Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
12.10.2018

Neue Behandlung heilt Vorhofflimmern mit Kälte

Die Katheterablation bei Vorhofflimmern ist inzwischen ein häufiger Eingriff. Ärzte haben das Verfahren nun modifiziert und die verursachenden Lungenvenen mit Kälte verödet. In Ulm wurde die eiskalte Kryoablation nun weltweit zum ersten Mal bei drei Patienten durchgeführt.
Kryoablation, Vorhofflimmern

Ulmer Ärzte bei der ersten Kryoablation: Können Vorhofflimmern mit Kälte heilen

Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung und eine der häufigsten Ursachen für einen Schlaganfall. Ursache sind unregelmäßige, elektrische Signale aus den Lungenvenen, die in die Herzvorhöfe weitergeleitet werden und dort den Rhythmus des Herzschlags beeinträchtigen. Durch den unregelmäßigen Herzschlag bilden sich im linken Vorhof Thromben. Gelangen sie mit der Blutbahn ins Gehirn, kommt es zum gefürchteten Hirninfarkt.

Wenn Medikamente nicht helfen, können Ärzte die Lungenvenen mit einer Katheterablation veröden, um störenden elektrischen Signale zu unterbinden.

Lungenvenen mit Kälte verödet

Ärzte vom Universitätsklinikum Ulm haben die Methode verfeinert: Bei der sogenannten Kryoablation erfolgt die gezielte Verödung der Lungenvenen mit Kälte. Das neue Verfahren wurde nun weltweit zum ersten Mal bei drei Patienten eingesetzt.

Aufgrund von Änderungen im Aufbau erlaube der Kryoballon eine verbesserte Kontrolle der Signale aus den Lungenvenen während der Ablation und damit individueller Anpassung der Therapie, sagt Dr. Tillman Dahme, Leiter des Bereichs Elektrophysiologie an der Uniklinik Ulm. „Dadurch ist zu erwarten, dass die ohnehin bereits geringen Komplikationsraten bei der Kryoablation weiter abnehmen werden“, so der Experte. Zudem verkürze sich die Dauer des Eingriffs und die Patienten werden weniger Röntgenstrahlung ausgesetzt.

 

Neue Kryoballon arbeitet mit 70 °C Grad Minus

Dahme hatte den neuen Kryoballon maßgeblich mit entwickelt. Bei dem Eingriff wird der Kryoballon-Katheter mit dem aufblasbaren Ballon an der Spitze durch die Leistenvene bis in den linken Herzvorhof eingeführt. Dort wird der Ballon an der Öffnung zur Lungenvene platziert, aufgeblasen und mit einem Kühlmittel gefüllt. Die Kälte von bis zu minus 70 °C  führt dazu, dass sich eine kreisförmige Narbe um die Lungenvene bildet. Dadurch wird diese elektrisch isoliert (verödet) und es gelangen keine elektrischen Störimpulse mehr von der Lungenvene in den Herzvorhof.

Behandlung kann Vorhofflimmern heilen

„Anders als die medikamentöse Therapie, kann die Kryoablation Vorhofflimmern heilen“, sagt Dahme, der die Technik nun routinemäßig einsetzen will. In den kommenden Wochen sollen außerdem weitere Eingriffe mit dem neuen Kryoballon an ausgewählten Zentren in Deutschland und Europa, später dann auch weltweit folgen.

In Deutschland sind schätzungsweise rund eine Million Menschen von Vorhofflimmern betroffen, die meisten sind älter als 60 Jahre. Laut den Ulmer Ärzten ist  die Katheter-Ablation mit dem Kryoballon auch für Patientinnen und Patienten, die 75 Jahre oder älter sind, empfehlenswert. „Für diese Altersgruppe werden ebenfalls sehr gute Ergebnisse bei geringen Komplikationsraten erzielt, wie wir in einer klinischen Studie zeigen konnten“, so der Elektrophysiologe.

Foto: Universitätsklinikum Ulm

Autor: ham
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Vorhofflimmern , Herz
 

Weitere Nachrichten zum Thema Vorhofflimmern

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten

Sommerhitze kann Spaß und Freibad bedeuten –aber auch in der Notaufnahme enden. Der Körper trocknet aus, mit der Folge, dass der Kreislauf verrücktspielt, Menschen verwirrt sind oder die Reaktionsfähigkeit im Straßenverkehr sinkt. Das Wichtigste ist: viel trinken, aber nicht zu Kaltes. Denn das verstärkt das Schwitzen – und damit das Problem.

 
Interviews
Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.


Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.
Logo Gesundheitsstadt Berlin