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11.11.2018

Neue Erkenntnisse zu den Ursachen von MS

Die Ursachen von Multipler Sklerose (MS) sind noch nicht hinreichend verstanden. Zunehmend geraten B-Zellen in Verdacht, Schäden in der Hirnhaut auszulösen. Eine neue Arbeit der TU München liefert nun wertvolle Erkenntnisse.
MS, Ursachen

MS-Forscher Thomas Korn: B-Zellen medikamentös herunter zu regulieren, kann bei schlechten Verläufen eine effektive Art der Behandlung sein

Bei Multipler Sklerose (MS) greift der Körper sein eigenes Nervengewebe an und es kommt zu Schäden und Entzündungen. Die Folge können Seh- und Bewegungsstörungen oder Lähmungen sein. Was aber löst genau die Autoimmunerkrankung aus? Immer mehr Forschungsergebnisse weisen in Richtung B-Zellen. Diese Helfer des Immunsystems sollen eigentlich Erreger bekämpfen. Bei MS können sie jedoch offenbar Nervengewebe schädigen, weil eine wichtige Kontrollinstanz des Immunsystems versagt: die sogenannten Myeloid-derived suppressor cells (MDSCs). Das konnten jetzt Forscher von der TU München in einer Untersuchung zeigen. Die Arbeit ist im Fachmagazin  „Nature Immunology“ erschienen.

Je mehr B-Zellen in der Hirnhaut, desto größer die Zerstörung

„Wir interessierten uns in erster Linie für den kontrollierenden Einfluss der MDSCs auf die so genannten B-Zellen. Ihre Rolle bei der Entstehung von MS ist bisher noch unklar. Sie scheinen aber einen wichtigen Anteil zu haben“, erklärt Studienleiter Thomas Korn, Professor für experimentelle Neuroimmunologie an der Neurologischen Klinik der TUM.

Um den Einfluss der MDSCs auf B-Zellen zu untersuchen, entfernten die Forscher die kontrollierenden Zellen aus dem Hirnhautgewebe von Mäusen. Als Resultat sammelten sich dort vermehrt B-Zellen an. Gleichzeitig entstanden in der Hirnhaut Entzündungen und Schäden, ausgelöst durch die hohe Zahl an B-Zellen im Nervengewebe. Dieses Phänomen zeigte sich nicht, wenn genügend MDSCs vorhanden waren und diese die Anzahl der B-Zellen kontrollieren konnten.

 

MS-Verlauf hängt von kontrollierenden Myeloid-derived suppressor cells ab

Der Fund aus dem Labor wurde anschließend anhand von 25 Proben aus der Rückenmarksflüssigkeit von MS-Patienten erhärtet. Fanden die Forscher dort viele MDSCs, so hatten die Patienten meisten auch einen milderen Verlauf mit weniger Entzündungsschüben. Bei Patienten mit stärkeren Symptomen, waren die MDSC-Zahlen dagegen niedriger. „Es gibt bereits zugelassene Therapien, wo B-Zellen medikamentös herunterreguliert werden. Wir liefern nun eine Erklärung, warum das zumindest bei schlechten Verläufen eine effektive Art der Behandlung sein kann“, erklärt Korn. Da es sich nur um eine kleine Zahl von untersuchten Patienten handelte, planen er und sein Team künftig größere Patientenstudien.

Weitere Forschung nötig

Auch wollen die Forscher klären, wie B-Zellen genau das Nervensystem zerstören. Eine Hypothese ist, dass die in Hirnhäuten von B-Zellen abgegebenen Stoffe Immunzellen anlocken, die dort fälschlicherweise das körpereigene Gewebe zerstören. Eine andere Hypothese besagt, dass B-Zellen durch eine spezifische Reaktion T-Zellen aktivieren könnten, die dann die Entzündung und Gewebezerstörung vorantreiben.

Foto: Magdalena Jooss / TUM 

Autor: ham
Hauptkategorie: Medizin
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