. Chronisch-entzündliche Darmerkrankung

Neue Leitlinie Colitis ulcerosa: Patienten haben erhöhtes Infektionsrisiko

Die Behandlungs-Leitlinie für die chronisch entzündliche Darmerkrankung Colitis ulcerosa wurde auf den neuesten Stand gebracht. Sie weist unter anderen auf das erhöhte Infektionsrisiko der Patienten hin. Das ist eine Folge der nötigen Medikamente.
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En Symptom der Colitis ulcerosa sind krampfartige Bauchschmerzen.

Experten haben die die Leitlinie für die Behandlung der Colitis ulcerosa auf den aktuellen Stand der Wissenschaft gebracht. Danach wurde die Rolle der Ernährung viele Jahre überschätzt. Abgesehen vom Stillen gibt es keine wissenschaftlich belegte Ernährungsform, die das Risiko für die Entstehung der chronisch entzündlichen Darmerkrankung reduziert. Dafür sollte auf das erhöhte Infektionsrisiko der Patienten geachtet werden.

In Deutschland sind rund 150.000 Menschen an Colitis ulcerosa erkrankt. Die Symptome: krampfartige Bauchschmerzen, Blut im Stuhl und immer wieder Durchfälle. Sie beginnt meist im jungen Erwachsenenalter, nicht selten auch schon bei Jugendlichen und Kindern, verläuft in Schüben und begleitet die Betroffenen in der Regel ein Leben lang.

Auslöser anscheinend veränderte Umwelt- und Hygiene-Bedingungen

Ein wichtiger Auslöser der Erkrankung und eine Erklärung für die Zunahme scheint in veränderten Umwelt- und Hygienebedingungen der modernen Zivilisation zu liegen. Sie tritt eher in Industrieländern als in Entwicklungsländern und eher bei Städtern als in der Landbevölkerung auf.

"Die Zunahme der Fallzahlen in den letzten Jahrzehnten führte zur Theorie, dass der Auslöser für die Erkrankung auch in den modernen Ernährungsgewohnheiten zu finden sein könnte", sagt Prof. Axel Dignaß von der Medizinischen Klinik des Agaplesion Markus Krankenhauses in Frankfurt. Studien hätten diesen Zusammenhang bisher allerdings nicht bestätigt.

 

Nur Stillen beugt vor

Einzige Ausnahme sei das Stillen: Kinder, die mindestens sechs Monate lang gestillt wurden, haben ein um fast ein Viertel reduziertes Risiko, später an Colitis ulcerosa zu erkranken, als nicht oder nur kurz gestillte Kinder, erläutert Dignaß in einer Pressemitteilung. Der Mediziner ist einer der Koordinatoren der unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) erstellten neue Behandlungs-Leitlinie.

Während die Ernährung als Auslöser nicht in Frage kommt, kommt ihr bei bereits bestehender Colitis ulcerosa eine große Bedeutung zu. "Wegen der wiederkehrenden Durchfälle und der Schädigung der Darmschleimhaut haben die Patienten ein hohes Risiko für eine Mangelernährung", sagt Prof. Torsten Kucharzik von der Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Gastroenterologie des Klinikums Lüneburg, der die Aktualisierung der Leitlinie ebenfalls als Koordinator betreut hat.

Kinder mit Colitis ulcerosa oft mangelernährt

Oft schwächten die Komplikationen, die durch den Nährstoffmangel hervorgerufen würden, die Patienten mehr, als die Darmentzündung selbst. Besonders Kinder weisen in bis zu 85 Prozent der Fälle Zeichen einer Mangelernährung auf. Neben starken Proteinverlusten wirken sich auch eine zu geringe Versorgung mit Mikronährstoffen wie Eisen, Vitamin D, Folsäure oder Zink negativ auf Wachstum und Entwicklung aus. Die Versorgung mit Nährstoffen sollte daher regelmäßig überprüft und fehlende Nährstoffe als Tablette oder Infusion zugeführt werden, empfiehlt die Leitlinie.

Neue Leitlinie Colitis ulcerosa: Patienten haben erhöhtes Infektionsrisiko

Die Ursachen für die Entstehung einer Colitis ulcerosa sind nach wie vor nicht vollständig geklärt, zentral scheint jedoch eine Fehlsteuerung des Immunsystems zu sein. Die Patienten werden daher meist mit immunsuppressiven Medikamenten behandelt. Damit steigt jedoch die Gefahr von bakteriellen oder viralen Infektionen deutlich an, heißt es in der neuen Leitlinie.

"Besonders die Kombination mehrerer Medikamente stellt ein Problem dar", erläutert Kucharzik. In Studien hatten Patienten, die mehrere solcher Medikamente einnehmen mussten, ein um das 14,5-Fache erhöhtes Infektionsrisiko. Die Mediziner raten daher dazu, noch vor Beginn der Therapie den Impfstatus der Patienten zu überprüfen und fehlende Impfungen nachzuholen. Auch die jährliche Grippeimpfung sei für immunsupprimierte Patienten dringend zu empfehlen.

Foto: leszekglasner/fotolia.com

Autor: bab
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