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Neue Darmkrebs-Tests im Vergleich

Zur Entdeckung von Darmkrebs und seinen Vorstufen werden seit 2017 neue immunologische Tests eingesetzt. Wissenschaftler haben neun dieser Tests miteinander verglichen.
Krebsvorsorge

Forscher verglichen neue Tests zur Darmkrebs-Vorsorge

Die Darmkrebs-Vorsorge ist seit diesem Jahr einfacher und zuverlässiger geworden. Neue immunologische Tests erkennen, ob sich im Stuhl der Blutfarbstoff Hämoglobin befindet. Dies dient als Hinweis darauf, ob ein Patient an Darmkrebs oder einer Darmkrebsvorstufe erkrankt ist. Dieses Verfahren ist sicherer als sein Vorgänger, der weniger spezifische HämOccult-Test.

An der Entwicklung beteiligt war Hermann Brenner vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ). Mittlerweile sind verschiedene immunologische Tests auf dem Markt. „Bisher war unklar, ob und in welchem Umfang es Unterschiede zwischen den angebotenen Tests gibt", sagt der Epidemiologe. Deshalb hat er gemeinsam mit seinen Mitarbeitern neun Tests einem direkten Vergleich unterzogen. Die entsprechende Studie erschien im Fachmagazin Gastroenteroloy.

Neue Darmkrebs-Tests im Vergleich

Ergebnis: Alle neun Tests entdeckten die große Mehrheit aller Darmkrebserkrankungen und auch viele Darmkrebsvorstufen. Folgt man den Angaben der Hersteller, ab welchem Wert ein Test als positiv zu werten ist, dann unterscheiden sich die Häufigkeiten positiver Resultate stark. Als die Wissenschaftler jedoch bei der Auswertung die Schwellenwerte anpassten, so lieferten alle Tests sehr ähnliche Ergebnisse.

„In dieser Arbeit legen wir erstmals und weltweit bislang einmalig einen direkten Vergleich der diagnostischen Wertigkeit einer großen Zahl von quantitativen Tests in derselben, großen Gruppe von Untersuchungsteilnehmern vor", sagt Hermann Brenner. Aus den Zahlen ließen sich bundesweite Empfehlungen für Schwellenwerte einzelner Tests ableiten, heißt es weiter in einer Mitteilung des DKFZ.

 

Test funktioniert sogar mit Smartphone-App

Bei fünf der neun Tests ist eine Laboranalyse notwendig. Die restlichen vier Tests können direkt in der hausärztlichen Praxis durchgeführt und ausgewertet werden. Sogar der Test, der mit Hilfe einer Smartphone-App ausgewertet wird, lieferte zuverlässige Resultate – zumindest dann, wenn er von geschultem Personal durchgeführt wurde.

Darmkrebs ist die dritthäufigste Krebsart weltweit. Pro Jahr erkranken etwa 1,4 Millionen Menschen daran, 700.000 versterben. Auch bei Darmkrebs gilt: Je eher man ihn entdeckt, desto besser. Deshalb haben alle in Deutschland gesetzlich Krankenversicherten ab dem 55. Lebensjahr Anspruch auf eine Darmspiegelung. Sie gilt als sicherste Methode zur Entdeckung von Darmkrebs und seinen Vorstufen. Doch das Testverfahren ist aufwändig und viele Patienten scheuen sich davor. Nur 20 bis 30 Prozent der Berechtigten nehmen daran teil.

Niederlande laden Patienten zu Darmkrebs-Test ein

Die neuen immunologischen Testverfahren, die seit April 2017 von den Krankenkassen bezahlt werden, sollen dabei helfen, mehr Menschen zu einer Vorsorgeuntersuchung zu motivieren. „Bei unseren Nachbarn in den Niederlanden funktioniert das schon sehr gut“, berichtet Brenner. Dort werden die Menschen mit einem persönlichen Brief zur Teilnahme eingeladen – der Test wird direkt mitgeschickt. Dadurch lassen sich Teilnahmeraten von über 60 Prozent erreichen. Deutschland ist davon bisher noch weit entfernt.

Foto: wolfilser/fotolia.com

Autor: bab
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