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Neue Leitlinie: ADHS-Kinder sollen noch früher Medikamente erhalten

Mittwoch, 4. Juli 2018 – Autor:

Vier weitere Wirkstoffe neben Methylphenidat

Neben Methylphenidat (Ritalin) stehen vier weitere Wirkstoffe für die Behandlung zur Verfügung: Dexamfetamin (Attentin, Medice), Lisdexamfetamin (Elvanse, Shire) unterliegen wie Methylphenidat der Betäubungsmittelverschreibungsverordnung. Atomexetin (Strattera, Lilly) und Guanfacin (Intuniv, Shire) sind weitere Optionen.

Auf den Wirkstoff Methylphenidat entfielen im Jahr 2016 die meisten verordneten Tagesdosen (DDD) mit 51 Millionen DDD. Dahinter liegen Lisdexamfetamin (8,3 Millionen DDD) und Atomoxetin (2,1 Millionen DDD). Guanfacin und Dexamfetamin spielen mit etwa 430.000 und 310.000 nur eine untergeordnete Rolle.

Keine Behandlung ohne Psychotherapie

Auch Erwachsene können unter ADHS leiden. Bei ihnen wird bereits bei leichten Formen der Störung eine medikamentöse Therapie empfohlen. Viele behandelnde Ärzte und Therapeuten halten eine generelle Ablehnung einer medikamentösen Behandlung denn auch für falsch. "Ich würde es quasi als Kunstfehler ansehen, ADHS-Patienten Medikamente vorzuenthalten", sagt etwa Ralph Schliewenz, Diplom-Psychologe aus Soest und Mitglied im Vorstand der Sektion Klinische Psychologie im Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen.

Allerdings: "Keine Medikation ohne begleitende Psychotherapie", betont Schliewenz. "Medikamente wirken immer nur so lange, wie man sie nimmt. Sie allein können die mit ADHS einhergehenden Probleme nicht beseitigen. Eine Verhaltenstherapie hilft dabei." Auch an der Psychiatrischen Klinik des Universitätsklinikums Tübingen werden ADHS-Patienten in einem umfassenden Behandlungsplan therapiert. "Eine reine Medikamententherapie gibt es bei uns nicht", sagt Dr. Tobias Renner, Ärztlicher Direktor der Abteilung Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie.

Diagnose nur vom speziell ausgebildeten Arzt

Eine Verhaltenstherapie wird weiterhin begleitend bei allen Schweregraden der ADHS empfohlen, sagt Banaschewski. Auch die Psychoedukation, die Betroffenen und Eltern Strategien für den Umgang mit ADHS vermitteln soll, soll nach wie vor Bestandteil des Behandlungsplans sein.

Einstimmig betonen die Experten die Notwendigkeit von ausgesprochener Sorgfalt schon bei der Diagnose der ADHS. "Die Diagnose sollte etwa ein Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie stellen oder ein speziell dafür ausgebildeter Kinderarzt", sagt Renner.

Foto: s.kobold/fotolia.com

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