. Deutsche Antibiotika-Resistenzstrategie

Neue Entwicklungen im Kampf gegen Antibiotikaresistenzen

Während eines Krankenhausaufenthaltes infizieren sich in Deutschland rund 800.000 Patienten mit einem Krankheitserreger. Seriöse Schätzungen gehen davon aus, dass rund 15.000 Patienten an einer im Krankenhaus erworbenen Infektion sterben.
Manche Keime sind mit Antibiotika nur schwer behandelbar

Unkritische Verschreibungspraxis in der Humanmedizin

In Deutschland werden viel zu viele Antibiotika eingesetzt, die zu Resistenzen führen. Wenn ein Antibiotikum gegenüber den Bakterien nicht wirksam ist, spricht man von Antibiotika-Resistenz. Eine wichtige Ursache für die zunehmende Resistenzentwicklung ist die unkritische Verschreibung von Antibiotika in der Humanmedizin. Häufig werden Antibiotika bei viralen Infektionen (vor allem bei Atemwegsinfektionen) verordnet, obwohl diese nur bei bakteriellen Infektionen wirksam sind. Insgesamt besteht im ambulanten Bereich mit 80 bis 95 Prozent aller verordneten Antibiotika der größte Handlungsbedarf.   

Um Antibiotika-Resistenzen einzudämmen, wurde von Fachleuten aus dem Gesundheitswesen, der Tierhaltung, der Lebensmittelindustrie und der tierärztlichen Tätigkeit die Deutsche Antibiotika-Resistenzstrategie, kurz DART, entwickelt. In dieser wurden zehn Ziele zur Reduzierung von antimikrobiellen Resistenzen festgeschrieben, die jeweils mit Aktionen und Meilensteinen sowie den relevanten Akteuren untersetzt sind.

Maßnahmen der Deutschen Antibiotika-Resistenzstrategie

Im Humanmedizinischen Bereich liegt der Schwerpunkt der Aktionen auf dem sachgerechten Einsatz von Antibiotika und der konsequenten Anwendung der Infektionshygiene. Mittels eines Surveillance-Systems sollen zum Beispiel Daten zur Antibiotika-Resistenz und Verordnung von Antibiotika erfasst und an Antibiotika-verordnende Ärzte weiter geleitet werden, so dass das Vorkommen resistenter Erreger lokal oder auch national frühzeitig erkannt wird. Von enormer Bedeutung ist es,  ein systematisches Rückkopplungssystem der Antibiotika-Resistenzraten an die verordnenden Ärzte aufzubauen. Dies existiert in Deutschland bislang nur eingeschränkt. Zudem wird am Robert-Koch-Institut eine Antibiotika-Therapie-Kommission eingerichtet, die Empfehlungen für die Antibiotika-Therapie initiiert und überprüft.

Gegen Antibiotikaresistenzen: mehr Informationen

Im veterinärmedizinischen Bereich sollen ebenfalls Daten zur Antibiotika-Resistenzsituation und –entwicklung erfasst werden. Tierärzte, Landwirte und Verbraucher sollen intensiv informiert werden. Der Antibiotika-Einsatz im veterinärmedizinischen Bereich soll durch Vorbeugung und Hygiene deutlich minimiert werden.

Da neue Resistenzmechanismen und Ausbreitungswege für die Zukunft nicht auszuschließen sind, wird die Antibiotika-Resistenzstrategie weiterentwickelt. Noch bis zum 28. Februar 2014  steht der Strategieentwurf auf der Internetseite des Bundesministeriums für Gesundheit zur Kommentierung bereit. Sie finden ihn unter www.bmg.bund.de/praevention/krankenhausinfektionen/antibiotika-resistenzstrategie.html

Foto: © monsieurseb - Fotolia.com

Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin

Weitere Nachrichten zum Thema Antibiotika

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
. Weitere Nachrichten
Seit einiger Zeit mehren sich die Hinweise, dass das sogenannte „Kuschelhormon“ Oxytocin Angststörungen reduzieren kann. Dies haben nun Forscher der Universität Regensburg bestätigt. Demnach kann Oxytocin soziale Phobien wirksam lindern.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
. Kliniken
. Interviews
Das Chronische Fatigue Syndrom (CFS) bedeutet für viele Patienten meist einen weitgehenden Verlust ihres bisherigen Lebens. Dennoch gibt es bisher kaum wirksame Therapien und zu wenig Forschung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen über die Erkrankung und ihre Behandlungsmöglichkeiten gesprochen.
Die Hausärzte im Seeheilbad Büsum waren damals alles Männer im oder kurz vorm Rentenalter, ihre Einzelpraxen wollte niemand übernehmen. Um einen Zusammenbruch der medizinischen Versorgung zu verhindern, rang sich die Gemeinde dazu durch, selbst als Trägerin der örtlichen Arztpraxis aufzutreten – als erste bundesweit. In dem kommunalen Eigenbetrieb arbeiten heute fast nur junge Ärztinnen. Wie das ging und welche weiteren Modelle es gibt gegen den Ärztemangel auf dem Land, erzählt Initiator Harald Stender drei Jahre nach Gründung des Pioniermodells.