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10.07.2021

Neue Empfehlungen zur Karies-Prävention bei Kindern

In den ersten Monaten und Jahren werden zentrale Weichen für die spätere Gesundheit von Kindern gestellt. Ein wichtiger Punkt: Die Karies-Prophylaxe bei Säuglingen und Kleinkindern bis zum sechsten Lebensjahr. Denn Karies im Milchgebiss kann zu Schäden im bleibenden Gebiss führen. Fachgesellschaften, Verbände und Wissenschaft haben jetzt für Eltern und Ärzte neue offizielle Empfehlungen dazu herausgegeben.
Kind und Papa putzen Zähne in der Badewanne.

In den ersten Monaten und Jahren im Leben eines Kindes sind die Eltern wichtige Vorbilder und Begleiter beim Zähneputzen.

Bei der Zahngesundheit von Kindern liegt Deutschland im internationalen Vergleich dank Prophylaxe und Aufklärung auf einem Spitzenplatz – aber nur bei den Zwölfjährigen. Bei den Sechs- bis Siebenjährigen dagegen sei immer noch fast die Hälfte von Karies betroffen, sagt Annett Neukampf, Referentin für die Zahnärztliche Versorgung beim AOK-Bundesverband. Besonders oft seien es Kinder aus sozial und wirtschaftlich benachteiligten Familien. Wenn Kinder Karies haben, kann das einen Schaden fürs ganze Leben bedeuten: Milchzahnkaries birgt in sich die Gefahr von Folgeschäden im bleibenden Gebiss

Informationen für Eltern oft widersprüchlich

Für Eltern ist trotz einer Informationsflut oft gar nicht so einfach, den richtigen Weg herauszufinden. So vielfältig die Ratschläge sind, so widersprüchlich können sie sein. In der Zahnarztpraxis hören Eltern das eine, in der Kinderarztpraxis das andere. Das „Netzwerk Gesund ins Leben“, ein Expertengremium aus medizinischen Fachgesellschaften, Verbänden und Forschungsinstitutionen hat sich jetzt auf neue offizielle Empfehlungen zur Karies-Prävention bei Kindern unter sechs Jahren verständigen können. Diese Empfehlungen sind wissenschaftlich fundiert und haben den Alltag von Familien im Blick. Insbesondere schaffen sie Klarheit für den Einsatz von Fluorid bei der Karies-Prophylaxe.

 

Karies kann verschiedene Ursachen haben

Die Entstehung von Karies kann verschiedene Ursachen haben. Die Bakterienbesiedlung der Zahnoberflächen gehört beispielsweise dazu; die Menge, Art und Häufigkeit des Verzehrs zuckerhaltiger Speisen und Getränke und andere Faktoren eine Rolle; und die Qualität der Zahnpflege.

Die vier Säulen der Karies-Prävention

Eine effektive Karies-Prävention ruht auf mehreren Säulen. Dazu gehören

  1. eine zahngesunde Ernährung,
  2. die konsequente Vermeidung von zuckerhaltigen Getränken in Säuglingsflaschen und von Dauernuckeln („Nckelflaschen-Karies"),
  3. die Anwendung von Fluoriden und
  4. ein bis zum Kleinkindalter erreichtes tägliches Zähneputzen, um Beläge soweit wie möglich zu reduzieren.

(Quelle: AOK)

Karies-Prävention: Fluorid spielt eine Schlüsselrolle

Neben der Begrenzung von süßen Speisen und Getränken und der regelmäßigen Zahnreinigung spielt für Experten die Fluoridanwendung eine Schlüsselrolle in der Karies-Vorbeugung. Bereits ab der Geburt und bis zum ersten Zahn wird Fluorid empfohlen: zunächst als tägliche Tablette in Kombination mit Vitamin D, bei Bedarf aufgelöst in ein paar Tröpfchen Wasser. Ab dem Durchbruch des erstens Zahns – in der Regel um den sechsten Monat herum – sollten Eltern mit ihrem Kinder- oder Zahnarzt bei der ersten Früherkennungsuntersuchung besprechen, ob Fluorid weiter über eine Tablette oder über die Zahncreme eingesetzt wird. Die Höhe der empfohlenen Fluoriddosis und die Art der Fluoridanwendung richten sich nach dem Alter des Kindes und der Fluoridzufuhr aus anderen Quellen. Ziel ist es, dass die als sicher angesehene höchste Zufuhrmenge nicht überschritten wird. Hier die Empfehlungen für Kinder ab der Geburt bis zum Ende des sechsten Lebensjahres.

Zahngesundheit von der Geburt bis zur Einschulung: Die neuen, wissenschaftlich basierten Empfehlungen

1. Säuglinge bis zum ersten Zahn (um den sechsten Monat)

Säuglinge sollen bis zum Durchbruch des ersten Milchzahns täglich eine Tablette mit Fluorid und Vitamin D erhalten (0,25 mg Fluorid und 400 bis 500 I.E. Vitamin D).

2. Säuglinge ab dem Zahndurchbruch bis zum 12. Monat

Die Familie soll sich im Rahmen der zahn- und kinderärztlichen Früherkennungsuntersuchungen zu Mundhygiene, zahnschonender Ernährung, behutsamer Gewöhnung an die Zahnpflege und korrekt dosierter Anwendung fluoridhaltiger Zahnpasta fachlich beraten lassen und praktisch geschult werden. Eltern sollen das Kind nach dem Zahndurchbruch behutsam und allmählich an das Zähneputzen heranführen, sodass das Kind es gern geschehen lässt – und ihm in dieser Zeit die Zähne putzen. Wichtig: Fluoridhaltige Zahnpasta und Fluoridtabletten sollen nicht in Kombination verwendet werden.

Alternative 1: Bis zu zweimal täglich Zähneputzen – völlig ohne Zahnpasta ohne mit Zahnpasta, die kein Fluorid enthält. Dies wird ergänzt durch die tägliche Gabe einer Kombi-Tablette, die Fluorid und Vitamin D liefert (Richtwert: 400 bis 500 I.E. Vitamin D und 0,25mg Fluorid).

Alternative 2: Zähneputzen mit fluoridhaltiger Zahnpasta (aber nur in Reiskorn-Größe!) plus einmal täglich eine Tablette mit Vitamin D (Richtwert: 400 bis 500 I.E.).

3. Kleinkinder zwischen 12 und 24 Monaten

Die Zähne des Kindes sollen zweimal täglich mit einer reiskorngroßen fluoridhaltigen Zahnpasta geputzt werden. Die Eltern putzen mit dem Kind die Zähne. Die Zahnpasta soll von den Eltern in korrekt dosierter Menge aufgetragen werden, um eine zu hohe Aufnahme zuverlässig zu vermeiden. Der Richtwert: 1.000 ppm Fluorid.
Bei der kinderärztlichen Untersuchungen U6 und U7 sowie den zahnärztlichen Früherkennungsuntersuchungen zwischen dem 13. und 24. Lebensmonat sollen sich Familien fachlich beraten und praktisch schulen lassen: zu Mundhygiene, zahnschonender Ernährung, behutsamer Zahnpflege und korrekt dosierter Anwendung fluoridhaltiger Zahnpasta.

4. Kleinkinder bis zum Vorschulalter (2. bis 6. Geburtstag)

Die Zähne des Kindes sollen zweimal täglich geputzt werden – nun mit einer erbsengroße Menge Zahnpasta (Richtwert: 1.000 ppm Fluorid). Die Eltern putzen die Zähne nun gemeinsam mit dem Kind: Das Kind lernt das Zähneputzen, die Eltern putzen gegebenenfalls nach. Hinzu kommt das Zähneputzen in der Kita mit ebenfalls einer erbsengroßen Menge fluoridhaltiger Zahnpasta. Um eine zu hohe Aufnahme von Fluorid zuverlässig zu vermeiden, soll die Zahnpasta soll von den Eltern beziehungsweise den Betreuungspersonen in der Kita in korrekt dosierter Menge auf die Zahnbürste aufgetragen werden.

In dieser Altersspanne sollen sich Eltern und Kind bei den pädiatrischen und zahnärztlichen Früherkennungsuntersuchungen sowie in der zahnmedizinischen Gruppenprophylaxe beraten und praktisch schulen lassen. Die Themen dabei: Mundhygiene, zahnschonende Ernährung, Zahnpflege und korrekt dosierte Anwendung fluoridhaltiger Zahnpasta.

Foto: AdobeStock/detailblick-foto

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