Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
26.10.2017

Neue Leitlinie nimmt Krebs und Kinderwunsch in den Blick

Krebstherapien schränken die Fruchtbarkeit ein. Das ist besonders bitter für Frauen mit Kinderwunsch. Jetzt wollen Fachgesellschaften eine Leitlinie erarbeiten, die sich mit der „Fertilitätserhaltung bei onkologischen Therapien“ befasst.
Eine Chemotherapie kann zu Unfruchtbarkeit führen. Jede Krebspatientin sollte das wissen

Eine Chemotherapie kann zu Unfruchtbarkeit führen. Jede Krebspatientin sollte das wissen

Ungefähr ein Drittel aller Brustkrebspatientinnen sind noch im gebärfähigen Alter. Viele davon haben einen Kinderwunsch. Doch nach einer Brustkrebsbehandlung ist die Fruchtbarkeit eingeschränkt. So schädigen Chemotherapien eben nicht nur die Krebszellen, sondern auch die Keimzellen und Eierstöcke. Eine Antihormontherapie macht ebenfalls eine Schwangerschaft unmöglich. Da Frauen mit hormonabhängigen Tumoren, die Medikamente bis zu zehn Jahre einnehmen müssen, kann es vor allem für 30- bis 40-jährige Frauen mit Kinderwunsch schon zu spät sein.

Wie kann die Fruchtbarkeit erhalten werden?

Medizinische Fachgesellschaften haben das Problem nun aufgegriffen und erarbeiten derzeit eine Leitlinie „Fertilitätserhaltung bei onkologischen Therapien.“ Voraussichtlich bis März 2018 sollen die Handlungsempfehlungen erscheinen. Beratung und fruchtbarkeitserhaltende Maßnahmen, wie das Einfrieren von Eizellen vor Therapiebeginn, spielen darin eine Rolle. Neben den Lebensumständen soll dabei auch das individuelle Risikoprofil berücksichtigt werden. Weiter soll das Thema  verständliche, neutrale und umfassende Informationen für Patientinnen, Angehörige und Ärzte mit in die Leitlinie aufgenommen werden. 

„Diese Leitlinie ist längst überfällig“, sagt Dr. Susanne Weg-Remers, Leiterin des Krebsinformationsdienstes (KID). Viele Krebspatientinnen seien sich der Problematik gar nicht bewusst. „Verständlicherweise stehen angesichts der akuten Erkrankung auch zunächst andere Fragen und Ängste im Vordergrund. Umso wichtiger ist die Beratung durch die behandelnden Ärzte vor Beginn der Chemotherapie“, sagt sie.

 

Rauchen schädigt Eierstöcke

Der Krebsinformationsdienst am Deutschen Krebsforschungszentrum weist auf einen weiteren Umstand hin: Rauchen schädigt zusätzlich die Eierstöcke. Mittlerweile liegen sogar Studiendaten dazu vor. In einer kürzlich erschienenen Studie der Universität Kiel zeigte sich, dass Raucherinnen im Vergleich zu Nichtraucherinnen nach Therapieabschluss deutlich seltener ihre Regel wieder bekommen. Im ersten Halbjahr nach Beginn der Chemotherapie setzte die Menstruation bei fast allen Patientinnen zwar aus. Aber jede zweite Nichtraucherin hatte ihre Monatsblutung nach zwei Jahren wieder. Dagegen blieb sie bei 92 Prozent der Raucherinnen auch nach zwei Jahren noch aus.

„Die Ergebnisse lassen darauf schließen, dass Rauchen bei Brustkrebs-Patientinnen zu einer beschleunigten Eierstockalterung und einer vorzeitigen Menopause führt“, erläutert Dr. Ute Mons, Leiterin der Stabsstelle Krebsprävention am Deutschen Krebsforschungszentrum. Ein Rauchstopp sei daher empfehlenswert.

Fazit der beiden Expertinnen: Beratung und ein sofortiger Rauchstopp können helfen, das Risiko der Unfruchtbarkeit nach Chemotherapie zu reduzieren.

Foto: pixabay Freie kommerzielle Nutzung

Autor: ham
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Fruchtbarkeit , Chemotherapie , Krebs , Brustkrebs
 

Weitere Nachrichten zum Thema Unfruchtbarkeit

Eine Krebs-Therapie kann unfruchtbar machen, ein Problem für junge Patientinnen, die später noch schwanger werden wollen. In Deutschland werden aus dem Grund Eizellen entnommen, eingefroren und wieder eingesetzt. Dänischen Forschern zufolge hat sich auch die Transplantation von Eierstockgewebe bewährt.

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Der Anteil der jungen Frauen, die mit der Anti-Baby-Pille verhüten, geht immer weiter zurück. Das zeigt eine aktuelle Auswertung der Techniker Krankenkasse (TK). Demnach bekam im vergangenen Jahr nur noch ein Drittel der 14- bis 19-Jährigen das hormonelle Verhütungsmittel verschrieben.

Eine Kohlenmonoxid-Vergiftung kann rasch zum Tod führen. Die Vergiftung kann aber auch schleichend verlaufen. Betroffene haben anfangs grippeähnliche Symptome, im Verlauf kann es schweren gesundheitlichen Schäden wie Herzinfarkten, Lähmungen bis hin zu Psychosen kommen. Mit dem Beginn der Kaminsaison warnen Experten nun vor den Gefahren.

 
Interviews
Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.

Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.

Logo Gesundheitsstadt Berlin