. Neurowissenschaftliche Studie

Neue Erkenntnisse zu den Effekten von Rauchen aufs Gehirn

Der Lebensstil hinterlässt Spuren im Gehirn. Das haben Neurowissenschaftler jetzt in einer aktuellen Studie zeigen können. Interessant sind die neuen Erkenntnisse zum Rauchen.
Rauchen und Gehirn

Neurowissenschaftler: Rauchen verschlechtert die Gehirnfunktion, beeinflusst aber weniger die Gehirnstruktur als Alkohol

Jeder weiß es, jeder vierte Erwachsene tut es trotzdem: Rauchen ist nicht gesund. Der Tabakkonsum kann Lunge, Herz und Gefäße schädigen. Doch auch im Gehirn hinterlässt das Suchtmittel seine Spuren. Forscher vom Jülicher Institut für Neurowissenschaften und Medizin konnten in einer aktuellen Studie zeigen, wie stark sich eine gesunde beziehungsweise ungesunde Lebensführung auch im Gehirn widerspiegelt. Für die Studie wurden Daten zum Lebensstil und MRT-Aufnahmen des Gehirns von 248 Frauen und 301 Männern im Alter von 55 bis 85 Jahren ausgewertet. Dabei wurden die Effekte von Alkoholkonsum, Rauchen, körperlicher Bewegung und soziales Umfeld auf das Gehirn untersucht. Auch Erbinformationen wurden mit einbezogen.

Gehirnvolumenverlust durch viel Alkohol

Das Ergebnis: Der persönliche Lebensstil spiegelt sich tatsächlich im Gehirn wieder – im Guten wie im Schlechten. So trägt ein hoher Alkoholkonsum zum Gehirnabbau und dem Verlust von Nervenzellen bei, schlägt sich also direkt auf die Gehirnstruktur nieder.Sowohl die Reduktion von Nervenzellen als auch des Gehirnvolumens gelten im Alter als mitverantwortlich für eine geringere geistige Leistungsfähigkeit und Flexibilität. Umgekehrt ist die graue Substanz bei Menschen mit einem guten sozialen Umfeld und solchen, die sich viel bewegen, besser erhalten. Ein gesunder Lebensstil wirkt demnach dem Gehirnvolumenverlust entgegen. 

 

Bei Rauchern leidet die Gehirnfunktion

Interessanterweise sind Raucher nicht so sehr von einem Gehirnvolumenverlust betroffen. Dennoch hinterlässt das Rauchen Spuren im Gehirn: Den Forschern leidet die Gehirnfunktion. Nora Bittner, Erstautorin der Studie: „Es zeigte sich, dass die sogenannte funktionelle Konnektivität, also die gezielte Zusammenarbeit von Hirnregionen untereinander, im ruhenden Gehirn bei Rauchern höher ist als bei Nichtrauchern.“ Die Neurowissenschaftlerin vermutet, dass dadurch die kognitive Reserve bei Rauchern geringer ist, da die betreffenden Regionen schon im Ruhezustand auf Hochtouren laufen und damit kein Leistungspuffer mehr frei ist.

Kognitive Reserven erschöpft

Unter kognitiver Reserve versteht man die Fähigkeit des Gehirns, zusätzliche Kapazitäten im Gehirn zu aktivieren, beispielswiese bei der Problemlösung oder der Kompensation von Alterungsprozessen. Sind diese Bereiche schon anderweitig ausgelastet oder geschädigt, kommt es folglich zu einer geringeren geistigen Kapazität.

„Unsere Forschungsergebnisse zeigen eindrucksvoll, dass allgemeingültige Aussagen zu einer gesunden Lebensführung sich auch anatomisch und funktionell im Gehirn widerspiegeln“, betont Prof. Svenja Caspers, Ko-Autorin der Studie.

Was die Jülicher Forscher ebenfalls zusammen mit Genetikern zeigen konnten: Die genetische Veranlagung scheint eine untergeordnete Rolle beim Abbau bzw. Erhalt der Gehirnstruktur und -funktion zu spielen. „Wichtiger als die pure Veranlagung ist also das tatsächliche Verhalten“, betont Nora Bittner.

Die Studie “Combining lifestyle risks to disentangle brain structure and functional connectivity differences in older adults” ist Anfang Februar im Fachmagazin Nature Communications erschienen. Die Studie stützt wissenschaftliche Erkenntnisse, wonach Rauchen ein erheblicher Risikofaktor für den kognitiven Abbau ist. Zum Beispiel hatte die English Longitudinal Study of Ageing im Jahr 2012 gezeigt, dass Rauchen  von allen kardiovaskulären Risikofaktoren am schnellsten Auswirkungen auf die Gehirnleistungen zeigt. Dabei ist Rauchen der Risikofaktor, den man am besten beeinflussen kann.

Foto: pixabay

Autor: gst
Hauptkategorie: Medizin
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