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29.09.2015

Neue Perspektiven für MS-Therapie

Schon bald könnte es eine neue Therapieoption gegen Multiple Sklerose (MS) geben: Eine neue Substanzklasse hat in einer Studie mit über 1800 Patienten erfolgreich abgeschnitten. Die Ergebnisse werden demnächst im New England Journal of Medicine veröffentlicht.
Neue Perspektiven für MS-Therapie

Für MS stehen mittlerweile verschiedene Therapien zur Verfügung

MS (Multiple Sklerose) ist bislang nicht heilbar, aber es stehen mehrere Wirkstoffe zur Verfügung, die den Verlauf günstig beeinflussen können. Bald könnten die Therapiemöglichkeiten um eine weitere Substanzklasse erweitert werden, wie Professor Heinz Wiendl, Direktor der Klinik für Allgemeine Neurologie am Universitätsklinikum Münster, auf dem diesjährigen Kongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) in Düsseldorf berichtete. Erste Ergebnisse einer Studie, die demnächst im New England Journal of Medicine publiziert werden soll, weisen auf eine starke Wirksamkeit des Medikaments bei MS hin. An der Studie hatten mehr als 1800 Patienten teilgenommen.

Neuer Wirkstoff reduziert Entzündungsreaktionen

Bei dem getesteten Antikörper Daclizumab handelt es sich um eine spezielle, biotechnologisch leicht veränderte Form eines Wirkstoffs, der bisher häufig gegen die Organabstoßung bei Nierentransplantationen zum Einsatz kam. Er greift in den Signalweg des Botenstoffes Interleukin-2 (IL-2) ein und verhindert dort die Signalleitung durch das entzündungsfördernde Zytokin, das ein wesentlicher Bestandteil der Immunreaktion ist, die zu der für MS charakteristischen Zerstörung der Myelinscheiden im Nervensystem führt.

„Daclizumab HYP“ soll einmal monatlich unter die Haut gespritzt werden. Beim Vergleich mit Interferon-ß-1a zeigte sich, dass die Schubrate fast halbiert werden konnte. Auch die Zahl neuer oder vergrößerter Läsionen war unter dem neuen Medikament signifikant geringer. Allerdings war in Bezug auf das Fortschreiten der Behinderung kein signifikanter Unterschied feststellbar. Als problematisch haben sich auch einige Nebenwirkungen erwiesen. Unter Daclizumab wurden bei 15 Prozent der Studienteilnehmer schwere Nebenwirkungen festgestellt, in der IF-ß-1a-Gruppe war dies nur bei 10 Prozent der Fall. Dazu gehörten Hautausschläge oder schwere Infektionen. Bei der Verabreichung des Medikaments müsste also eine genaue Nutzen-Risiko-Abwägung stattfinden.

 

Weitere Optionen für die MS-Therapie

Neben Daclizumab stehen noch weitere Entwicklungen in der MS-Therapie in der Pipeline. So hat auch der Antikörper Ocrelizumab in einer bislang unveröffentlichten Studie zu einer Verringerung der Schubrate sowie einer Reduzierung der Anzahl neuer Läsionen geführt, wie der Hersteller berichtet. Auch die Reparatur bereits vorhandener Schäden erscheint heute nicht mehr unmöglich. So konnte eine Studie mit dem Antikörper anti-LINGO-1 zeigen, dass die Leitungsgeschwindigkeit von Nervenreizen nach einer MS-bedingten Sehnerventzündung unter dem Medikament signifikant schneller wiederhergestellt werden konnte als unter Placebo.

Auch für die progredienten Formen der MS, die bisher als nicht therapierbar galten, scheint es neue Hoffnung zu geben. In einer Studie konnte das Ausmaß der Behinderungen bei einigen Teilnehmern unter hohen Dosierungen des wasserlöslichen Vitamins Biotin nach neun oder zwölf Monaten verringert werden. Angesichts der zahlreichen Fortschritte in den vergangenen Jahren gibt sich Professor Wiendl optimistisch: „In zehn Jahren werden wir die Multiple Sklerose bei der überwiegenden Mehrzahl der Patienten kontrollieren und deren Leistungsfähigkeit erhalten können.“

Foto: © Zerbor - Fotolia.com

Autor: red
Hauptkategorie: Medizin
 

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