Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
18.09.2020

Neue Diabetesmedikamente sind mehr als Blutzuckersenker

SGLT2-Inhibitoren und GLP1-Rezeptoragonisten sind Teil der modernen Diabetestherapie. Sie verbessern auch die kardiovaskuläre Prognose von Patienten mit Typ-2-Diabetes. Nun liegen neue Daten und weitere Erkenntnisse zur chronischen Nierenerkrankung vor.
SGLT2-Inhibitoren und GLP1 Agonisten haben eine herzschützende Wirkung

SGLT2-Inhibitoren und GLP1 Agonisten haben eine herzschützende Wirkung

Herz-Kreislauferkrankungen sind immer noch die häufigste Todesursache weltweit. Verbesserte Interventionsmöglichkeiten wie optimierte Lipidtherapien haben in den letzten 15 Jahren indes zu einem besseren Outcome beigetragen, das heißt, die kardiovaskuläre Risikofaktoren lassen sich besser therapieren. „Wir sehen aber auch, dass Patienten mit Diabetes Typ 2 nicht so wirklich von dieser Entwicklung profitieren“, sagte Dr. Florian Kahles auf dem europäischen Kardiologenkongress ESC 2020 mit Blick auf schwedische Registerdaten. Ihr Risiko, an einem kardiovaskulären Ereignis zu sterben, sei um das zweifache erhöht.

Hoffnung, diese „Pandemie“ abzuschwächen, machen unterdessen neue antidiabetische Therapeutika. SGLT2-Inhibitoren und GLP1-Rezeptor-Agonisten haben Kahles zufolge einen Paradigmenwechsel in der Diabetestherapie eingeleitet. Beide Substanzklassen scheinen Herz und Gefäße zu schützen.

Schutz von Herz, Gefäßen und Nieren

Bei SGLT2-Inhibitoren bestätigt sich nun zusätzlich eine nierenschützende Wirkung. Fast pünktlich zum ESC Ende August wurden die Ergebnisse der DAPA-CKD und der EMPEROR-Reduced-Studie publiziert. Beide Studien zeigen, dass das Fortschreiten einer chronischen Nierenerkrankung mit einem SGLT2-Inhibitor hinausgezögert werden kann – in dem einen Fall mit Dapagliflozin im anderen mit Empagliflozin. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Patienten an Diabetes litten oder nicht.

 

GLP-1-Rezeptoragonisten reduzieren kardiovaskuläre Entzündung

Glucagon-like Peptide 1 (GLP-1) ist ein Darmhormon, das nach dem Essen ins Blut ausgeschüttet wird und zu einer Senkung des Blutzuckerspiegels führt. Medikamente, die das GLP-1-System verstärken die sogenannten GLP-1-Rezeptoragonisten werden daher im klinischen Alltag erfolgreich zur Behandlung des Diabetes mellitus eingesetzt. In großen Studien wie etwa LEADER, REWIND oder SUSTAIN konnte gezeigt werden, dass durch den Einsatz von GLP-1-Rezeptoragonisten neben der Blutzuckersenkung auch eine reduzierte Sterblichkeit aufgrund von Herz-Kreislauferkrankungen erreicht werden konnte.

Dr. Kahles erklärt die Ergebnisse mit einer antiinflammatorischen Wirkung der Antidiabetika. Umgekehrt sei GLP-1 ein möglicher Marker für Entzündung. „Wir sind an der Uniklinik RWTH Aachen der Frage nachgegangen, wie sich GLP-1-Blutwerte bei Patienten mit Blutvergiftungen und Herz-Kreislauferkrankungen verhalten und konnten zeigen, dass Patienten mit akutem Herzinfarkt erhöhte GLP-1-Werte im Blut aufweisen“, erläuterte Kahles. „Spannenderweise konnte die Höhe der GLP-1-Spiegel im Blut sehr gut die Überlebenswahrscheinlichkeit dieser Patienten vorhersagen. Es werden zukünftige Studien benötigt, um die Frage zu klären, ob GLP-1 ein möglicher neuer Risikomarker für Herz-Kreislauferkrankungen sein könnte.“

Unterdessen rät der Experte Diabetikern mit Arteriosklerose eher zu einem GLP-1-Rezeptoragonisten, während er Diabetikern mit Herzinsuffizienz und/ oder Nierenerkrankung einen SGLT2-Inhibitor empfiehlt. Denkbar sei auch eine Kombination, dazu fehlten aber noch größere Studien.

Foto: © Adobe Stock/KaterynaNovikova

Autor: ham
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Diabetes , Herzinsuffizienz , Nieren
 

Weitere Nachrichten zum Thema SGLT-2-Hemmer

Aktuelle Nachrichten

Mehr zum Thema
 
Weitere Nachrichten
Sie wiegen so viel wie unser Gehirn und viel mehr als unser Herz – und sind genauso lebenswichtig: die Darmbakterien. Sie verdauen unser Essen, entsorgen Giftstoffe und schützen uns als Teil des Immunsystems vor Krankheitserregern. Mit seiner Ernährung hat es der Mensch selbst in der Hand, ob er dieses unsichtbare „Organ“ schwächt – oder stärkt.

Für Babys ist liebevolle Berührung existenziell: um sich geborgen zu fühlen, physisch und psychisch zu gedeihen und später normale Beziehungen eingehen zu können. Zwischenmenschliche Berührung wirkt auf sie wie ein sanftes Arzneimittel: Sie verlangsamt den Herzschlag, baut Stress ab und führt im Körper zu Entspannung.

 
Interviews
Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.


Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.
Logo Gesundheitsstadt Berlin