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Neue Migräne-Leitlinie veröffentlicht

Migränepatienten in Deutschland müssen besser versorgt werden. Immer noch erhalten zu wenige die entsprechende Aufklärung und Therapie zur Prophylaxe sowie zur Akutbehandlung von Migräneattacken. Eine neue Leitlinie soll dies nun ändern.
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Medikamente, Sport und Entspannungsverfahren reduzieren die Häufigkeit und Stärke von Migräne-Attacken

Migräne ist die häufigste neurologische Erkrankung in Deutschland. Etwa zehn bis 25 Prozent aller Frauen und acht bis zehn Prozent der Männer hierzulande leiden an den heftigen Kopfschmerzattacken. Die Erkrankung kann das Leben enorm beeinträchtigen. Dennoch werden die Behandlungsmöglichkeiten kaum ausgeschöpft. So ergab eine Repräsentativbefragung der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) erst kürzlich, dass die Prophylaxe-Möglichkeiten gegen Migräne kaum bekannt sind. Demnach werden weniger als die Hälfte der betroffenen Patienten beim Hausarzt oder Internisten zu vorbeugenden Maßnahmen beraten; selbst beim Facharzt bekommen zu wenige Patienten (nämlich nur 57 Prozent) entsprechende Informationen. Das wollen die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) und die Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) nun ändern und haben dafür eine neue Leitlinie für die Therapie und Prophylaxe von Migräne-Attacken veröffentlicht.

Migränepatienten besser informieren und versorgen

„Migränepatienten sind in Deutschland nicht ausreichend versorgt“, erklärt Professor Hans-Christoph Diener, Kopfschmerzexperte der DGN. Gemeinsam mit PD Dr. Charly Gaul und Professor Peter Kropp, beide von der DMKG, hat er die neue Leitlinie zur Therapie und Prophylaxe der Migräne koordiniert. Die neue Leitlinie soll die Versorgungssituation für betroffene Kinder und Erwachsene verbessern. Sie gibt Ärzten und Patienten einen umfassenden Überblick, was nach aktuellem Stand der wissenschaftlichen Medizin akut und vorbeugend gegen die häufige Kopfschmerzerkrankung hilft. Das knapp 100 Seiten umfassende Nachschlagewerk gewichtet medikamentöse, nicht medikamentöse und interventionelle Verfahren und nimmt auch Stellung zu Therapien ohne Wirksamkeitsnachweis.

„Nur 22 Prozent der Migränepatienten, die von einer Prophylaxe profitieren könnten, erhalten auch vorbeugende Medikamente oder Maßnahmen“, erläutert PD Dr. Charly Gaul, Generalsekretär und Pressesprecher der DMKG. „Dass auch nicht medikamentöse Maßnahmen in der Migränebehandlung eingesetzt werden können, wissen viele Patienten gar nicht.“

 

Triptane wirken am besten in der Akuttherapie

Neu sei die Erkenntnis, dass bei chronischer Migräne mit oder ohne Gebrauch von Schmerz- oder Migränemitteln Topiramat und Onabotulinumtoxin A wirksam sind. Zur Migräneprophylaxe bei Kindern konnte angesichts einer sehr hohen Placeborate keine therapeutische Überlegenheit von Valproinsäure, Topiramat oder Amitriptylin gezeigt werden. Bei der Akuttherapie der Migräneattacken sind laut Leitlinie nach wie vor die Triptane am besten wirksam und besonders sicher. In der Migräneprophylaxe sind hingegen die Wirksamkeit der Betablocker Metoprolol und Propranolol, des Kalziumantagonisten Flunarizin, der Antikonvulsiva Topiramat und Valproinsäure und des trizyklischen Antidepressivums Amitriptylin am besten belegt.

Die medikamentöse Therapien sollten unbedingt auch durch nicht medikamentöse Verfahren ergänzt werden, erklären die Experten. „Regelmäßiger Ausdauersport hilft, Migräneattacken vorzubeugen. Auch Entspannungsverfahren und Stressmanagement haben sich in der Prophylaxe als wirksam erwiesen“, so Professor Peter Kropp, Direktor des Instituts für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie der Universität Rostock. „Die nicht medikamentösen Verfahren aus der Verhaltenstherapie sind so wirksam, dass sie als Alternative zur medikamentösen Prophylaxe eingesetzt werden können.“

Foto: © Antonioguillem - Fotolia.com

Autor: anvo
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
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