. Fachgesellschaften

Neue Demenz Leitlinie empfiehlt Bewegung und Ginkgo

Im Januar ist die neue medizinische Leitlinie Demenzen erschienen. Danach kann ein aktiver, gesunder Lebensstil, den Krankheitsverlauf wahrscheinlich bremsen. Neu ist, dass Ginkgo bei ersten Demenz-Anzeichen empfohlen wird.
Neue Demenz Leitlinie empfiehlt Bewegung und Ginkgo

Alzheimer und Demenz vorbeugen: Aktiv bleiben und eventuell etwas Ginkgo nehmen

Noch ist nicht eindeutig wissenschaftlich nachgewiesen, ob frühe präventive Maßnahmen das Fortschreiten einer Demenz tatsächlich aufhalten können. Doch die Hinweise verdichten sich, dass eine Alzheimer-Demenz nicht allein Schicksal ist. Nicht zuletzt, weil nachhaltig wirksame Medikamente fehlen, sind in die neue medizinische Leitlinie Demenzen allerlei Empfehlungen eingeflossen, die den Lebensstil in den Blick nehmen. So wird bei ersten Anzeichen einer Demenz zu einem gesunden und aktiven Lebensstil geraten, der körperliche Bewegung und ein aktives soziales Leben mit einschließt. Auch Diabetes, Bluthochdruck und Übergewicht sollten im Auge behalten werden, um diesen Risikofaktoren frühzeitig medizinisch entgegenzuwirken, sagt die neue Leitlinie Demenzen.

Was dem Herz gut tut, hilft auch dem Gehirn

„Es gibt wahrscheinlich Möglichkeiten, das Risiko einer Erkrankung zu mindern“, erklärt Prof. Frank Jessen, Leitlinienkoordinator der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN)DGPPN. „Als Faustregel gilt: Was dem Herz gut tut, hilft auch dem Gehirn.“ Daneben empfiehlt die neue Leitlinie psychosoziale Interventionen, etwa eine alltagsnahe kognitive Stimulation, eine individuell angepasster Ergotherapie oder gezielte körperliche Aktivitäten. Solche Trainings wirkten so gut wie Medikamente und seien als gleichrangiger zentraler Bausteine im Gesamtbehandlungsplan von Demenzerkrankungen anzusehen.

Hinweise auf eine positive Wirkung von Gingko

Unter den medikamentösen Therapien führt die Leitlinie ausdrücklich die Gruppe der Acetylcholinesterase-Hemmer auf. Memantin verbessere die Alltagsfunktion und den klinischen Gesamteindruck bei Patienten mit moderater bis schwerer Alzheimer-Demenz, heißt es. Neu ist eine positive Erwähnung der Pflanze Ginkgo biloba. Laut Leitlinie profitieren Personen mit leichter bis mittelgradiger Alzheimer-Demenz oder durchblutungsbedingter Demenz, die zusätzlich unter Verhaltensänderungen wie Depression oder Antriebsstörungen leiden, von dem Ginkgo-Präparat. Ansonsten stellen die Mediziner fest: Viele Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel, die Patienten heute erhalten, seien wirkungslos.

Moderne Alzheimer Diagnostik ist ziemlich exakt

Praktisch lässt sich die neue Leitlinie so übersetzen: Versucht die Demenz, mit einem gesunden Lebensstil und vielleicht etwas Gingko aufzuhalten – auch wenn es noch keine handfesten Beweise dafür gibt. Darum wird auch die Bedeutung der Früherkennung betont. „Wenn die fachlich richtigen Methoden gewählt werden, können wir heute eine Alzheimer-Erkrankung mit einer Vorhersagestärke von 85 bis 90 Prozent prognostizieren“, sagt Prof. Jörg Schulz, Direktor des Neurologischen Universitätsklinikums in Aachen. Jeder Patient mit sicher diagnostizierten klinischen Vorzeichen sollte über die Möglichkeiten einer Frühdiagnostik aufgeklärt werden. Das Recht des Patienten auf Nichtwissen bleibe aber in jedem Fall bestehen.

Foto: © Alexander Raths - Fotolia.com

Autor: ham
Hauptkategorien: Prävention und Reha , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Demenz , Alzheimer , S3-Leitlinie

Weitere Nachrichten zum Thema Demenz

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
. Weitere Nachrichten
Dass körperliche Inaktivität, hoher Alkoholkonsum, Rauchen und Bluthochdruck Risikofaktoren für kardiovaskuläre Erkrankungen sind, ist bekannt - wie ungleich diese innerhalb Deutschlands verteilt sind, jedoch weniger. Eine Studie zeigt, dass Menschen aus dem Ostteil des Landes ein ungünstigeres Risikoprofil aufweisen.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Für Menschen mit Behinderung sind Arbeit und gesellschaftliche Teilhabe nach wie vor nicht selbstverständlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Ulla Schmidt, MdB und Bundesvorsitzende der Lebenshilfe, darüber gesprochen, was getan werden muss, um die Situation von Betroffenen zu verbessern.
Prof. Hendrik Streeck leitet Deutschlands erstes Institut für HIV-Forschung am Universitätsklinikum Duisburg-Essen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem US-Rückkehrer über sein größtes Ziel gesprochen: eine präventive Impfung gegen HIV.
Die Fronten zwischen Gegnern und Befürwortern der Homöopathie sind verhärtet. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Homöopathie-Kritikerin Dr. med. Natalie Grams über wissenschaftliche Prinzipien und den verbreiteten Wunsch nach medizinischen Alternativen gesprochen.