die Parteien erhoffen sich von der neuen Regelung, dass sie den Bürgern die Zustimmung zur Organspende erleichtert.

Niemand soll aber zu einer Entscheidung für oder gegen eine Spende gezwungen werden. Auf die Frage, ob man mit einer Organentnahme einverstanden ist, kann man mit "Ja", "Nein" oder "Ich weiss nicht" antworten oder den Brief der Krankenkasse auch einfach ganz ignorieren. Genau dies wird aber von vielen Betroffenen und Verbänden und auch von einigen Politikern kritisiert. Ihnen geht die neue Regelung nicht weit genug. Sie hatten daher für die sogenannte "Widerspruchslösung" plädiert, nach der jeder automatisch als Organspender betrachtet wird, der nicht zu Lebzeiten ausdrücklich widersprochen hat. Diese Regelung gilt seit vielen Jahren in verschiedenen europäischen Ländern, zu denen auch Spanien und Österreich gehören, wo seither ein Mangel an Organspenden kein Thema mehr ist. Gegen die Widerspruchslösung hatte sich in Deutschland vor allem die FDP ausgesprochen. Sie argumentierte, dass der Zwang zur Entscheidung die Bürger eher abschrecken und zu einer Ablehnung der Organspende führen könne.

Die Entscheidung für oder gegen eine Organentnahme soll zunächst wie bisher auf dem Organspendeausweis dokumentiert werden, der künftig ebenfalls von den Krankenkassen verschickt wird. Später soll die Information auf der elektronischen Gesundheitskarte gespeichert werden. Hierzu müssen aber noch Detailfragen geklärt werden.

Weitere Informationen zum Thema:

Transplantationsmediziner: Qualität der Spenderorgane hat sich verschlechtert

 
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Organspende , Organspendegesetz , Gesundheitspolitik
 

Weitere Nachrichten zum Thema Organspende

22.10.2019

Jedes Jahr sterben in Deutschland Tausende Menschen, nachdem sie vergeblich auf ein Spenderorgan gewartet haben. Experten monieren, dass Deutschland bei den Spenderzahlen im Vergleich mit den anderen Ländern des Eurotransplant-Verbundes das Schlusslicht bildet.

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten


Das Getreide-Eiweiß Gluten verursacht bei Personen mit entsprechender Veranlagung chronische Magen-Darm-Probleme. Ein Medikament gegen die als „Zöliakie" bezeichnete Krankheit gibt es bisher nicht. Einzige Therapie: der völlige Verzicht auf glutenhaltige Lebensmittel – und zwar lebenslang. Beim Einkaufen muss man aufpassen – und immer das Kleingedruckte lesen.
 
Interviews
Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.

Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.

Logo Gesundheitsstadt Berlin