. Nebenwirkungen

Neue Erkenntnisse zu Übelkeit nach Narkose

Manche Patienten wachen nach einer Narkose mit heftiger Übelkeit auf. Das könnte daran liegen, dass sie möglicherweise Träger einer bestimmten Genvariante sind. Der neue Auslöser wurde jetzt von Wissenschaftlern der Universität Essen/Duisburg identifiziert.
Übelkeit, Narkose

Übelkeit und Erbrechen gehören zu den häufigsten postoperativen Nebenwirkungen.

Viele Patienten kennen das Phänomen: Nach einer Operation ist ihnen speiübel, nicht selten so stark, dass sie erbrechen müssen. Nicht die Operation selbst, sondern die Narkose ist daran schuld, wie man schon seit langem weiß. Bislang wurden Risikofaktoren wie die bisherige Narkoseverträglichkeit, das Geschlecht, der Raucher-Status und die Neigung zu Reiseübelkeit mit dem sogenannten Apfel-Score erhoben. Dieser allein kann aber nicht bei allen Patienten die postoperative Übelkeit erklären: Denn nun haben Wissenschaftlern der Universität Essen/Duisburg ein genetisches Merkmal entdeckt, das bei Betroffenen auffällig häufig vorkommt: Es handelt sich um eine Genvariante im Acetylcholin-Rezeptor M3, wie die Forscher jetzt im "British Journal of Anaesthesia" berichten.

Genetische Prädisposition begünstigt Übelkeit und Erbrechen

Eine Untersuchung an 454 Patienten brachte das Team um Dr. Stefanie Klenke auf die Spur, dass diese eine Genvariante mitverantwortlich für die postoperative Übelkeit sein kann: „Beim Auftreten von Übelkeit fanden wir weitaus häufiger eine Genvariante im Acetylcholin-Rezeptor M3“, erläutert die Anästhesiologin. Das lasse vermuten, dass der Auslöser wohl weniger im Magen als im Gehirn liege.

Der Gen-Faktor ist den Studienautoren zufolge völlig unabhängig vom Apfel-Score. „Daher kann es sein, dass Patienten, die mit dieser Methode nicht auffallen, nach einer OP speiübel ist“, so Klenke.

 

Prophylaxe für alle?

Um das zu verhindern, fordern die Wissenschaftler, auch Patienten, die nach dem Apfel-Score nur ein vermeintlich niedriges Risiko für postoperative Übelkeit haben, generell mit vorbeugenden Maßnahmen zu schützen. „Besser auf Nummer sicher gehen.“ Alternativ könnte auch ein Gentest vor einer Narkose durchgeführt werden. Solche genetischen Screenings werden derzeit jedoch nicht durchgeführt.

Foto: © Kzenon - Fotolia.com

Autor: ham
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Narkose
 

Weitere Nachrichten zum Thema Narkose

| Wenn Kinder operiert werden sollen, haben viele Eltern mehr Angst vor der OP und der damit verbundenen Narkose als die kleinen Patienten selbst. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte rät Eltern, sich gut vorzubereiten und den Ärzten einige wichtige Fragen zu stellen.
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Kliniken
. Interviews
Die akute Aortendissektion ist immer ein Notfall. Einer Studie zufolge könnte vielen Menschen das Leben gerettet werden, wenn sie rechtzeitig und adäquat behandelt werden würden. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Dr. Stephan Kurz vom Deutschen Herzzentrum Berlin (DHZB) über die Versorgungssituation und das erfolgreiche Projekt „Aortentelefon“ gesprochen.
Dr. Iris Hauth, Chefärztin des Alexianer St. Joseph-Krankenhauses für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Berlin-Weißensee, berichtet in Ihrem Buch "Keine Angst!" über Ursachen und Behandlung von Depressionen - und wie man sich davor schützen kann.
Prof. Dr. Andreas Michalsen, Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin und Professor für Klinische Naturheilkunde an der Charité, über die Grenzen der Schulmedizin, den Wildwuchs in der Naturheilkunde und warum sich beide Disziplinen gerade näherkommen.