Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Neue Antikörpertherapie wirksam bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen

Donnerstag, 6. Februar 2014 – Autor:
Für Patienten mit einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa gibt es neue Hoffnung. Zwei vielversprechende Medikamente stehen kurz vor der Zulassung, eins davon ist ein bewährtes Rheumamittel.
Morbus Crohn und Colitis ulcerosa: Zwei neue Antikörper greifen die Entzündungszellen gezielter an

Morbus Crohn und Colitis ulcerosa: Zwei neue Antikörper greifen die Entzündungszellen gezielter an

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED) sind bislang unheilbar. In Deutschland sind rund 350.000 Menschen davon betroffen, meist handelt es sich um Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa. Im Extremfall kann die Erkrankung zu einer Frühberentung führen, denn nur bei einem Teil der Patienten lindern Medikamente die Symptome wie Bauchschmerzen, Durchfälle und Übelkeit.

Jetzt können Patienten neue Hoffnung schöpfen. Die beiden Wirkstoffe Ustekinumab und Vedolizumab stehen kurz vor der Zulassung und wurden, wie die Direktorin der Medizinischen Klinik der Charité am Dienstag auf einer Pressekonfernez in Berlin berichtete, in klinischen Studien erfolgreich getestet. Beide Medikamente setzen bei der Krankheitsursache an und können Siegmund zufolge die Lebensqualität von Betroffenen verbessern.

Die neuen Medikamente wirken "darmspezifisch"

Ustekinumab wird bereits bei Rheuma- und Hautpatienten erfolgreich eingesetzt und soll nun in Kürze auch für die Therapie von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen zur Verfügung stehen.  Vedolizumab ist dagegen ein neu entwickelter entzündungs-hemmender Wirkstoff: Ein Antikörper verhindert das Eindringen von Entzündungszellen durch die Darmwand und blockiert einen Rezeptor, den die schützenden Lymphozyten benötigen, um in den Darm einzuwandern. „Bisher eingesetzte Medikamente hemmen das gesamte Abwehrsystem eher unspezifisch und anti-entzündlich, erklärte Professor Siegmund. „Im Vergleich dazu wirkt Vedolizumab gezielt ‚darmspezifisch‘ und ermöglicht so eine neue zukunftsweisende Behandlungsstrategie. Dadurch können wir frühzeitiger eine effektive Therapie einleiten.“

Gerade bei Chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen sei eine frühzeitige Diagnose, gefolgt von einem Therapieansatz, der bei den Krankheitsursachen ansetzt, am vielversprechendsten, meinte die Darmspezialistin. Bislang konnten Medikamente die die Symptome lindern und auch eine Remission erreichen, allerdings nicht bei allen Patienten.

 

Chronisch-entzündlichen Darmerkrankung: viele junge Menschen von einer betroffen

Die Ursachen für chronisch-entzündliche Darmerkrankungen sind noch nicht gänzlich bekannt. Bei einem Viertel der Betroffenen ist die Erkrankung durch eine vererbte Abwehrschwäche zu erklären. Ein Ausbruch der schubweise auftretenden CED kann aber auch durch Rauchen und Stress ausgelöst werden. Viele Patienten werden in jungen Jahren mit der Diagnose konfrontiert. „Das ist besonders hart, denn in diesem Lebensabschnitt sollte die Planung des Berufslebens und der Familie im Vordergrund stehen“, sagte Siegmund in Berlin.

Foto: © abhijith3747 - Fotolia.com

Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Chronisch entzündliche Darmerkrankungen , Morbus Chron , Antikörper
 

Weitere Nachrichten zum Thema Darmerkrankungen

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten

Zeitdruck, eine Abfuhr vom Chef, ständige Ablenkung: Im Berufsleben gibt es viele Faktoren, die Stress auslösen. Psychologen der Universität des Saarlandes konnten jetzt diesen Alltagsstress tatsächlich messen: anhand der Veränderungen in der Stimme.

Die Bundesregierung hat den kostenlosen Corona-Test abgeschafft. Seit heute müssen die Bürger an den offiziellen Teststellen für den Test drei Euro zahlen. Warum das ausgerechnet bei steigenden Infektionszahlen passiert, hat einen banalen Grund.
 
Interviews
Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.

Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin