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Neue Malaria-Prophylaxe in Sicht

Ein neuer Wirkstoff soll Malaria wirksam vorbeugen und gut verträglich sein. Das haben die ersten Tests an Freiwilligen gezeigt.
Malaria-Prophylaxe künftig in einer Tablette? In Tübingen wird ein neuer Wirkstoff getestet

Malaria-Prophylaxe künftig in einer Tablette? In Tübingen wird ein neuer Wirkstoff getestet

Wer in ein Malaria-Gebiet reist, sollte zuvor eine Malaria-Prophylaxe machen. Manche Medikamente können allerdings schwere Nebenwirkungen verursachen; besser verträgliche, müssen täglich eingenommen werden. Wird die Tablette nur einmal vergessen, ist das Erkrankungsrisiko groß.

Wissenschaftler der Universität Tübingen erforschen derzeit eine neue Generation von vorbeugenden Malaria-Medikamenten. Im Visier ist der neue Wirkstoff DSM265. Erste klinische Tests an 21 Freiwilligen zeigen, dass der neue Wirkstoff zuverlässig vor einer Malaria-Infektion schützt. Nun müssen viele weitere klinische Untersuchungen folgen, bevor das Medikament zugelassen werden kann.

Die Dosis muss noch optimiert werden

In der doppelblinden Studie bekamen 21 Freiwillige, die niemals zuvor an Malaria erkrankt waren, entweder DSM265 in einmaliger Dosis oral verabreicht oder ein etabliertes Malariamedikament oder ein Placebo. Anschließend wurden die Probanden mit Malariaerregern infiziert. Während sich der Malariaerreger im Körper der Placebo-Gruppe ungestört vermehrte, waren die Probanden, die DSM265 einen Tag zuvor eingenommen hatten, vor der Infektion geschützt. Wurde der neue Wirkstoff dagegen sieben Tage vor Infektion eingenommen, war der Schutz nicht mehr so gut. „Dies sollte durch die Erhöhung der Dosis verbessert werden können“, meint Dr. Benjamin Mordmüller vom Institut für Tropenmedizin der Universität Tübingen sowie dem Deutschen Zentrum für Infektionsmedizin (DZIF). Dennoch seien die ersten klinischen Tests sehr vielversprechend verlaufen, so dass die Entwicklung von DSM265 als Mittel zur Malariaprophylaxe mit Langzeitwirkung weiter vorangetrieben werden könne.

DSM265 hemmt ein Enzym in der Stoffwechselkette, die zur Synthese von Pyrimidin führt, einem wichtigen Baustein der DNA des Malariaerregers. Auf die Pyrimidin-Neusynthese ist der Erreger jedoch angewiesen. Der neue Enzymhemmer bremst diese aus, so dass die Infektion gestoppt werden kann.

 

Neue Generation von Malaria-Medikamenten

DSM265 ist der am weitesten entwickelte Wirkstoff einer neuen Generation von Malariamedikamenten. Die Studie “DSM265 for Plasmodium falciparum chemoprophylaxis: a randomised, double blinded, phase 1 trial with controlled human malaria infection” wurde soeben in der Fachzeitschrift „The Lancet Infectious Diseases“ veröffentlicht.

Der Malariaerreger wird durch Anopheles-Mücken übertragen. Von den weltweit mehr als 100 Millionen Menschen aus nicht-tropischen Regionen, die jedes Jahr in Malariagebiet reisen, infiziert sich jeder Dritte mit Malaria. 

Autor: ham
Hauptkategorien: Medizin , Prävention und Reha
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