Neue Immuntherapie drängt Metastasen von aggressivem Hautkrebs zurück

Das Merkelzellkarzinom ist eine besonders aggressive Form von Hautkrebs. Eine neue Immuntherapie verspricht nun bei Metastasen beeindruckende Behandlungserfolge.
Metastasiertes Merkelzellkarzinom, Immuntherapie

Metastasiertes Merkelzellkarzinom: Immuntherapie mit Avelumab löst die Bremsen des Immunsystems

Das Merkelzellkarzinom ist seltener als schwarzer Hautkrebs, aber mindestens genauso aggressiv. Bei der Hälfte der Betroffenen kommt es trotz OP und Strahlentherapie zu einem Rezidiv, und bei einem Drittel entwickeln sich Metastasen. Dann haben die Patienten kaum noch eine Chance auf Heilung, jedenfalls bislang.

Hoffnung in der Therapie des Merkelzellkarzinoms macht nun der neue Antikörper Avelumab. Das Medikament aus dem Bereich der Immuntherapie wurde vor genau einem Jahr in Deutschland für die Therapie des metastasierten Merkelzellkarzinoms zugelassen und hat bereits zu verblüffenden Behandlungserfolgen geführt. Das Universitätsklinikum Münster berichtet von einem 79-jährigen Patienten, der im November mit dem PD-L1-Antikörper behandelt worden war und seither tumorfrei ist.

Tumorfrei durch Immuntherapie

„Die Wirkung der Immuntherapie ist beeindruckend“, sagt der behandelnde Arzt Dr. Carsten Weishaupt, Leiter des UKM-Hauttumorzentrums. Bereits nach den ersten drei Infusionen habe sich der Tumor am Hals deutlich zurückgebildet. „Inzwischen sind bei den regelmäßigen Kontrollen in den MRT-Bildern keine Metastasen mehr sichtbar“, so der Dermatologe.

 

Kaum Nebenwirkungen

Der Patient selbst sagt, es gehe ihm gut. „Ich habe auch kaum Nebenwirkungen“, wird der Rentner in einer Mitteilung des Klinikums zitiert. Lediglich etwas Müdigkeit mache ihm ab und zu schaffen.

Avelumab ist ein so genannter Checkpoint-Inhibitor. Mechanismen, mit denen die Krebszellen sich vor dem Immunsystem verstecken, werden durch den Antikörper blockiert. Zudem aktiviert der Wirkstoff spezifische Immunzellen und ermöglicht somit eine gezielte Attacke des körpereigenen Abwehrsystems auf das bösartige Gewebe.

Heilung vielleicht nicht, aber deutlich bessere Prognose

„Endlich erweitern sich die Behandlungsmöglichkeiten bei Hautkrebs“, meint Dr. Weishaupt zu den neuen Immuntherapien. „Auch wenn wir nicht immer von Heilung sprechen können, führen die neuen Substanzen doch zu deutlich verbesserten Therapieerfolgen bei oft guter Lebensqualität.“

Mit deutschlandweit weniger als 400 Neuerkrankungen pro Jahr zählt das Merkelzellkarzinom zu den seltenen Erkrankungen. Der auffällige violett-blaue und kugelförmige Tumor wächst rasch und verursacht keine Schmerzen. Gefährlich ist er, weil er schnell Metastasen streut.

Foto: © bmf-foto.de - Fotolia.com

Autor: ham
Hauptkategorien: Medizin , Gesundheitspolitik
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Krebs , Hautkrebs , Immuntherapie
 

Weitere Nachrichten zum Thema Hautkrebs

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
Kinder bekommen normalerweise keinen Hautkrebs – es sei denn sie leiden an der seltenen Erbkrankheit Xeroderma Pigmentosum (XP). Gesundheitsstadt Berlin sprach mit dem XP-Spezialisten Prof. Steffen Emmert über die Fortschritte in der Diagnostik und die Suche nach einer wirksamen Therapie.
 
. Weitere Nachrichten
Die Diskussion um die Auswirkungen von Luftschadstoffen auf die Gesundheit geht weiter. Ein internationales Forscherteam hat nun den aktuellen Forschungsstand in einer Expertise dargestellt. Die Wissenschaftler warnen ausdrücklich vor den Folgen durch Feinstaub, Stickstoffdioxid und Co.
Besonders Arznei-Wirkstoffe aus Antibiotika, Verhütungspillen oder bestimmten Schmerzmitteln können die Umwelt schädigen – mit Rückwirkung auf den Menschen. Dabei haben es die Verbraucher selbst in der Hand, alte Medikamente verantwortungsbewusst zu entsorgen.
. Top-Termine
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Kliniken
. Interviews
Die akute Aortendissektion ist immer ein Notfall. Einer Studie zufolge könnte vielen Menschen das Leben gerettet werden, wenn sie rechtzeitig und adäquat behandelt werden würden. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Dr. Stephan Kurz vom Deutschen Herzzentrum Berlin (DHZB) über die Versorgungssituation und das erfolgreiche Projekt „Aortentelefon“ gesprochen.