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Neue Leitlinie „Schmerz-Assessment“ unterstützt Altenpflege

Rund jeder sechste Altenheimbewohner leidet an Schmerzen. Die neue Leitlinie S3-Leitlinie „Schmerz-Assessment bei älteren Menschen in der vollstationären Altenhilfe“ erleichtert nun die oft schwierig zu stellende Diagnose.
Schmerzen, Altenpflege

Schmerzen lassen sich nicht so leicht messen wie der Blutdruck – ein Problem vor allem in der Altenpflege

Haben Sie Schmerzen? Viele ältere Menschen schütteln dann den Kopf oder können keine Antwort geben, weil sie die Frage nicht erfassen oder sich nicht mehr richtig äußern können. Eine gezielte Schmerztherapie gestaltet sich somit schwierig. Dabei schätzt die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG), dass etwa jeder sechste Altenheimbewohner an Schmerzen leidet.

Um das Schmerzmanagement speziell in diesen Einrichtungen zu verbessern, hat die DDG gemeinsam mit etlichen anderen Fachgesellschaften die neue S3-Leitlinie „Schmerz-Assessment bei älteren Menschen in der vollstationären Altenhilfe“ entwickelt. Das Papier enthält eine Checkliste mit 50 Punkten, die den Pflegekräften helfen, Schmerzen schneller zu erkennen und zu behandeln.

Hinweise auf Schmerzen werden erfasst

So eine wissenschaftlich fundierte Empfehlung für Mitarbeiter in Altenheimen habe es bislang im deutschsprachigen Raum nicht gegeben, sagt PD Dr. Matthias Schuler, Mitglied des gemeinsamen Arbeitskreises „Schmerz und Alter“ der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie und der Deutschen Schmerzgesellschaft. „Pflegekräfte können damit wichtige Hinweise auf Schmerzen bei Heimbewohnern erfassen“, erklärt Schuler. In der Leitlinie finden sich Empfehlungen für ein einfaches Screening auf Schmerzen, für ein differenziertes Assessment sowie für die Verlaufskontrolle.

 

Bei Demenz hilft eine Fremdbeobachtungsskala

Kognitive Defizite wie Demenz werden außerdem berücksichtigt: „Häufig ist es gar nicht so einfach, etwas über den Schmerz eines Bewohners zu erfahren, zum Beispiel wenn er kognitive Einschränkungen hat und Fragen nicht mehr verlässlich beantworten kann“, sagt Geriater und Palliativmediziner Schuler.  „Deshalb haben wir unter anderem die vorhandenen Instrumente zur Schmerzerfassung auch in Abhängigkeit der kognitiven Fähigkeiten bewertet.“

Ist jemand nicht mehr in der Lage, Auskunft über seine Schmerzen zu geben, empfiehlt die Leitlinie eine Fremdbeobachtungsskala. Laut Schuler ist dafür das sogenannte BESD-Instrument gut geeignet und einfach zu handhaben. BESD wird auch schon vielfach in der Praxis eingesetzt.

Anders als in Pflegeheimen ist in der Altenhilfe eine Schmerzerfassung nicht vorgeschrieben. So fallen wichtige Hinweise oftmals unter den Tisch. Die Leitlinie macht auch dazu Vorschläge, wie wichtigte Beabachtungen von Altenpflegern an Kollegen weitergegeben werden könne. Nur so lassen sich Schmerzen bei älteren Menschen rechtzeitig erkennen und lindern. 

Die Leitlinie basiert in erster Linie auf Meinungen der beteiligten Experten. Um wirklich evidenzbasierte Empfehlungen zu geben, fehlt es nach Auskunft der Leitlinienautoren an geeigneten Studien.

Foto: AOK Mediendienst

Autor: ham
Hauptkategorien: Demografischer Wandel , Pflege
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