Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
23.11.2019

Neue Erkenntnisse zu Nierenfunktion und Blutdruckwerten im Alter

Wie lässt sich die Nierenfunktion bei älteren Menschen besser einzuschätzen und wie hoch sollte der Blutdruck im Alter sein? Wichtige Erkenntnisse liefert die Berliner Initiative Studie (BIS) mit mehr als 2.000 Probanden aus Berlin und Brandenburg.
Im Alter gelten andere Maßstäbe für Nierenfunktion und Blutdruckwerte

Im Alter gelten andere Maßstäbe für Nierenfunktion und Blutdruckwerte

In der Berliner Initiative Studie (BIS) der Charité werden ältere Menschen seit zehn Jahren sprichwörtlich auf Herz und Nieren geprüft. Das Resultat sind unter anderem zwei Formeln, mit denen Ärzte besser die Nierenfunktion bei älteren Menschen abschätzen können. Das ist zum Beispiel für die Gabe und Dosierung von Medikamenten wichtig. Denn wenn die Nieren einen Wirkstoff nicht mehr schnell genug ausscheiden können, droht eine Überdosierung, was schwerwiegende Folgen haben kann.

Nierenfunktion bei Älteren bislang überschätzt

Bislang gab es zwar schon Formeln zur Abschätzung der Nierenfunktion. Die waren allerdings anhand der Daten jüngerer Menschen entwickelt worden. Im Alter nimmt die Nierenleistung jedoch ab. In der Berliner Initiative Studie konnte das Team um Prof. Dr. Elke Schäffner zeigen, dass die Nierenleistung, die sogenannte glomeruläre Filtrationsrate, damit überschätzt wurde. „Das bedeutet, dass Ärzte aufgrund der ungenauen Schätzwerte möglicherweise eine Medikamentendosis festsetzen, die für die Patienten eigentlich zu hoch ist“, erläutert Schäffner.

 

Zwei Formeln online verfügbar

Deshalb haben die Wissenschaftler 2012 eine neue Berechnungsmethode speziell für ältere Menschen ab 70 Jahren entwickelt. Die BIS1- bzw. BIS2-Formeln können Ärzte heute kostenfrei über einen Online-Rechner nutzen. Auch eine Reihe von Laboren benutzen die beiden Formeln. Die Daten werden nun weiter analysiert, um beispielsweise herauszufinden, wie sich im Alter die Abnahme der Nierenfunktion über die Zeit verhält und wodurch sie beeinflusst wird.

In der Berliner Initiative Studie werden mehr als 2.000 Menschen ab 70 Jahren aus Berlin und Brandenburg mehrere Jahre lang in regelmäßigen Abständen eingehend untersucht. Das Durchschnittsalter liegt bei 80 Jahren.

In Sachen Nierenfunktion fanden die Forscher außerdem heraus, dass bei etwa jedem zweiten Studienteilnehmer die Nieren nur noch eingeschränkt arbeiten. Die Studie liefert aber noch viele weitere wertvolle Erkenntnisse zum Gesundheitszustand und den Lebensgewohnheiten älterer Menschen: Ein Fünftel der Studienteilnehmenden gab an, täglich Alkohol zu trinken. Die Hälfte der Befragten hatte in ihrem Leben geraucht oder rauchte noch immer. Je ein Viertel der Personen war übergewichtig, hatte Krebs und/oder Diabetes.

Zu starke Blutdrucksenkung erhöht Sterblichkeit

Besonders aufschlussreich sind die Erkenntnisse zum Blutdruck von älteren Menschen. Über die Zielwerte wird ja seit Jahren gestritten. Zunächst zeigt die Studie, dass knapp 80 Prozent der Probanden blutdrucksenkende Mittel einnehmen.

Die Forscher schauten sich diese Gruppe genauer an und stellten fest, dass eine Blutdrucksenkung unter 140/90 mmHg nicht für alle sinnvoll ist: Bei Menschen, die bereits einen Schlaganfall oder einen Herzinfarkt hatten oder älter als 80 Jahre sind, steigt das Sterberisiko sogar an.

Foto: AOK Mediendienst

Autor: ham
Hauptkategorien: Medizin , Berlin , Demografischer Wandel
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Nieren , Blutdruck
 

Weitere Nachrichten zum Thema Nieren und Blutdruck

Aktuelle Nachrichten

Mehr zum Thema
 
Weitere Nachrichten
Corona-Pandemie und Lockdowns haben bei der Generation unter 30 Spuren hinterlassen. Das zeigt eine Studie der Betriebskrankenkasse Pronova BKK. Junge Menschen, die mit Geschwistern im Elternhaus leben, sind häufiger depressiv und aggressiv. Für 72 Prozent ist das Handy in der Coronakrise zur Haupt-Freizeitbeschäftigung geworden.

Corona sorgt für ein Allzeittief bei Arbeitsunfällen. Am dramatischsten sind Unfälle in der Schule zurückgegangen. Berufsgenossenschaften und Unfallkassen haben jetzt eine Bilanz für das Pandemiejahr 2020 vorgelegt.

 
Interviews
Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.


Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.
Logo Gesundheitsstadt Berlin